"Giselle ist auf der Suche nach sich selbst"

Interview mit Antje Traue

DER FALL BARSCHEL: Der Journalist David Burger (Alexander Fehling) lernt in dem Genfer Hotel "Beau Rivage"  die Fotografin Giselle Neumayer (Antje Traue) kennen.
Der Journalist David Burger lernt in dem Genfer Hotel "Beau Rivage" die Fotografin Giselle Neumayer kennen.

Sie spielen die mysteriöse und undurchsichtige Giselle Neumayer. Wie würden Sie sie charakterisieren?

Giselle ist auf der Suche nach sich selbst und spürt sich nur in Extremen. Sie hat keine eigene Identität entwickelt, ist formbar, kaum verwurzelt und leicht manipulierbar. Sie ist besser darin zu sehen, was sie sein möchte, als das, was sie wirklich ist. Ein geheimnisvolles Opfer, das gefährlich ist, weil sie ein Leben zelebriert, das auf Charme und Methodik basiert. Giselle erzeugt Spannung durch Verwirrung.

Welches Interesse hat Giselle Neumayer an dem Journalisten David Burger? Wie entwickelt sich die Beziehung der beiden und an welchem Punkt verändert sie sich?

Giselle ist bei ihrer ersten Begegnung fasziniert von ihm. Er ist tiefgründig, akribisch und betreibt profunden Journalismus. Beide fühlen sich vom anderen angezogen. Als sie das Leben sechs Jahre später wieder zusammen bringt, ist für Giselle, zum ersten Mal im Leben, alles vorstellbar. Er ist allerdings zu diesem Zeitpunkt bereits getrieben von der Aufklärung des Barschel-Falls und nicht empfänglich für ihre Sehnsucht nach einem gemeinsamen Leben. Der Wahn Davids und das Hochstapeln Giselles enden für beide in einer traurigen Realität.

Was war für Sie das Besondere an Ihrer Rolle?

Es war interessant, eine Frau zu spielen, die sich nicht greifen lässt. Kilian Riedhof und ich haben uns in der Zusammenarbeit immer wieder gefragt: Wann ist sie wirklich Opfer? Wann wird sie zu einem gemacht? Und in welchen Momenten bedient sie sich einer der erfolgreichsten weiblichen Waffen, der des kalkulierten Opfers?

Worauf darf sich der Zuschauer freuen?

Der Film versucht, beide Theorien mit Transparenz zu behandeln. Er hat einen hohen Anspruch an historische Genauigkeit und verknüpft diese intelligent mit den fiktionalen Teilen. Gleichzeitig verhandelt "Der Fall Barschel" aber auch die ganz klassischen Themen, die uns alle immer wieder betreffen und betroffen machen, wie Verrat und Täuschung, Vertrauen und Misstrauen, Liebe, Angst, Integrität und dem Verlust davon.

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