"Die Geschichte ist einfach sehr außergewöhnlich"

Gespräch mit Maria Dragus

Lilly Borchert auf der Takelage
"Die Geschichte ist einfach sehr außergewöhnlich"

Was war ausschlaggebend für Ihre Entscheidung, die Rolle der Lilly Borchert zu übernehmen?

Die Geschichte ist einfach sehr außergewöhnlich. Ich kannte bereits andere Arbeiten von Raymond Ley und wusste deswegen auch, dass er sehr verantwortungsvoll mit dieser umgehen würde. Mir war klar, dass er die Geschichte eindringlich, aber nicht aufdringlich erzählen würde. Das war mir wichtig, gerade weil sie von wahren Begebenheiten inspiriert ist.

Lilly ist nur schwer zu fassen und erscheint auf den ersten Blick widersprüchlich. Sie macht es ihrem Umfeld und auch dem Zuschauer nicht leicht, sie zu mögen. Wie haben Sie Zugang zu der Figur gefunden?

Meine Figur hat eine sehr starke Motivation, im Leben voranzukommen. Sie will unheimlich viel erreichen, ist dabei aber sehr verbissen und drängt stets nach vorne, ohne Rücksicht auf sich selbst zu nehmen. Ich denke, solche Menschen haben es im Leben nicht leicht, weil sie schnell Gefahr laufen, sich abzusondern. In diesem Fall habe ich mich aber einfach vom Drehbuch leiten lassen. Die Emotionen waren sehr klar beschrieben und haben es mir erleichtert, Lillys Wesen nachzuvollziehen.

Obwohl es Lilly schwerfällt, sich in die Gruppe der Kadetten zu integrieren und den an sie gestellten Anforderungen zu genügen, will sie um keinen Preis aufgeben. Was treibt sie Ihrer Meinung nach an?

Lilly will raus aus dem Leben, das ihr scheinbar vorgegeben scheint. Anstatt in einem kleinen Ort festzusitzen, möchte sie Weltmeere umsegeln, Menschen helfen, Abenteuer erleben und vor allem eines: frei sein.

Ein Teil der Dreharbeiten fand auf der Dar Mlodziezy statt – im Film heißt das Schiff "Johann Kinau". Was war die größte Herausforderung bei den Dreharbeiten auf See und wie "schiffstauglich" sind Sie?

Zur Vorbereitung habe ich mir einige Dokus über die Marine und die Bundeswehr angeschaut. Am meisten hat mir jedoch die Schiffsreise geholfen, die wir vor dem Dreh gemacht haben. Gemeinsam mit dem Regisseur und dem Kameramann sind wir drei Tage lang auf einem Ausbildungsschiff der polnischen Handelsmarine mitgefahren. Das war sehr spannend! Ich denke tatsächlich, dass meine "Seetauglichkeit" und die Isolation auf dem Schiff die größten Herausforderungen während des Drehs waren. Anfänglich fiel es mir nicht leicht, mich an das Schaukeln zu gewöhnen, und da hatten wir noch nicht einmal hohen Seegang. Drei Tage ohne Rückzugsmöglichkeit, ohne Kontakt zur Außenwelt und Telefonempfang, das wäre auf Dauer nichts für mich.

Können Sie nachvollziehen, warum sich jemand entscheidet, Soldatin zu werden?

Ich muss zugeben, dass mir das noch nie in den Sinn gekommen ist. Natürlich verstehe ich, dass es sehr wichtig und schön sein kann, wenn man anderen Menschen hilft, aber dafür muss ich nicht zum Militär.

"Tod einer Kadettin" ist Ihre erste Zusammenarbeit mit Raymond Ley. Was zeichnet ihn als Regisseur aus?

Die Zusammenarbeit mit Raymond war sehr schön. Ich habe mich sehr behütet und gleichzeitig frei gefühlt, was die Arbeit sehr entspannt gemacht hat.

Wie Lilly tatsächlich zu Tode kommt, lässt der Film offen. Haben Sie für sich eine Antwort gefunden?

Für mich war es nicht wichtig zu wissen, wie sie umkommt. Für meine Arbeit war nur ihre Geschichte relevant. Alles andere überlasse ich dem Zuschauer!