Interview mit Petra Welteroth

"Helene Weber ist durch und durch Politikerin, und die Sache der Frauen und Mädchen ist ihre Sache."

Petra Welteroth als Helene Weber
Petra Welteroth als Helene Weber

Wir würden Sie Ihre Rolle der Helene Weber beschreiben?

Helene Weber hatte immer ihre große schwarze Tasche dabei und in dieser Tasche immer eine Tafel Schokolade. Während langer Sitzungen, so heißt es, habe sie damit nicht nur Konrad Adenauer versorgt. Helene Weber ist durch und durch Politikerin, und die Sache der Frauen und Mädchen ist ihre Sache – wie Ausbildung, Lohngleichheit und Fürsorge, um nur einige ihrer wichtigen Themen zu nennen. Ihr wird ein mitreißendes Temperament bescheinigt, Durchsetzungsvermögen und eine gehörige Portion Humor, durchdrungen von katholischen Werten, die ihr ganz zu eigen sind. In Wuppertal geboren, hat Helene Weber in Aachen ihre soziale Frauenschule gegründet. Noch heute arbeitet beispielsweise die Familienbildungsstätte – das Helene Weber Haus – in Stolberg bei Aachen ganz im Sinne ihrer Überzeugungen.

Wie verhält sich Helene Weber gegenüber Selberts Vorhaben, sich so vehement für die Aufnahme des Satzes "Männer und Frauen sind gleichberechtigt" in das Grundgesetz einzusetzen?

Zuerst war es wohl so, dass Helene Weber mit der radikalen Formulierung von Selberts' Vorstellung nicht "mitgehen" konnte. Sie bevorzugte eine Formulierung der Gleichstellung, die dem "natürlichen Unterschied" der Geschlechter Rechnung tragen würde. So war nachlesbar ihre Idee. In Bezug auf Ausbildung und Lohngleichheit schien Helene Weber da weitaus fortschrittlicher zu denken. Für sie bedeutete gleicher Lohn für gleiche Arbeit, gepaart mit der Auffassung, dass Frauen in der Politik ein besonderer Stellenwert zukomme, eben aufgrund ihres Frauseins, kein Widerspruch: "Es würde manches besser sein", so Helene Weber in ihrer Parlamentsrede vom 2.12.1949 – "wenn die Frau in den Verwaltungen mitarbeiten würde. Ich bin sogar der Meinung, dass sie dazu in der Lage ist, Krisen zu verhindern und zu mildern, die sich immer wieder im öffentlichen Leben ereignen. Wir haben im Dritten Reich erlebt, was der Männerstaat ist. Der reine Männerstaat ist das Verderben der Völker!" Das Sitzungsprotokoll verzeichnet bei diesen Sätzen: "...Große Heiterkeit". Das dürfte Helene Weber sehr empört haben. Schlussendlich stand sie jedoch mit uneingeschränkter Zustimmung hinter der für die damalige politische Landschaft so radikalen, modernen Grundgesetzänderung.