Interview mit Götz Schubert und Yvonne Catterfeld

Viola Delbrück (Yvonne Catterfeld), Stipe (Robin Meisner), Burkhard "Butsch" Schulz (Götz Schubert)
Viola Delbrück, Stipe und Burkhard "Butsch" Schulz.

Frau Catterfeld, Herr Schubert, was hatte Sie an dieser Reihe und Ihren Figuren gereizt?

Yvonne Catterfeld: Die wirklich selten guten Drehbücher, die Konstellation mit Götz Schubert, den ich bis dahin nur aus dem Fernsehen kannte, und vor allem eine spannende Frauenrolle mit großem Entwicklungspotential. Und ich mochte die Figur Butsch, die ja auch für mich eine entscheidende Rolle spielt: seine Kompromisslosigkeit, seine Direktheit und seine Ehrlichkeit, auch und vielleicht gerade, wenn er sich manchmal wie ein trotziges Kind verhält.

Götz Schubert: Zunächst einmal war das ganze Paket spannend: die Produktion, das Drehbuch, der Spielort, die Charaktere. Die Figuren sind mit unglaublich viel Liebe und Feingefühl erzählt. Butsch kam mir sofort so selbstverständlich entgegen, so unausgedacht, mit ganz vielen Facetten, mit einer spannenden Biografie, mit Charme und Witz, mit Wut und Emotionen, glaubwürdig und hintergründig. Den wollte ich unbedingt spielen, oder besser gesagt: ergründen, mit ihm auf eine Reise gehen, ihn begleiten.

Was überzeugte Sie besonders an "Wolfsland"?

Götz Schubert: Mit am schönsten fand ich beim Lesen der ersten Drehbuchfassung den Effekt, dass ich mehr von den Hauptfiguren erfahren wollte. Meine Neugier wurde geweckt. Ich finde es spannend, aber weniger wegen des Kriminalfalls, sondern wegen der Personen, die in ihn verwickelt sind. Krimi ist nicht neu, die Konstellation mit einem Hauptkommissar oder/und einer Hauptkommisssarin auch nicht, aber die Episoden, die wir erzählen, sind in erster Linie Beziehungsgeschichten zwischen Menschen, und die sind immer wieder für Überraschungen gut.

Yvonne Catterfeld: Selbst wenn es um den Fall geht, spielt immer das momentane Verhältnis zwischen Butsch und Viola eine Rolle. Manchmal ist dieses subtil, manchmal offensichtlich, so dass der Fall für den Moment nicht mehr so wichtig scheint. Das Spannende erzählen wir zwischen den Zeilen. Es passiert immer etwas zwischen uns und das finde ich für einen Krimi ungewöhnlich. Es geht permanent um Beziehungen jeglicher Art, natürlich auch in den Fällen selbst, und nicht um das monotone "Wo-waren- Sie-wann-Rätselraten-Spiel" oder das Aufsagen von Fakten. Ich mag es, dass beide ständig etwas verbergen: ihre wahren Gefühle und Beweggründe. Viola zum Beispiel verbirgt anfangs ihre Unsicherheit, später ihre wahre Seite. Obwohl wir mehr und mehr eine nach außen unantastbare Frau kennenlernen, spürt man ihre Verletzlichkeit. Ich wollte ihre Gegensätze und Widersprüche herausarbeiten, da ich es langweilig finde, wenn man einfach nur nach außen als tough dargestellt wird. Ich will ja wissen, warum jemand so ist.

Frau Catterfeld, Sie stammen aus Erfurt. Herr Schubert, Sie sind in Pirna geboren. Wie haben Sie die Dreharbeiten in Görlitz empfunden?

Yvonne Catterfeld: Ich mochte es, dort zu drehen, weil man sich in einer Kleinstadt bewegt, wo alles etwas gemütlicher, überschaubarer ist. Die Auszeit von einer großen Stadt wie Berlin kommt mir manchmal sehr gelegen. Außerdem kenne ich fast jeden Winkel von Görlitz und es ist schön, in einer Stadt zu sein, wo man nicht noch Sightseeing machen will, sondern sich ganz auf den Dreh konzentrieren und in der Freizeit die Orte genießen kann, die man mag.

Götz Schubert: Ich habe in Görlitz schon ein paar Filme gedreht, Filme, die ich zu den wichtigsten beziehungsweise zu den besten zähle, die ich bisher gemacht habe. Land und Leute sind mir vertraut, da ich ja nicht weit von Görlitz geboren und aufgewachsen bin.

Butsch ermittelt anfangs mehr oder weniger im Alleingang. Was ist aus Ihrer Sicht der Auslöser, dass er und Viola Delbrück sich offenbar langsam annähern? Sind sich die beiden womöglich ähnlich?

Götz Schubert: Das kann ich nicht sagen, das weiß ich noch nicht. Auch nicht, ob sie sich irgendwann annähern. Es gibt Berührungspunkte zwischen den beiden, aber ebenso tun sich scheinbar unüberbrückbare Gräben auf. Sie sind vielleicht auf dem Weg, sich gegenseitig zu respektieren, aber mehr auch nicht. Da gibt es noch viel zu viel Misstrauen, Halbwahrheiten und Unausgesprochenes zwischen ihnen.

