Gespräch mit Florian Gärtner

Regisseur

Beinle (Michael Kind) begrüßt Ottmar (Veit Stübner) und Tanja (Marie Gruber).
Beinle begrüßt Ottmar und Tanja.

Ihre Komödie handelt von einem Hamburger Rentnerpaar, das nach Thailand geht. Was hat Sie an diesem Thema interessiert?

Da ich erst relativ spät mit dem Reisen angefangen habe, fühlte ich mich diesem Paar sehr nahe. Wie verhält man sich, wenn drumherum alles fremd und anders ist? Ich fand es spannend zu sehen, wie das Fremde auf Menschen wirkt. Das ist ja ein Thema, das gerade ziemlich aktuell ist. Und natürlich hat es mich auch gereizt, mal in Thailand zu drehen.

In welchem Stadium des Projekts sind Sie dazugekommen? Hatten Sie Einfluss auf das Buch?

Ich habe die Entwicklung der Geschichte mitverfolgt, kam dann aber offiziell als Regisseur erst dazu, als das Drehbuch schon recht weit war. Weil mir sehr daran lag, dass Thailand möglichst authentisch erzählt wird, habe ich Susanna Salonen als Autorin dazugeholt, die Thailand sehr gut kennt und selbst schon einen Film dort gedreht hat. Ich wollte, dass nichts drin ist, das aufgesetzt oder unglaubwürdig wirkt. Zum Beispiel war die Figur des Betrügers ursprünglich ein Thailänder. Durch Susannas Idee, aus ihm einen Deutschen zu machen, wurde dieser Handlungsstrang deutlich glaubwürdiger und spannender.

Mit Veit Stübner und Marie Gruber haben Sie zwei verdiente und gern gesehene Darsteller für die Hauptrollen gewonnen. Wonach haben Sie sie ausgesucht?

Mir kam es vor allem darauf an, dass man glaubt, dass das ganz normale, "einfache" Menschen sind, nicht weltgewandt, nicht akademisch gebildet. Diesen Menschenschlag kenne ich sehr gut, weil mein Vater aus einem kleinen Dorf im südlichen Odenwald kommt und meine halbe Familie aus Bäckern und Handwerkern besteht. Es gibt nicht viele Schauspieler, die solche Figuren überzeugend verkörpern können. Viele haben letztlich doch von der Schauspielschule her so eine gewählte Art zu sprechen, dass man ihnen einfache Leute nicht abnimmt. Marie Gruber und Veit Stübner glaubt man den Bäcker und die Bäckersfrau aber, sie verkörpern diese Rollen ungemein glaubwürdig.

Ottmar und Tanja waren bislang ein gutes Team. An die neue Lebenssituation gehen sie jedoch sehr unterschiedlich heran. Worauf kam es Ihnen bei der Inszenierung des Paares an?

Der Grundkonflikt ist den meisten von uns ja sehr vertraut: Ein Paar funktioniert lange Jahre gut zusammen, aber sobald sich im Leben etwas Fundamentales verändert, zeigen sich die Risse. Ottmar und Tanja sind ziemlich verschieden. Ottmar ist eher der konservative Typ, der möchte, dass möglichst alles bleibt, wie es ist und wie er sich wohlfühlt. Tanja ist eher die Abenteuerlustige, die auch gern mal über die Stränge schlägt. Und nun wollen sie den Rest ihres Lebens in Thailand verbringen und müssen sich dafür irgendwie neu finden. Mir ging es vor allem darum, dass man als Zuschauer beide verstehen kann.

Die beiden erfüllen sich den Traum von der Rente unter Palmen. Dass das günstige Leben in Thailand auch Phänomene wie das Abschieben von Pflegebedürftigen begünstigt, wird hier nicht ausgespart. War Ihnen das wichtig?

Bei der Entwicklung des Buchs wurde von vornherein Wert darauf gelegt, ein breiteres Spektrum von deutschen Figuren in Thailand zu zeigen, und das gefiel mir gut. Auch wenn irgendwann die Entscheidung fiel, ein Paar ins Zentrum der Geschichte zu stellen, wollte ich andere Schicksale nicht ausblenden. Dazu gehört die Geschichte von Dr. Lobinger, von Peter Franke sehr berührend gespielt, und auch die von dem Nachbarn Rüdiger, der eher auf der Sextourismusebene unterwegs ist.

Neben Lobinger und dem Nachbarn gibt es noch die Aussteigerin Becky. Zählt auch sie zu den !typischen Schicksalen" dort?

Ja, auch das ist ein Menschenschlag, dem wir dort einige Male begegnet sind: Leute, die in Thailand hängen geblieben sind und sich eine Rückkehr nach Deutschland gar nicht mehr leisten können. Das passiert häufiger, als man denkt, und nicht nur Rentnern. Becky ist eine Lebenskünstlerin. Sie hat sich irgendwie durchs Leben geschlagen und macht das Beste aus jeder Situation, obwohl ihre Situation ja nicht die rosigste ist. Die Arbeit mit Leslie Malton war ein großes Vergnügen. Das war eine Rolle, die sie noch nicht so oft gespielt hat, und sie hat sich da förmlich reingestürzt.

Die Figur der Anchalee eröffnet die Möglichkeit, auch auf die thailändische Lebenswirklichkeit näher einzugehen. Wie haben Sie die Darstellerin gefunden?

