Interview mit Paula Kalenberg

Eine Affäre mit Folgen für Jackie (Paula Kalenberg).
Eine Affäre mit Folgen für Jackie. | Bild: ARD Degeto / Erika Hauri

Wie gefällt Ihnen die ungewöhnliche Liebesgeschichte?

Ich glaube, dass es unserer Regisseurin Nana Neul vor allem darum ging, die universellen Elemente und Probleme einer jeden romantischen Liebe aufzudröseln. Ich würde also nicht sagen, dass es sich bei unserem Film in erster Linie um ein Plädoyer für ungewöhnliche Liebes- bzw. Lebensmodelle handelt. Es gefällt mir jedoch, dass dem einen oder anderen Zuschauer durch unsere Geschichte vielleicht nebenbei ein Denkanstoß gegeben wird, unsere gängigen, teilweise recht festgefahrenen Vorstellungen von der einen großen Liebe zu hinterfragen.

Jackie hat in Martin den perfekten Partner gefunden – ihre große Liebe. Dennoch verliebt sie sich in Serge. Kann auch eine Liebe zu dritt funktionieren oder glauben Sie mehr an das Glück zu zweit?

Ich bin mir sicher, dass mehr Menschen, als man denkt, bereits in der Situation waren, dass sie für mehr als nur eine Person eine tiefe, romantische Liebe empfunden haben. Und der ein oder andere hat sich vielleicht auch schon einmal selbst bei dem Wunsch ertappt, diese Liebe mit mehr als nur einer einzigen Person ausleben zu dürfen. Ich kann nicht entscheiden, ob wir allein aus gesellschaftlich geprägter Gewohnheit die monogame Zweier-Beziehung auf Lebzeiten anstreben, oder ob es in unserer Natur steckt. Jedenfalls bewundere ich es sehr, wenn Menschen dieses Wagnis eingehen, mit Konventionen zu brechen. Die Praxis sieht jedoch auf Dauer sehr selten ausgewogen und harmonisch aus, befürchte ich. Wie auch in unserer Geschichte entsteht einfach schnell ein Ungleichgewicht und Menschen verletzten einander.

Durch die Begegnung mit Serge bekommt auch Jackies Beziehung zu Martin einen neuen Kick. Was läuft denn nicht so rund in ihrer Ehe? Wie lässt sich verhindern, dass langjährige Paarbeziehungen eintönig werden?

Keine Ahnung. Ich glaube nicht, dass es da ein universelles Rezept gibt. Ich persönlich mag die Beziehung zwischen Jackie und Martin sehr und habe nicht das Gefühl, dass den beiden "Eintönigkeit" zum Verhängnis wird. Es ist doch eher die mangelnde Ehrlichkeit, die alles kaputt macht.

Für Jackie ist ihre "Omma" engste Vertraute und kluge Ratgeberin. Kann die ältere Generation tatsächlich eine Orientierungshilfe sein oder ist Jackies Oma eher die Ausnahme?

Solange man selbst in einer vertrackten, emotional verworrenen Situation steckt, hat man ja schnell das Gefühl, dass etwas ganz einzigartig Schlimmes über einen hereinbricht, etwas Unvergleichliches. Mir hilft es dann sehr, wenn jemand mit mehr Lebenserfahrung relativiert und mir klarmacht, dass weder die Situation, in der ich stecke, noch meine Gefühle dazu ungewöhnlich sind.

Für Martin gibt Jackie ihren geliebten Job, ihre vertraute Umgebung auf und zieht mit ihm nach München. Können Sie sich vorstellen, für einen Mann "alles stehen und liegen zu lassen"?

Das kommt wirklich sehr darauf an. Tendenziell beobachte ich immer wieder, dass gerade Frauen ziemlich schnell bereit sind, ihr Leben für einen Mann umzukrempeln und völlig nach ihm auszurichten. Aber ich denke schon, dass Jackie auch selbst den Reiz des Neuen sucht und ihr der Wunsch, nach München zu ziehen, von Martin nicht aufgezwungen wurde. Auch eine noch so ausgewogene, gleichberechtigte Beziehung ist doch kein Garant für ein per se glückliches Leben. Jeder Einzelne in einer Beziehung bringt eigene Sehnsüchte, Unzufriedenheiten und verborgeneWünsche mit und eben auch nicht selten die unausgesprochene Angst davor, unter den eigenen Möglichkeiten zu leben. Jackie kämpft als Lederschneiderin mit Dirndl-Nähten. Wie gut können Sie nähen? Ich nähe sehr gerne, aber viel zu selten. Das könnte daran liegen, dass die Wohnung danach immer ausschaut wie ein gigantisches Schlachtfeld. An der Nähmaschine gehe ich genauso intuitiv und tendenziell chaotisch vor wie beim Kochen. Das Ergebnis ist oft erstaunlich gut, aber der Weg dahin immer recht eigenwillig.

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