Gespräch mit Marie Gruber

Ottmar (Veit Stübner) und Tanja (Marie Gruber) lernen thailändische Gepflogeneheiten.
Ottmar und Tanja lernen thailändische Gepflogeneheiten.

Sie spielen Tanja, eine deutsche Bäckersfrau, die es im Rentenalter in die Ferne zieht. Was hat Sie an dieser Rolle gereizt?

Ich fand es absolut vorstellbar, dass ein Rentnerpaar, das sein Leben lang hart gearbeitet hat, sich irgendwann sagt: Wenn es mal soweit ist, dass wir in Rente gehen, dann wollen wir nach Thailand. Für mich war klar, dass Tanja dort vorher schon mal Urlaub gemacht haben muss. Dabei hat sie gemerkt, dass sie sich vorstellen kann, dazubleiben, dass sie dort glücklich sein kann. Gleichzeitig ist das aber ja auch ein sehr großes Wagnis. Dem genau nachzuspüren, war für mich der Reiz dieser Arbeit.

Tanja hat gesundheitliche Probleme. Trotzdem scheint sie ihr neues Leben tatkräftiger anzugehen als Ottmar. Was ist ihr Motor?

Tanja wusste schon die ganze Zeit: Bis zu dem und dem Tag muss ich noch arbeiten, dann fängt meine Freizeit und ein anderes Leben an. Sie hat sich sehr darauf gefreut und sich gar nicht gefragt, was sie dann da macht, weil sie ganz klar wusste: Ich will nach Thailand. Sie wandert aus, mit ganzer Konsequenz. Ich glaube, dass man aus solchen Vorhaben und Plänen eine große Kraft ziehen kann. Tanja ist voll froher Erwartung, und das setzt viel Energie frei.

Tanja und Ottmar hatten einen kleinen Betrieb und sind schon lange verheiratet. In der neuen Lebensphase scheinen die Gemeinsamkeiten jedoch bald aufgebraucht sein. Was läuft falsch?

Ich hatte schnell das Gefühl, dass bei den beiden etwas schiefläuft, dass sie sich in ihrem immer gleichen Trott verloren haben. Tanja hat gehofft, dass es wieder besser wird, wenn sie nach Thailand ziehen. Aber dann kommen sie dort an und stellen fest, dass sie ganz unterschiedliche Wünsche haben. Ottmar hängt nur zu Hause rum und möchte sich an keinen Unternehmungen beteiligen, während sie sich Mühe gibt, ihm das Land zu zeigen. Sie macht sich auch hübsch zurecht, weil sie hofft, dass Ottmar vielleicht noch mal einen anderen Blick auf sie wirft, dass er wieder aufmerksam auf sie wird. Spätestens als sie ihm sagt, dass sie ein gemeinsames Hobby brauchen, wird es ernst. Wenn eine Frau so etwas sagt, sollten Männer wirklich aufwachen. Aber Ottmar übersieht die Zeichen, die sie ihm gibt, einfach und fängt stattdessen mit seinen Heimlichkeiten an.

Ottmar hat Probleme, den Job hinter sich zu lassen, während Tanja sich genau darauf gefreut hat …

Das hängt stark damit zusammen, wie Tanja ihre Rolle im gemeinsamen Betrieb wahrgenommen hat. Sie fasst das später so zusammen: "Du warst mein Chef, und ich war deine Angestellte." Das sagt sie nicht, weil sie beleidigt ist, sondern sie benennt einfach einen Fakt. Da ist es kein Wunder, dass sie sich darauf freut, dass nun ein neues Leben anfängt.

In Pattaya entwickelt sich Becky zu einer Freundin für Tanja, eine Frau mit ganz anderem Lebensweg. Was verbindet die beiden?

Tanja merkt schnell, dass Becky ein verrücktes Huhn ist, aber sie bekommt auch mit, dass sie in einer gewissen Weise sehr allein ist. Trotz aller Verschiedenheiten gibt es gewisse Überschneidungspunkte zwischen den beiden. Tanja kann sicherlich nicht nachvollziehen, dass Becky früher mal mit Rockmusikern herumgezogen ist, aber sie sieht, dass sie fröhlich über diese Zeit erzählt. Ich glaube, die Fähigkeit, ihre Träume zu verfolgen, ist es, was die beiden Frauen verbindet. Hinzu kommt, dass Becky eine herzliche, zugewandte Art hat. Für Tanja ist es gerade in der schwierigen Situation mit Ottmar wichtig, in ihr eine Vertraute zu haben.

Tanja hat ihre Bedürfnisse lange zurückgestellt, jetzt soll Schluss sein damit. Als sie von Ottmars Alleingang erfährt, entschließt sie sich sogar zur Trennung. Kann sie sich vorstellen, allein in Thailand zu bleiben?

Ich persönlich als Marie Gruber kann mir vorstellen, dass man in einem letztlich vollkommen fremden Land ankommt und dort etwas spürt, was einem die Angst nimmt und neues Selbstvertrauen gibt. Tanja ist von ihrem Wunschtraum beseelt, der ihr Kraft und Optimismus gibt. Auch wenn sie das Land noch nicht gut kennt und die Sprache nicht beherrscht. Sie hat keine Angst, sondern sie traut sich zu, dort zurechtzukommen, weil sie sich zu diesem Land und seiner Kultur hingezogen fühlt. Ob sie das dann nur eine Zeit lang tut oder für immer, ist eigentlich nebensächlich. Denn was heißt schon für immer?

Was führt Tanja und Ottmar am Ende wieder zusammen?

Das Bitterste für Tanja ist diese große Lüge; die Tatsache, dass Ottmar sie so außen vor hält und selbst dann, als sie kein Geld mehr von der Bank bekommt, immer noch so tut, als wenn nichts wäre. Dass er das so bis ins Letzte ausreizt, zeigt ihr ihre Hilflosigkeit. Sie begreift, dass sie etwas tun muss, um sich zu schützen, auch wenn sie erst einmal gar nicht weiß, was genau sie machen soll. Sie will nur von ihm weg, um nachzudenken. Dann sehen wir in diesem Dorf, dass sie sich wieder fängt. Ich glaube, dass die ganze Situation für sie letztlich zu einer Art Befreiung führt. Sie fühlt sich plötzlich selbstständig genug, um zu bleiben; sie trifft ihre eigenen Entscheidungen. Und weil sie diese innere Unabhängigkeit gewinnt, kann sie Ottmar und dem gemeinsamen Leben nochmal eine Chance geben.

Würde Thailand Sie als Ort für Ihren Altersruhesitz reizen?

Ich vertrage das Klima dort leider nicht gut. Weil ich mit der Hitze in Kombination mit der hohen Luftfeuchtigkeit auf Dauer nicht zurechtkomme, wäre Thailand nicht das Richtige für mich. Das ist nicht meine gewünschte Lebenstemperatur, ich bin eher nordisch. Dänemark und Kanada, wären eher was für mich. (lacht)

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