SENDETERMIN Mi, 13.08.14 | 22:45 Uhr

3096 Tage

3096 Tage: Natascha Kampusch wird von ihrem Entführer, Wolfgang Priklopil, hart angefasst.
Zwischen dem 2. März 1998 und dem 23. August 2006 verbrachte Natascha Kampusch genau 3096 Tage im unterirdischen Gefängnis ihres Kidnappers.

Spielfilm Deutschland 2013

Stimmen zum Film

»Aber Hormann (...) lässt kein Gran Erotik zu. Sie platziert den Sex auch nicht als Herzstück des Films, sondern inszeniert ihn als kleinen Teil des umfassenden Missbrauchs. Dass das klappt, liegt auch an den großartigen Darstellern. (Stuttgarter Zeitung)«

»Ein klarer Film, aber kein voyeuristischer. Er ist zurückhaltend, zeichnet aber nichts weich. Er erreicht unsere Gefühle, und ist kein bisschen tränendrüsig. Wenn die Geschichte der Natascha Kampusch schon verfilmt werden musste, (...) dann auf diese Weise. (Die Welt)«

»Keine Psychologisierung, keine Emotionalisierung: Der Kinofilm nach dem Buch von Natascha Kampusch erzählt deren Jahre in Gefangenschaft als komplexes, widersprüchliches Beziehungsgeflecht. (Der Spiegel)«

Der Film

3096 Tage: Wolfgang Priklopil entführt die zehnjährige Natascha.
Auf dem Schulweg wird Natascha entführt.

Am Morgen des 2. März 1998 wird die zehnjährige Natascha Kampusch auf ihrem Schulweg von einem Mann in einen Lieferwagen gezerrt und in dessen Haus in einem Wiener Vorort verschleppt. Hier hat der arbeitslose Fernmeldetechniker Wolfgang Priklopil in monatelanger Arbeit ein unterirdisches Verlies gebaut, in dem sein wehrloses Opfer die nächsten 3096 Tage ihres Lebens verbringen wird.

Zunächst steht die minderjährige Natascha noch unter Schock, begreift nicht den Ernst ihrer Situation. Erst nach und nach wird ihr bewusst, in welch auswegloser Lage sie sich befindet: Ihr Entführer, ein eigenbrötlerischer, psychisch labiler, sexuell verklemmter junger Mann, hat sich das Mädchen ausgesucht, um es in seinem Keller als gehorsame Gespielin aufzuziehen. Den Machtwillen zur absoluten Hörigkeit zwingt der Kidnapper seinem Opfer in Form von Überwachung, seelischen Erniedrigungen und körperlicher Gewaltanwendung auf.

Die Außenwelt bekommt davon nichts mit: Nachdem sich die umfangreiche polizeiliche Fahndung als ergebnislos erwies und selbst Nataschas Mutter, die ihre Tochter vorwiegend alleine aufzog, jede Hoffnung aufgegeben hat, glätten sich auch die medialen Wogen. Man geht zur gesellschaftlichen Tagesordnung über. Selbst Wolfgang Priklopils Mutter, die ihren zu Sozialkontakten unfähigen Sohn mit vorgekochtem Essen versorgt, ahnt nichts.

3096 Tage: Natascha muss sich auf das perfide Spiel ihres Entführers einlassen.
Natascha Kampusch will fliehen.

Je länger der Aufenthalt in ihrem kargen Gefängnis dauert, je älter sie wird, desto mehr begreift Natascha, dass sie nur eine Chance zum Überleben hat, wenn sie sich auf das perfide Spiel ihres Entführers einlässt. Sie beginnt, seine Schwächen für sich auszunutzen, und erreicht damit, dass sie nach und nach mehr Freiheiten genießt – auch wenn jeder Versuch der Auflehnung eine unbeherrschte Attacke ihres Peinigers heraufzubeschwören droht.

Es entsteht eine bizarre gegenseitige Annäherung, die bei Natascha der Verzweiflung geschuldeter Selbstzweck ist, während Priklopil jetzt auch sexuelle Ansprüche stellt. Doch für das inzwischen volljährige Mädchen gibt es nach wie vor nur einen Gedanken: Flucht! Und eines Tages bietet sich ihr endlich die Gelegenheit.

Wüsste man nicht um die Tatsachen, es wäre noch heute kaum zu glauben: Zwischen dem 2. März 1998 und dem 23. August 2006 verbrachte die junge Österreicherin Natascha Kampusch genau 3096 Tage im unterirdischen Gefängnis ihres Kidnappers: die wichtigsten Jahre ihres Heranwachsens. Ein spektakulärer Entführungsfall, der ein weltweites mediales Echo heraufbeschwor. 2010 veröffentlichte Kampusch ihre Autobiografie. Der deutsche Erfolgsproduzent Bernd Eichinger sicherte sich die Filmrechte und begann persönlich mit einer Drehbuchfassung, die er bis zu seinem plötzlichen Tod im Januar 2011 jedoch nicht mehr fertigstellen konnte und von der Autorin Ruth Toma und dem Journalist Peter Reichard vollendet wurde. Unter der behutsamen Regie von Sherry Hormann entstand ein beklemmendes Protokoll des vermeintlichen Tatherganges, das umso verstörender wirkt, weil die beiden internationalen Hauptdarsteller Antonia Campbell-Hughes ("Bright Star") und Thure Lindhardt ("Keep the Lights On") das gnadenlose Psychoduell zwischen Täter und Opfer geradezu beängstigend glaubwürdig nachstellen.

Besetzung und Stab

Rolle Darsteller
Natascha Kampusch Antonia Campbell-Hughes
Wolfgang Priklopil Thure Lindhardt
Natascha Kampusch (als Kind) Amelia Pidgeon
Brigitta Sirny Trine Dyrholm
Waltraud Priklopil Dearbhla Molloy
Ludwig Koch Roeland Wiesnekker
Großmutter Kampusch Ellen Schwiers
Großmutter Priklopil Erni Mangold
Ernst Holzapfel Sebastian Weber
Beamter Arbeitsamt Stephan Bissmeier
Brünette Tina Grawe
Musiker Arthur Streiling
Musik: Martin Todsharow
Kamera: Michael Ballhaus
Buch: Ruth Toma, Bernd Eichinger und Peter Reichard
Regie: Sherry Hormann
Sendetermin

Mi, 13.08.14 | 22:45 Uhr

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