Statement Lars Jessen

RegisseurVor fast 20 Jahren erzählte mir ein Freund von

Jürgen (Heinz Strunk) im Partytrubel.
Jürgen im Partytrubel.

»Vor fast 20 Jahren erzählte mir ein Freund von einem seltsam komischen Typen, mit dem er auf einer Art Comedy-Bäder-Tour durch die Kursäle Norddeutschlands getingelt war. Er überreichte mir eine CD mit dem Titel "Der Mettwurstpapst". Aufl age vielleicht 100 Stück, selbst kopiertes Cover, vorne drauf ein Mann mit Knopfaugen und einem beigefarbenen Schlapphut – Heinz Strunk als Jürgen Dose. Die CD war voll mit nie zuvor gehörten, gleichzeitig komischen und zutiefst berührenden Hörspielen aus der Welt des erwach- sen-kindlichen Helden Jürgen, der mit seiner bettlägerigen Mutter ein Schicksal ergebenes Dasein in einer Dreizimmerwohnung einer Hochhaussiedlung fristete. Für mich ging damit nicht weniger als ein neues deutsches Humor-Kapitel auf, nur vergleichbar mit dem ersten Film von Detlev Buck "Erst die Arbeit und dann".

Die Sprache, die Stimmen, die ganze Stimmung der weitgehend pointenfreien und gleichzeitig unfassbar lustigen Hörstücke machten mich neugierig auf den Mann, der dahinter steckte. Ich wählte die Nummer auf dem Cover und besuchte Heinz Strunk, der damals tatsächlich noch mit seiner kranken Mutter zusammenwohnte und bei den "Tiffanys" auf Schützenfesten Saxophon spielte. Heinz Strunk war fortan in fast allen meinen Projekten als Darsteller dabei – vom "Großstadtrevier" bis hin zu "Fraktus". Und schon Ende der 90er Jahre fantasierten wir darüber, dass man Jürgen unbedingt zum Helden einer Fernsehserie machen sollte. Damals ein unendlich weit entfernter Traum.

Dass wir es jetzt nach dieser langen Zeit, nach unzähligen Drehbuchfassungen und vielen Phasen, in denen die Hoff nung auf eine Realisierung kaum noch vorhanden war, den Film tatsächlich gemacht haben, ist immer noch nicht ganz greifb ar. Zur Geschichte von Jürgen gehört untrennbar auch Charly Hübner, dessen Figur Bernd in den Hörspielen von Heinz Strunk selbst gesprochen wurde. Charly Hübner ist es gelungen, seine Figur von der Vorlage zu emanzipieren und sie gleichzeitig im Kern zu treffen. Er verleiht dem vermeintlich schwer behinderten Bernd eine anrührende naivaufmüpfige Wärme. Bei all dem Schwachsinn, der aus Bernd herauskommt, schafft Charly Hübner dabei eine durch und durch reale und heutige Figur. Durch das entwaffnende Spiel Hübners entfaltet der von Heinz Strunk selbst gespielte Jürgen seinen vollen Glanz. Jürgen und Bernd eint eine Art optimistischer Fatalismus, eine Geisteshaltung, die man eigentlich aus der englischen Kultur kennt. Trotzdem ist die Erzählweise zutiefst deutsch und stellt eine gesellschaftliche Schicht in den Mittelpunkt, die ansonsten nur im Sozialdrama oder im Kriminalfi lm vorkommt. Heinz Strunk beweist mit jeder Pore seine These, dass wahre Komik vor allem der Tragik geschuldet ist!

Mein großer Dank gilt unserer Redakteurin Nina Klamroth, Barbara Buhl und Gebhard Henke vom WDR für den jahrelangen Glauben an dieses Projekt.«




4 Bewertungen
Kommentare
Bewerten

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Bitte beachten: Kommentare erscheinen nicht sofort, sondern werden innerhalb von 24 Stunden durch die Redaktion freigeschaltet. Es dürfen keine externen Links, Adressen oder Telefonnummern veröffentlicht werden. Bitte vermeiden Sie aus Datenschutzgründen, Ihre E-Mail-Adresse anzugeben. Fragen zu den Inhalten der Sendung, zur Mediathek oder Wiederholungsterminen richten Sie bitte direkt an die Zuschauerredaktion unter info@daserste.de. Vielen Dank!

*
*

* Pflichtfeld (bitte geben Sie aus Datenschutzgründen hier nicht Ihre Mailadresse oder Ähnliches ein)

Kommentar abschicken

Ihr Kommentar konnte aus technischen Gründen leider nicht entgegengenommen werden

Kommentar erfolgreich abgegeben. Dieser wird sobald wie möglich geprüft und danach veröffentlicht. Es gelten die Nutzungsbedingungen von DasErste.de.