Betroffener Fußballspieler im Interview: "Zwei ganz komische Typen"

Trotz Ermittlungserfolgen in den vergangenen Jahren, bleibt Wettbetrug ein Problem im Fußball. (Archivfoto)
Trotz Ermittlungserfolgen in den vergangenen Jahren, bleibt Wettbetrug ein Problem im Fußball.

Benjamin Best, Autor des Buches "Der gekaufte Fußball" und der Dokumentation "Wettbetrug im Fußball – ein Milliardengeschäft für die Mafia" führte ein Interview mit einem langjährigen Berliner Regionalliga- und Oberligaspieler. Der Fußballspieler erzählt darin von seiner Begegnung mit zwei Strohmännern, die ihn direkt auf Spielmanipulation angesprochen haben. Der Name des Spielers soll anonym bleiben, ist dem Autor aber bekannt.

Was ist Ihnen genau passiert?

Es sind vor dem Spiel zwei Leute gekommen und haben mich gefragt, wie es aussieht, ob wir das Spiel eventuell verschieben können. Verschieben heißt jetzt manipulieren. Ich bin sofort von diesen Leuten weggegangen. Es waren zwei südländisch aussehende Typen, Türken oder Araber. Sie wollten gleich Cash nach dem Spiel zahlen. Ich habe abgelehnt und dem Trainer und dem Vorstand Bescheid gesagt.

Kannten Sie die beiden?

Ich kannte die beiden nicht. Es waren ganz komische Typen, ich hatte sie noch nie gesehen. Dass sie ausgerechnet auch noch zu mir gekommen sind, hat mich natürlich gewundert.
Ich war einer der besseren Spieler, vielleicht deshalb. Kann ich nicht beurteilen, warum sie auf mich los sind. Vielleicht weil ich eine Schlüsselfigur in dieser Mannschaft war.

Wie haben Sie auf das Angebot reagiert?

Ich habe den Vereinsvertretern gesagt, dass auf mich zwei Typen zugekommen sind und verlangt haben, dass wir das Spiel manipulieren sollten. Die dachten, ich mache Spaß. Die haben mich erst gar nicht ernst genommen. Und als ich dann klargemacht habe, dass ich es ernst meine, waren sie auch schockiert.

Was haben die Wetter von Ihnen verlangt?

Wir sollten das Spiel verlieren, und ich sollte noch ein, zwei Spieler involvieren. Auch die, die auf wichtigen Positionen spielen. Sie sagten, den Torwart, einen Mittelfeldspieler und einen Stürmer. Die drei Positionen sind anscheinend wichtig, um Spiele zu manipulieren. Sie haben mir genau in dieser Reihenfolge gesagt, welche Mitspieler quasi manipuliert werden sollten.

Wie sollten Sie Ihre Mitspieler überzeugen?

Ich sollte die anderen ansprechen, unter vier Augen, und ihnen sagen, wenn sie Fehler machen, würden sie dafür Geld bekommen. Der Torwart sollte so tun, als wenn er Paraden machen würde, aber letztlich sollte er unauffällig ein Tor zulassen. Er sollte sich so bewegen, dass es nicht auffällt. Nicht jetzt offensichtlich den Ball durch die Beine lassen. Es sollte professionell aussehen.

Wie sollten Sie sich verhalten?

Ich sollte das alles in die Wege leiten. Ich sollte ihr Ansprechpartner werden. Zu dem Zeitpunkt war ich einer der älteren Spieler, und deshalb denke ich mal, haben Sie mich herausgepickt. Ich war auch Kapitän. Sie haben sich strategisch den wichtigsten Spieler ausgesucht, der auch was zu sagen hat. Der auch viel Einfluss hat auf die Spieler – im positiven Sinne – natürlich. Und das wollten sie sich im negativen Sinne zunutze machen. So kamen sie auf mich, ich sollte das Ganze organisieren.

Mit welcher Einstellung sind Sie dann in das Spiel gegangen?

Ich war beim Spiel eigentlich überhaupt nicht mehr anwesend. Mit den Gedanken war ich schon wieder zu Hause. Das Spiel war für mich gelaufen. Die beiden Typen blieben während des Spiels da und schauten mir auch noch zu. Da war keine Motivation mehr da. Nichts. Es war ein erschreckendes Gefühl. In dem Moment, als die Typen versuchten, durch mich Geld zu verdienen, also dreckiges Geld zu gewinnen. Da kommt man sich selbst dreckig vor. Ich kam mir auch irgendwie schuldig vor in dem Moment. Es war ein komisches Gefühl, das kann ich nur schwer beschreiben.

Benjamin Best: "Der gekaufte Fußball"
Benjamin Best: "Der gekaufte Fußball"

Wie viel Geld wurde Ihnen geboten?

Von Geld war erst mal gar nicht die Rede. Es ging in erster Linie darum, dass wir das Spiel manipulieren sollten. Über Geld haben sie nicht geredet. Und da ich sowieso gleich abgelehnt hatte, war das Geld für mich irrelevant.

Wie oft wurden Sie angesprochen?

Einmal wurde ich direkt angesprochen und ein weiteres Mal indirekt. Das erste Mal war es ein Auswärtsspiel, das zweite Mal ist es in Berlin passiert. Da kam ein Strohmann. Er machte es nicht so direkt, sondern versuchte erst mal so im Scherz, mich zu testen: "Hey, wie sieht’s aus? Mensch, komm. Für euch geht's doch um nichts mehr. Wenn ihr heute verliert, dann kann man doch auch über andere Sachen reden." Da war keine direkte Rede von Manipulation, eher indirekt. In der Oberliga sind gerade die letzten vier, fünf Runden sehr anfällig.

Wissen Sie auch, ob andere Spieler angesprochen wurden?

Ich weiß auch von anderen Oberligaspielern, wo versucht wurde, das Ergebnis zu manipulieren. Das weiß ich von ehemaligen Mitspielern, dass dort auch versucht wurde, zu manipulieren.

Interview aus dem Buch: Der gekaufte Fußball – Manipulierte Spiele und betrogene Fans, Murmann-Verlag.