Gespräch mit Maria Simon

Nick bleibt verschwunden: Voller Verzweiflung begeht Sarah (Maria Simon) einen verhängnisvollen Fehler. Sie lässt sich in Namibia registrieren.
Nick bleibt verschwunden: Voller Verzweiflung begeht Sarah einen verhängnisvollen Fehler. Sie lässt sich in Namibia registrieren. | Bild: WDR

Warum fanden Sie es wichtig, in diesem Film mitzuspielen?

Erst einmal fand ich es spannend, so ein Zukunftsbild zu malen. Unter den vielen Möglichkeiten, wohin sich unsere Gesellschaft entwickeln kann, gibt es nun mal auch diese: dass das, was wir hier schon einmal hatten, wiederkehrt. Über diese Situation, aus der die Familie fliehen muss, hätte ich gerne noch mehr erzählt. Das allein wäre schon einen Film wert. Und dann kam natürlich noch das Flüchtlingsthema hinzu. Wir reden andauernd von Flüchtlingen, von der "Flüchtlingswelle", von "Fluchtursachen" – aber das sind nur Wörter und Meinungen. Die entscheidende Frage ist doch: Welche Schicksale sind damit verbunden, wenn wir von Flüchtlingen reden? Welche Lebensgeschichten stecken dahinter, was geschieht mit den Menschen, wenn sie ihre Heimat verlassen haben? Es ging also darum, die Menschen und Ereignisse von den Wörtern zu lösen, sie lebendig werden zu lassen. Und ich fand es reizvoll, eine Figur zu spielen, der all das passiert, worüber ständig geredet wird.

Der besondere Dreh des Films ist ja, dass es auf einmal die Europäer sind, die fliehen müssen...

Und es ist gar nicht mal so lange her, dass es tatsächlich deutsche Flüchtlinge gab, wie die Frauen und Männer, ganze Familien, die vor den Nazis fliehen mussten. Das ist im Grunde genommen erst vor kurzem passiert. Auch das wird einem bewusst, wenn man sich auf das Gedankenexperiment dieses Films einlässt.

Kai Wessel erzählte von der Nähe, die er beim Casting zwischen Ihnen und Fabian Busch gespürt habe.

Ich kann das persönlich schwer beurteilen, das ist der Blick von außen. Es hat mir jedenfalls Freude gemacht, mit Fabian zu drehen. Wir finden uns sympathisch und haben schnell gemerkt, dass wir miteinander spielen können. Der Dreh in Südafrika war wirklich eine extreme Herausforderung, und ich war glücklich, Fabian an meiner Seite zu wissen. Das ist ein fairer und guter Kollege.

Inwieweit empfanden Sie den Dreh als Herausforderung?

Erst einmal kommt man an, und es ist eine andere Welt. Und dann muss man zwei Tage später drehen. Das ist schon mal extrem. Außerdem hatten wir nicht viele Drehtage, und die waren dann entsprechend lang – das ist absoluter Leistungssport. Irgendwann gingen dann alle auf dem letzten Zahnfleisch. Ich ziehe wirklich den Hut vor den Technikern und allen anderen, die da bei großer Hitze von früh bis spät geschuftet haben. Für mich war es umso wichtiger, dass das ein Film ist, der diese Mühen wert ist; der nicht lapidar ist, der Fragen aufwirft und die Menschen bewegt, beunruhigt. Vielleicht wird es sogar Zuschauer geben, die wegschalten werden, weil sie sich das nicht angucken können. Kalt lassen wird der Film jedenfalls niemanden.

Sie spielen eine Figur in einer fortwährenden emotionalen Extremsituation. Das ist nicht einfach auszuhalten ...

Ich sage immer, der Teil des Bewusstseins, der mir klar ist, macht ungefähr fünf Prozent aus, und der schafft das relativ gut. Aber das Unterbewusstsein ist ja viel größer, und das können Sie leider nicht fragen. Das ist Professionalität, sozusagen. Das lernt man ja.

Und wie bereitet man sich auf eine so extreme Rolle vor?

Weiß ich nicht. Da kann man einfach nur springen und vertrauen. Wenn man Menschen in Extremsituationen spielt, ist es verdammt schwierig, sich auf irgendetwas vorzubereiten. Da kannst Du echt nur gucken, was es mit Dir macht, und Dich auf den Regisseur und die Geschichte verlassen. Vielleicht hätte ich die Figur anders angelegt. Da heißt es dann: vertrauen. Auf die Führung, die Fügung und das eigene Handwerk.

Hat es geholfen, dass Sie Kai Wessel schon von anderen Dreharbeiten kannten?

Ja, bestimmt, klar. Allerdings ist es nicht schwer, zu Kai ein Vertrauensverhältnis aufzubauen.

In einer Situation, wie sie Sarah Schneider erleben muss, verliert man da nicht komplett die Kontrolle über sich selbst?

Ich glaube, Sarah hat da irgendetwas abgeklemmt. Das hat vielleicht auch etwas mit der zukünftigen Zeit zu tun. So, wie sich unsere Gesellschaft entwickelt, passiert ja auch etwas mit uns Menschen. Dass man taub wird füreinander. Wie sie es schafft, mit dieser Situation irgendwie klarzukommen? Keine Ahnung. Ich hätte da einen wahnsinnigen Aufstand gemacht, wäre verzweifelt, ohne Ende, bodenlos. Aber das geht ja auch nicht. Man muss ja weiterleben.

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