"Uwe Barschel ist ein Phänomen"

Interview mit Matthias Matschke

DER FALL BARSCHEL: Auf einer Pressekonferenz gibt Uwe Barschel (Matthias Matschke) sein Ehrenwort, dass die gegen ihn erhobenen Vorwürfe des "Spiegel" haltlos sind.
Auf einer Pressekonferenz gibt Uwe Barschel sein Ehrenwort.

Wie nähert man sich einer so komplexen Figur, deren Todesursache bis heute ungeklärt ist?

Uwe Barschel ist ein Phänomen. Er wirkte rastlos, mitunter fahrig und gleichzeitig fokussiert und strebsam bis zur Übererfüllung. Ich habe mich in der Arbeit immer wieder gefragt, woher dieses Getriebene kommt: Wie greift man jemanden, der stets dem eigenen Bild hinterherläuft, so als würde er sich selbst nachahmen? Das war sozusagen mein Ansatz. Ich habe sehr viel Videomaterial gesichtet. Die Selbstinszenierung Barschels, seine Home Stories, die Wahlkampfauftritte und der öffentlichkeitswirksame Kontakt mit den Bürgern wirken aus unserer medialisierten Sicht noch sehr naiv. Aber gerade darin, in den offenliegenden Strukturen der Akkumulation von Macht, lag mein Zugang zu Barschel.

Wie wichtig ist für Sie die filmische Auseinandersetzung mit politischen Persönlichkeiten aus der jüngeren deutschen Geschichte?

Die Affäre Barschel war der erste wirkliche Skandal der Bundesrepublik, ohne dass das Dritte Reich dabei eine Rolle gespielt hat. Zuvor waren die Naziverbindungen von Politikern und öffentlichen Personen der Grund für Skandale: Als die Machenschaften in Schleswig-Holstein publik wurden, war ich in dem Jahr vor meinem Abitur. Ich war nachhaltig erschüttert in meinem Vertrauen in den Staat, in dem ich lebte. Da sich nach und nach herausstellte, dass Barschel nicht der einzige Politiker gewesen war, der die Wahrheit nach seinen Interessen definiert hatte. Die Politiker von West- und Ostdeutschland in den 80er Jahren vor der Wende werden zunehmend in den Fokus der Auseinandersetzung geraten. Diesen Teil unserer Geschichte gibt es filmisch noch zu entdecken.

Was für eine Art Film ist "Der Fall Barschel" und wie aktuell kann das Thema noch sein?

"Der Fall Barschel" ist ein Schneeball, der in einer Lawine endet. Die Protagonisten werden mehr und mehr mitgerissen und verlieren sich in der unerbittlichen Kraft der Avalanche. Ich glaube, unser Film stellt eine simple Frage: Jeder weiß um das Ende Barschels, jeder kennt das Badewannenbild, und eigentlich liegen alle Puzzleteile da, aber wir schaffen es nicht, sie zusammenzusetzen. Können wir nicht oder sollen wir es nicht?

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