Statement von Jochen Bitzer

Drehbuch

Drehbuchautor von "Die vierte Gewalt" Jochen Bitzer.
Drehbuchautor von "Die vierte Gewalt" Jochen Bitzer.

»Während der Arbeit am Drehbuch habe ich mit vielen Journalisten gesprochen. Sie arbeiteten bei der Yellow-Press und bei seriösen Blättern, freischaffend und in Festanstellungen, für Print- und Online-Medien. Egal, wie unterschiedlich ihr Hintergrund und ihre Arbeitsbedingungen waren, sie haben alle deutlich gemacht, dass ein hohes Berufsethos nicht nur eine Frage des Anstandes für sie sei. Es geht viel weiter. Ihnen allen ist klar, dass ihre Zukunft von ihrer Integrität, ihrer Glaubwürdigkeit und ihrem hohen journalistischen Niveau abhängt.

Trotzdem sah sich Giovanni di Lorenzo in diesem Frühjahr in seiner "Dresdner Rede" veranlasst, mit seiner Zunft "hart ins Gericht" zu gehen. Selbst in "bis dato seriösen Medien" greife die "Skandalisierung und Boulevardisierung der Berichterstattung" auf eine Weise um sich, die dem Ruf des gesamten Berufstandes schade. Der Chefredakteur der "Zeit" forderte seine Kollegen und sich selbst auf zu überprüfen, welche Rolle sie in unserer Gesellschaft spielen wollen.

In "Die vierte Gewalt" geht es nicht darum, die Entgleisungen vorzuführen, von denen Giovanni di Lorenzo spricht, sondern es geht um die Ursachen. Schuld sind ja nicht die Eitelkeiten und Profilneurosen der Journalisten. Wer wollte ihnen ihren Jagdinstinkt übelnehmen und ihre Lust daran, auf Machtmenschen gelegentlich Druck auszuüben. Eine freie Gesellschaft braucht keine höflichen, es braucht kritische, aufgeklärte, gelassene und souveräne Journalisten ohne Beißhemmung. Das Problem entsteht, wenn immer mehr Journalisten selbst ein Leben am Existenzminimum führen, wenn anständig bezahlte Festanstellungen immer seltener werden, weil den Zeitungsverlagen schlichtweg die Mittel ausgehen, um seriösen, gründlichen Journalismus auch seriös zu vergüten.

Ein Journalist, der einst Mitglied der Bundespressekonferenz war und inzwischen in eine noch abenteuerlichere Branche gewechselt ist, sagte zu mir, der Journalismus sei einmal ein stolzer Beruf gewesen. Es war Trauer in seiner Stimme. Stolz muss man sich leisten können.«

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