Wir hatten das Glück, dass wir Non Jungmeier, eine der besten Casterinnen in Thailand, für unseren Film gewinnen konnten. Ihr haben wir zu verdanken, dass alle Nebendarsteller so authentisch wirken. Die Figur der Anchalee lag mir besonders am Herzen. Anfangs suchten wir eine Darstellerin, die Deutsch kann. Aber es war sehr schwierig, jemanden zu finden, der toll spielt und Deutsch spricht. Als ich Dujdao Vadhanapakorn dann in einem Casting sah, dachte ich gleich, die ist es. Weil sie die Wärme und die Intelligenz hat, aber gleichzeitig merkt man, sie ist auch tough. Sie konnte leider gar kein Deutsch, aber sie hat es sich mit einem Coach phonetisch antrainiert. Für mich ist Anchalee das Gesicht von Thailand in dem Film. Sie muss die verschiedenen Facetten des Landes verkörpern: die Ruhe, die Freundlichkeit, die Strenge. Damit ruhte natürlich eine große Last auf ihren Schultern, aber mich berührt ihr Spiel immer wieder sehr.

Die Eigenheiten der Figuren sind mit einem Augenzwinkern erzählt, der Konflikt gewinnt erst allmählich an Dramatik. Welche Tonlage haben Sie für Ihren Film angestrebt?

Mir kam es vor allem darauf an, dass man emotional mitgehen kann – dass man dieses Paar mag und versteht, und dass sich das, was sie erleben, echt anfühlt. Komik und Tragik liegen im Leben ja oft nahe beieinander, und ich mag Filme, die beides haben. Wenn es anfangs witzig ist und Spaß macht, erleichtert mir das als Zuschauer den Einstieg in eine Geschichte, dann finde ich schnell Zugang zu den Figuren und ihren Problemen. Wenn es dann im späteren Verlauf ernster wird, wollte ich, dass das den Film nicht runterzieht, sondern immer ein Tonfall im Vordergrund steht, der etwas Leichtes behält. Bei den Vorbesprechungen zur Musik haben wir das "laid-back" genannt.

Welche Besonderheiten brachte der Dreh in Thailand mit sich?

Anfangs waren wir etwas nervös, weil wir nicht wussten, wie das wird mit den thailändischen Kollegen. Wird das nicht alles länger dauern, auch mit den Verständigungsproblemen? Aber unsere Ängste haben sich sehr schnell in Luft aufgelöst. Tatsächlich haben die Thais ein Level an Professionalität an den Tag gelegt, das ich in Deutschland gerne öfter sehen würde. Durch die gemeinsame Arbeit haben wir Einblicke in die Kultur gewonnen, die man als Tourist oft nicht so bekommt. Interessant war zu sehen, wie sehr der Buddhismus dort im Alltag verwurzelt ist. Zum Drehstart hat ein buddhistischer Mönch die Produktion gesegnet. Er hat das Team versammelt und uns mit Weihwasser besprüht; das ist dort ein übliches Ritual. Die Service-Produzentin und der Regieassistent haben regelmäßig vor Drehbeginn Räucherstäbchen angezündet und gebetet. Wir waren auch außerhalb des Drehs öfters mit den thailändischen Kollegen unterwegs. Sie haben uns diverse Köstlichkeiten von den Garküchen der Straßenhändler serviert, uns in eine Thai-Schlagerbar und auf eine Dorfkirmes mitgenommen. Der Abschied fiel mir am Ende richtig schwer.

Wie authentisch sind die Drehorte, die wir im Film sehen?

"Udo’s Biergarten" haben wir in einer leerstehenden Bar gebaut, uns dabei aber an existierenden Kneipen orientiert. Der Vermieter des Drehorts war selber Inhaber des Restaurants "Berliner Eck" und hat uns mit Einrichtungsgegenständen aus seinem Lokal sowie mit seinen Stammkunden als Komparsen versorgt. Die Bungalowanlage, in der Ottmar und Tanja anfangs leben, ist echt. Aber man muss sagen, dass das Leben in einer solchen Anlage schon recht teuer ist. Dieser Aspekt ist also nicht ganz realistisch, sondern eine leicht märchenhafte Überhöhung. Wenn Rentner nach Thailand ziehen, wohnen sie eher in ganz normalen Apartments. Ein anderer bedeutsamer Drehort ist das thailändische Dorf, das man in der zweiten Hälfte des Films sieht. So ein Dorf gibt es in der Nähe von Pattaya nicht; dafür muss man schon ein paar Stunden nach Norden fahren, wie wir es in der Geschichte ja auch erzählen, aber was für uns angesichts der knappen Drehzeit nicht möglich war. Für den Film hat das Team unseres Szenenbildners Pongnarin Jonghawklang ein ökologisches Ausbildungszentrum in der Nähe Pattayas in ein Dorf verwandelt, wie es in den ärmeren Gegenden im Norden typisch ist.

Können Sie sich vorstellen, Ihren Lebensabend in Thailand zu verbringen?

(lacht) Darüber haben wir beim Drehen natürlich oft gesprochen. Mir würde es vor allem schwerfallen, mein ganzes soziales Umfeld hinter mir zu lassen. Denn je älter ich werde, desto wichtiger wird das für mich. Aber es ist schon eine verlockende Aussicht, da zu sein, wo das Essen wahnsinnig gut schmeckt, das Klima sehr angenehm ist und die Menschen extrem freundlich sind.

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