"Bis heute ranken sich Mythen und Theorien um den Tod Uwe Barschels"

Interview mit Produzentin Ariane Krampe und die Redakteure Stefan Kruppa und Sascha Schwingel

DER FALL BARSCHEL
DER FALL BARSCHEL

Der Fall Barschel ist ein Mythos in der jüngeren deutschen Geschichte. Wie entstand die Idee heute, fast 30 Jahre später, die Geschichte zu erzählen?

Ariane Krampe: Es verwundert eher, dass erst jetzt der erste fiktionale Film über den größten deutschen Polit-Skandal der Nachkriegszeit erzählt wird. Bis heute ranken sich Mythen und Theorien um den Tod Uwe Barschels – mysteriös, unaufgeklärt und voller Verschwörungstheorien, mit Verwicklungen in nationale und internationale Politik. Die Angst vor Überwachung und das Agieren der Geheimdienste sind hochaktuell und brisant. In Zeiten von NSA, BND und NSU erscheint ein Film über den Fall Barschel – aktueller denn je. Der Thriller lässt Strukturen und Verbindungen erkennen, die unsere Demokratie unterwandern und in erheblichem Maße bedrohen können – damals wie heute.

Welche Quellen, Zeitzeugen und Historiker standen Ihnen bei der Drehbuchentwicklung zur Verfügung? Und wie groß ist der fiktionale Teil der Handlung?

Ariane Krampe: Eine ganze Reihe von Zeitzeugen und Berater standen uns bei diesem komplexen Stoff zur Seite. Darunter so hochkarätige Fachleute, wie der damalige leitende Oberstaatsanwalt Heinrich Wille, der Toxikologe Dr. Walter Katzung, der Historiker Prof. Thomas Weber oder die Psychologin Dr. Catrin Mautner. Aber auch die Journalisten Herbert Wessels, Norbert F. Pötzl und Manfred Ertel, die maßgeblich an der Aufklärung der Barschel-Affäre beteiligt waren. Dazu kommt der ehemalige SPD-Vorsitzende Norbert Gansel, der als erster öffentlich Engholms Rücktritt forderte. Neben unzählbaren Zeitungsartikeln, Fachbüchern und Archivmaterial, haben diese Experten uns einen enormen Einblick in die Zeit und die Hintergründe ermöglicht. Trotzdem ist "Der Fall Barschel" ein Thriller in dem sich Fiktion und Realiltät mit einander verzahnen. Während Tathergang und die Hintergründe den dokumentierten Fakten entsprechen, sind die Figuren der Journalisten David Burger und Olaf Nissen frei erfunden.

"Der Fall Barschel" ist ein atmosphärischer Thriller, in dessen Mittelpunkt ein Journalist steht, der vollkommen davon besessen ist, die Wahrheit zu finden. Wie kam es zu der Entscheidung diese Erzählperspektive einzunehmen?

Stefan Kruppa: Diese Entscheidung haben zunächst natürlich Autor und Regie getroffen, die sich über Jahre hinweg immer wieder mit dem Thema befasst haben. Wir waren aber auch gerade deshalb sofort begeistert von dem Projekt. So einen Film hat es meines Erachtens in Deutschland bislang noch nicht gegeben. Der deutsche Fernsehfilm kennt eher die klassischen Erzähldramaturgien der Doku-Fiktion. Die Entscheidung "Der Fall Barschel" als Genrefilm zu erzählen, macht den Film zu etwas wirklich Besonderem.

Ariane Krampe: Uns ging es in "Der Fall Barschel" nicht allein darum, die ungeklärten Todesumstände von Uwe Barschel aufzuzeigen. Der Film offenbart auch menschliche Untiefen und Narzissmen, die durch die beiden Journalisten aufgedeckt und auch gespiegelt werden. Selten wurden Abgründe in solch komplexer und verdichteter Form mit einer solchen Sogwirkung im deutschen Fernsehen erzählt.

Welche Zutaten braucht ein historisches Thema, damit es interessant ist? Was muss der Stoff beinhalten, um ihn dem Fernsehpublikum zugänglich machen zu können?

Stefan Kruppa: Bei "Der Fall Barschel" ist es gelungen, dem historischen Material eine moderne und innovative fiktive Form zu geben, die nicht als öffentlich-rechtliche Volkshochschule daherkommt, aber auch nicht die Komplexität des Themas verrät. Das ist ein Drahtseilakt; die Versuchung ist groß, zugunsten der Spannung auf die historische Genauigkeit zu verzichten.

Sascha Schwingel: In "Der Fall Barschel" ist das absolut gelungen. Er ist eine wirklich einzigartige Kombination aus einem realen politischen Skandal, der tödlich endete, und einem Thriller, dem es gelingt, auf filmisch höchstem Niveau die möglichen Theorien und Verschwörungen um einen Mythos zu erzählen. Schlüssel sind aus meiner Sicht die beiden Hauptfiguren mit denen der Zuschauer immer tiefer in die komplexe und spannende Geschichte eintaucht.

Worauf darf sich der Zuschauer bei "Der Fall Barschel" freuen?

Sascha Schwingel: Auf 180 Minuten Politthriller mit Sogwirkung. Auf herausragende Schauspieler, eine grandiose Bildgestaltung und ein Stück deutscher Zeitgeschichte, das uns bis heute immer noch Rätsel aufgibt.

Ariane Krampe: Der Film ist eine faszinierende Zeitreise mit einem fantastischen Szenenbild, einer atemberaubenden Kamera, einer spannungsgetriebenen Dramaturgie, gekrönt von einer inszenatorischen Meisterleistung.

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