Gemeinsames Interview

des "Inselärztin Ensembles"

Filipa (Anja Knauer) findet in Stella (Dennenesch Zoudé) eine echte Freundin.
Filipa findet in Stella eine echte Freundin. | Bild: ARD Degeto/Tivoli Film / Diensen Pamben

Was zeichnet die moderne Medical-Reihe "Die Inselärztin" aus? Wie unterscheidet sich die Reihe von anderen Formaten?

Anja Knauer: Die Inselärztin hat ihre Praxis in einem 5-Sterne Hotel auf einer kleinen Insel mitten im indischen Ozean. Sie ist eine sehr eigenwillige und ungewöhnliche Ärztin. Die Geschichten schauen hinter ihre starke Fassade, genau wie hinter die Kulissen dieses Hotels und erzählen auch das zum Teil nicht einfache Leben der Einheimischen in den Dörfern. Die Kamera und Inszenierung ist sehr modern und die Figuren sind es auch.

Tobias Licht: Modern trifft es in der Tat sehr gut. Die Geschichten sind mit hohem Tempo erzählt. Mauritius steht mit all seinen Farben im Mittelpunkt, ohne allerdings die Figuren, ihre Probleme und Konflikte zu überlagern. Der Medical-Anteil ist komplex und authentisch.

Tyron Ricketts: "Die Inselärztin" verbindet Spannung, Humor und Liebe in sehr hochwertig produzierten Filmen. Mir gefällt besonders gut, dass es viele wichtige Rollen gibt, in denen schwarze Schauspieler als Menschen und nicht als Klischees besetzt sind.

Helmut Zierl: Ich glaube, es ist hier sehr gut gelungen, verschiedene Genres miteinander zu verbinden. Das Publikum liebt Arztserien genauso wie Hotelgeschichten.

Ihre Figuren könnten unterschiedlicher nicht sein. Wie passen diese Persönlichkeiten zusammen?

Tobias Licht: Gerade das ist die Stärke des Formats. Es werden so viele verschiedene Facetten und Figuren gezeigt, so dass es garantiert nicht langweilig wird. Die Geschichten behandeln zwar in jeder Folge einen in sich geschlossenen medizinischen Fall, aber die horizontale Entwicklung der Hauptfiguren kommt auf keinen Fall zu kurz.

Anja Knauer: Filipa und Emi finden sich ziemlich schnell und entwickeln eine echte Freundschaft. Mit dem Hoteldirektor läuft es dagegen nicht so gut. Filipas Weigerung, sich irgendjemandem unterzuordnen, und ein sehr misslungenes erstes Kennenlernen machen es nicht einfacher. Die beiden brauchen ein bisschen länger, um zu verstehen, dass sie sich in mancher Hinsicht gar nicht so unähnlich sind. Hinter beider harter Schale steckt ein sehr weicher Kern. Trotzdem sind beide auf ihre Art starke Alphatiere. Und für solche kann es ja bekanntlich erstmal nur eine(n) geben.

Dennenesch Zoudé: Das Spannende am Hotelleben ist ja, dass der Zufall die unterschiedlichsten Charaktere unter einem Dach vereint und miteinander konfrontiert, die sonst nicht zueinander finden würden.

Helmut Zierl: Genau das macht die Qualität aus. Es sind komplett unterschiedliche Charaktere, die im Hotel aufeinandertreffen. Jeder kämpft uneigennützig, manchmal auf sehr rührende Weise darum, den Hotelgästen, Einheimischen und Angestellten das Leben zu erleichtern oder zu verbessern. Das birgt großes Potenzial für weitere Geschichten.

Sie haben während der Dreharbeiten viel Zeit auf Mauritius verbracht. Dreht man auf einer Insel entspannter als in Deutschland? Was ist Ihnen ganz besonders in Erinnerung geblieben?

Anja Knauer: Wir waren ein großes Team mit vier verschiedenen Sprachen; das war sehr spannend und lustig, aber mitunter natürlich auch eine große Herausforderung. Und ich bin größtenteils noch in der Nacht aufgestanden und erst wieder zurück ins Hotelzimmer gekommen, als es schon wieder dunkel war. Drehen ist eben nicht Urlaub. Ich habe einen ganzen Drehtag im Meer verbracht, das war schon sehr besonders. Und ich kann verraten, es gibt tatsächlich jede Menge Delfine!

Helmut Zierl: Ich habe auf keinen Fall entspannter gedreht (lacht). Ein Hoteldirektor, der bei vierzig Grad im Schatten mit Zweireiher, Weste und Krawatte seinen Dienst verrichten muss, kann nicht entspannt sein. Ich hatte durch diese Kleidung unter den klimatischen Bedingungen ein bisschen zu leiden…

Dennenesch Zoudé: Ich mochte die gelassene, freundliche Lebenseinstellung der Insulaner. Da scheint die Sonne halt immer, egal wie schlecht es den Leuten geht. Das ist mir einfach nah.

Haben Sie auch Zeit gehabt, um sich die Umgebung etwas genauer anzusehen? Vielleicht auch Kontakt zu den Einheimischen gehabt? Wie leben die Menschen dort abseits des Tourismus?

Anja Knauer: Ich war ein Wochenende zelten, quasi als Urlaub vom 5-Sterne-Hotel. Wir sind einmal quer über die Insel gefahren, haben viele phantastische Strände, spektakuläre Sonnenuntergänge gesehen und tolle kreolische Küche auf der Straße gegessen. Es gibt indisch-, chinesisch- und afrikanischstämmige Einheimische, ca. 48% Hinduisten, 33% Christen und 17% Muslime. In kleinen Dörfern auf dem Land ist das Leben oft sehr einfach. Aber die Regierung hat ein sehr gut ausgebautes Sozialsystem. Die Alphabetisierungsrate liegt bei fast 90 Prozent, und fast jeder Mauritier hat Zugang zu sauberem Trinkwasser, was in vielen afrikanischen Ländern ja leider noch keine Selbstverständlichkeit ist.

Tobias Licht: Es ist eine faszinierende Insel, in jeglicher Hinsicht. Wo sonst auf der Welt gibt es einen Platz, wo die großen Religionen friedlich koexistieren und sich die Einheimischen in erster Linie als Bewohner der Insel und erst dann als Zugehörige ihrer Religion sehen?

Tyron Ricketts: Ich war zwischen meinen Drehtagen viel auf der Insel unterwegs und habe mich mit einigen Mauritiern angefreundet. Mir persönlich gefällt das echte Leben abseits des Tourismus sogar noch besser als die Anlagen, in denen man nur sporadisch Kontakt zu der "echten" Insel hat. Mir ist die große Gastfreundschaft und Lebensfreude aufgefallen, die einem überall begegnet.

Helmut Zierl: Durch Zufall habe ich einen ganzen Nachmittag bei der Familie eines mauritischen Taxifahrers verbracht. Es goss in Strömen, und er nahm mich mit zu sich nach Hause. Er war sehr stolz, weil er sich durch viel Fleiß schon ein zweites, sehr großes Haus gebaut hatte. Wir haben gemeinsam Telenovelas gesehen und Tee getrunken. Seine Frau, seine beiden Töchter und sein Sohn boten mir landestypische Speisen an. Sie wollten sehr viel über meinen Beruf wissen. Ihre absoluten Stars waren Bollywood-Schauspieler.

Dennenesch Zoudé: Ich habe den Dreh genutzt, um mich meiner Wasserphobie zu stellen. Ich bin das erste Mal angstfrei ins Meer und bin sogar mit Delphinen geschwommen. Ein sehr großes persönliches Erlebnis.

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