Clara Immerwahr und Fritz Haber: Die historischen Figuren

Clara Immerwahr
Clara Immerwahr

CLARA IMMERWAHR wurde am 21. Juni 1870 in Breslau in einer assimilierten, wohlhabenden jüdischen Familie geboren. Ihr Vater war promovierter Chemiker, der sich auf sein Gut zurückgezogen hatte. Wissbegierig und begabt, besuchte Clara die höhere Töchterschule und absolvierte ein Lehrerinnenseminar. Obwohl Mädchen das Abitur und die Hochschulen in Preußen noch verwehrt waren, erreichte es Clara, unterstützt von ihrem Vater, als Externe das Abitur zu machen und danach an der Breslauer Universität zum Wintersemester 1897 als Gast physikalische Chemie zu studieren.

Sie veröffentlichte gemeinsam mit ihrem Lehrer Richard Abegg wissenschaftliche Aufsätze und legte 1900 als erste Frau an der Universität Breslau das Doktorexamen ab. Fritz Haber lernte sie wahrscheinlich Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre kennen. 1901 nahm er erneut Kontakt auf, im August heirateten die beiden. Clara Habers Absicht, Ehe und wissenschaftliches Arbeiten miteinander zu vereinen, scheiterte.

Zeitweilig arbeitete sie im Labor mit und hielt später populärwissenschaftliche Vorträge über Chemie und Physik in Arbeitervereinen, doch wurde ihr Leben zunehmend von den Pflichten als Mutter und Gattin eines wie besessen arbeitenden Wissenschaftlers dominiert. Sie war und blieb auch in der Vorkriegszeit überzeugte Antimilitaristin. Während ihr Mann mit Kriegsbeginn 1914 seine Forschungen in den Dienst des Militärs stellte, sah Clara Haber stets die moralische Fragwürdigkeit seines wissenschaftlichen Engagements für den Krieg.

In der zunehmend kriegsbegeisterten Atmosphäre, die auch die deutsche Frauenbewegung nicht unberührt ließ, isolierte sie sich immer mehr. Sie tötete sich in der Nacht vom 1. auf den 2. Mai 1915, kurz nachdem Fritz Haber an der Westfront bei Ypern den ersten Gasangriff des Krieges beobachtet hatte.

Der Chemiker Fritz Haber
Der Chemiker Fritz Haber

FRITZ HABER wurde am 9. Dezember 1868 in Breslau als Sohn eines jüdischen Kaufmanns geboren. Er besuchte das Gymnasium, machte eine kaufmännische Lehre und studierte in Heidelberg und Berlin Chemie. 1891 promovierte er, wurde 1894 Assistent in der physikalischen Chemie der TU Karlsruhe, habilitierte sich 1896 und wurde außerordentlicher Professor, schließlich 1906 Lehrstuhlinhaber für physikalische und Elektrochemie.

1907 entdeckte Fritz Haber ein Verfahren zur synthetischen Herstellung von Ammoniak, das patentiert und von der BASF lizenziert wurde. 1909 bis 1911 entwickelte er gemeinsam mit Carl Bosch das großtechnische Haber-Bosch-Verfahren. Es diente zur synthetischen Erzeugung von Ammoniak, als Ersatz für Salpeter bei der Herstellung von Düngemitteln wie von Sprengstoff. 1911 wurde er Direktor des Kaiser-Wilhelm-Instituts für physikalische Chemie und Elektrochemie in Berlin.

In enger Zusammenarbeit mit dem Militär und unter strenger Geheimhaltung stellte Fritz Haber in der Vorkriegszeit seine Forschungen auf die Suche nach neuen Kampfgasen um. Im Januar 1915 waren die Laborarbeiten beendet und die Anwendungsphase begann. Nach etlichen Fehlversuchen wurde das Chlorgas im April 1915 in der Schlacht bei Ypern mit Hilfe von Gasgranaten eingesetzt. 5000 englische und französische Soldaten wurden getötet, unter den übrigen viele Tausende schwer verletzt. Nach diesem Erfolg wurden die Gasgranaten unter Habers Führung auch im Osten eingesetzt.

Nach dem Freitod seiner ersten Frau Clara heiratete er 1917 zum zweiten Mal. Zu dieser Zeit beschäftigte er sich vorwiegend mit der Entwicklung von Schädlingsbekämpfungsmitteln. 1918 wurde ihm der Nobelpreis zuerkannt – für die Synthese von Ammoniak aus dessen Elementen.

Das Kaiser-Wilhelm-Institut leitete er bis 1933. Als er wegen seiner jüdischen Abstammung von seinen Ämtern zurücktreten musste, emigrierte er und starb am 29. Januar 1934 in Basel. In seinem letzten Willen verfügte Haber, neben seiner ersten Frau begraben zu werden.

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