Wie viele Jugendliche in Deutschland werden straffällig?

Die polizeiliche Kriminalstatistik von 2008-2013

Entwicklung der Jugendkriminalität seit 2008
Entwicklung der Jugendkriminalität seit 2008

Jugendliche sind weniger gewalttätig

Die Zahl tatverdächtiger Jugendlicher geht laut Polizeistatistik seit 2008 kontinuierlich zurück. Tatverdächtig ist nach der Polizeilichen Kriminalstatistik jeder, der aufgrund des polizeilichen Ermittlungsergebnisses hinreichend verdächtig ist, eine rechtswidrige Tat begangen zu haben.

Das ist grundsätzlich eine positive Entwicklung. Kritiker der Statistik sind jedoch der Meinung, dass der Rückgang der absoluten Zahlen vor allem etwas mit der demografischen Entwicklung zu tun haben. Denn auch die Zahl der Jugendlichen in Deutschland nimmt ab.

Außerdem werden viele Gewalttaten (dazu zählen Diebstahl, Körperverletzungen, Sachbeschädigung, Straßen- und Gewaltkriminalität) erst gar nicht angezeigt– sie finden im sogenannten Dunkelfeld statt. Dieses wird von der Polizei ebenfalls untersucht und eingeschätzt. Laut der polizeilichen Kriminalstatistik ist auch dort ein Rückgang der Straftaten zu verzeichnen.

Der häusliche Prügel ist verschwunden

Prof. Dr. Christian Pfeiffer, Kriminologe
Prof. Dr. Christian Pfeiffer, Kriminologe

Für Prof. Dr. Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, hat die positive Entwicklung wenig mit dem demografischen Wandel zu tun. "Es ist ein starker Rückgang der realen Jugendgewalt, die durch wiederholte Studien belegt sind", erklärt Pfeiffer. Er sieht die Hauptursache für diese Entwicklung in der veränderten Erziehungskultur in Deutschland. Gewalt in der Erziehung ist erst seit 2000 verboten (Züchtigungsparagraph). Der Wandel des Erziehungsauftrags weg von harten Sanktionen und Gewalt hin zu liebevoller Zuwendung zeige sich in diesen Zahlen endlich, so der Wissenschaftler.

Werden geschlagene Kinder zu Tätern?


Pfeiffer bekräftigt seine These mit einer bundesweiten repräsentativen Befragung von 45.000 Neuntklässlern. Sie zeigt den Zusammenhang von Gewalt und späterer Täterschaft. Jugendliche, die von ihren Eltern massiv geschlagen wurden sind fünfmal häufiger zu Mehrfachtätern geworden als gewaltfrei erzogene junge Menschen. Pfeiffer meint: Eltern, die schlagen, versäumen es, ihren Kindern für Konfliktsituationen positive Verhaltensalternativen vorzuleben. Und sie vermitteln ihnen die Botschaft, dass der Stärkere sich mit Gewalt durchsetzen soll und darf.

Vorsicht bei Zahlen

Statistiken haben einen Haken. "Grundsätzlich sagen sie natürlich nichts über Ursachen und Qualität von Gewalthandlungen aus", schreiben Josef Sachs und Volker Schmidt in ihrem Buch "Faszination Gewalt". Die Entwicklung der Gewaltbereitschaft von Jugendlichen dürfe nie ausschließlich aufgrund von Zahlen beurteilt werden, so die Forscher.

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