Yvonne Catterfeld: Es sind zwei Menschen, die sich auf den ersten Blick sehr unterscheiden, sich jedoch ergänzen und sich gegenseitig brauchen. Wir lernen beide im Laufe der Geschichten besser kennen und merken, dass sie sich so unähnlich gar nicht sind. Beide haben ihre wunden Punkte, ihre Geheimnisse. Darüber nähern sie sich an. Anfangs steht der Wolf für Butsch, aber wir werden Viola auch als harte Einzelkämpferin kennenlernen, mit Geheimnissen und Schattenseiten. Wir haben im Look sehr stark darauf geachtet, dass sich Viola von Folge zu Folge spürbar wandelt. So erleben wir sie anfangs mehr geschminkt, die Frisur geordnet, die Kleidung hell. Sie wirkt im ersten Fall wie ein Fremdkörper an der Seite ihres Kollegen. Mir war wichtig, dass sie sich gegen Ende des zweiten Falls Butsch auch optisch angleicht.

Frau Catterfeld, ist es Ihnen beziehungsweise Ihrer Figur schwergefallen, sich hinter eine so präsente Figur wie den sperrigen, dominanten Butsch zu stellen?

Yvonne Catterfeld: Götz und ich mochten uns auf Anhieb. Das macht es einfach. Er hat mich gleich als Kollegin an seiner Seite akzeptiert. Ich musste mich also nicht erst wie Viola vor Butsch beweisen. Trotzdem wollte ich natürlich, gerade zu Beginn der Dreharbeiten zu dem ersten Fall, eine besonders gute Arbeit machen, da eine Reihe ja doch schon viel Zeit miteinander bedeutet. Insofern wollte ich vor Götz auch eine gute Figur machen, im wahrsten Sinne des Wortes, womit ich nicht meine Figur, sondern Viola Delbrück meine (lacht). So wie Viola muss also auch ich mich als neue Kommissarin beweisen. Das passierte chronologisch am Anfang des Films. Da habe ich meine eigene Unsicherheit etwas mit einfließen lassen können. Im zweiten Fall verschieben sich spannenderweise die Rollen. Jeder zeigt ein neues Gesicht. Butsch und Viola bewegen sich von Beginn des zweiten Falles an auf Augenhöhe, aber sie begegnen sich mit Feindseligkeit. Zumindest nach außen hin. Wir sehen in die Abgründe jeder Figur, auch und vor allem in die der Viola Delbrück. Am Ende wird sich zeigen, wer der Sympathischere von beiden ist ...

Sie beide haben schon mehrfach für Krimiformate vor der Kamera gestanden. Nun sind Sie Ermittler in einer Reihe. Beeinflusst es Ihr Spielverhalten?

Götz Schubert: Mein Spielverhalten beeinflusst das überhaupt nicht, denn die Figuren, die ich spielte, sind ja 'Gott sei Dank' völlig verschieden. Noch mehr danke ich allerdings den Autoren und Erfindern all dieser Charaktere, weil sie sie mit so starken eigenständigen Biografien ausgestattet haben. Dadurch sind es eben nicht zwei Kommissare, die ich spiele bzw. gespielt habe, sondern zwei ganz unterschiedliche Menschen aus völlig unterschiedlichen Verhältnissen, die sich in einem völlig unterschiedlichen Umfeld bewegen. Nur haben beide zufällig den gleichen Beruf.

Yvonne Catterfeld: Ich wollte eigentlich nie eine Reihe haben, weil ich es bisher spannender fand, immer unterschiedliche Figuren zu spielen. Dass eine einzige Rolle aber mehr Entwicklungsmöglichkeiten bietet, fand ich spannend. Außerdem bin ich wohl im richtigen Alter dafür. Teil einer Rolle zu sein, hat insofern Einfluss auf mein Spielverhalten: Ich kann, wissend, was im kommenden Fall ungefähr passieren wird, darauf hinarbeiten, langsam, detailliert und mit Geheimnissen, von denen der Zuschauer noch nichts ahnt. Aber manches wissen selbst wir ja noch nicht ...

Wie haben Sie Ihre erste gemeinsame Arbeit empfunden?

Yvonne Catterfeld: Als großen Spaß und als eine intensive ernsthafte Arbeit an den Figuren! Ich finde es so spannend, Götz zuzusehen, wie er arbeitet, wie authentisch er seine Figur verkörpert. Vor allem aber ist er ein herzlicher und lustiger Mensch. Ich freue mich jetzt schon wieder riesig auf die Zeit mit ihm am Set.

Götz Schubert: Die Frau kann nicht nur singen, die kann auch spielen, und sie ist unglaublich sympathisch. Das ist fast das Wichtigste, weil wir viel Zeit miteinander verbracht haben und, wenn es gut läuft, verbringen werden. Auf diese Art macht das Arbeiten am meisten Spaß. Wir hatten auch viel zu lachen und das ist für mich ein sicheres Zeichen, dass wir uns ganz gut verstehen, ganz im Gegensatz zu unseren Rollen Butsch und "Kessie", wie er sie ja gern ruft.

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