Ein Gespräch mit Regisseur Özgür Yildirim

Özgür Yildirim
Özgür Yildirim  | Bild: NDR/Christine Schroeder

In welche Richtung wollten Sie die Ermittlerfiguren weitererzählen?

Nach "Zorn Gottes" war es für mich interessant zu sehen, wie die Reise mit den beiden weitergeht. Bei der gegebenen Situation bot es sich an zu erzählen, dass Falke und Grosz ein bisschen auch als Konkurrenten zueinander stehen; damit haben wir hier gespielt. Dabei war mir wichtig, auch den humoristischen Aspekt zwischen beiden zu bedienen. Vieles davon war im Drehbuch schon angelegt, aber wir haben uns am Set die Freiheit genommen, das noch auszuschmücken. Wir haben überall, wo es ging, versucht, noch so eine Leichtigkeit einzubauen, natürlich nicht willkürlich, sondern aus der Geschichte heraus gedacht.

Wie bei vielen Fällen der Bundespolizei geht es auch hier um geflüchtete Menschen. Was ist Ihnen im Umgang mit solchen Figuren wichtig?

Statt fremde Sprachen zu untertiteln, sprechen Nicht-Deutsche im Fernsehen zumeist ein gebrochenes Deutsch, weil Untertitel bei den Zuschauern unbeliebt sind. Ich als Filmemacher deutsch-türkischer Herkunft habe damit ein Glaubwürdigkeitsproblem, denn ich höre immer, wenn ein Schauspieler so tut, als ob. Darum habe ich andere Mittel gewählt. Wenn Falke und Grosz Flüchtlinge befragen, sind das echte Geflüchtete, und das hört man auch. Andere Figuren bekommen Dolmetscher an die Seite gestellt. Oder es ist wie bei Alima so, dass die Figur Französisch spricht, was für eine Libanesin naheliegend ist, und Julia Grosz das übersetzen kann. Es war großes Glück, dass sowohl Sabrina Amali als auch Franziska Weisz Französisch können, denn solche Details machen eine Menge aus, sie bereichern den Film.

Worin lag für Sie als Regisseur der Reiz dieser Geschichte?

Das Tolle an den "Tatorten", die ich bislang machen konnte, war, dass sie alle nicht nach dem klassischen Whodunit-Muster gestrickt, sondern Krimis mit sehr speziellem Erzählmuster waren. Dieser hier wird in Rückblenden erzählt, und das Interessante ist, dass man die Geschichte aus der subjektiven Sicht der Ermittler Falke und Grosz erlebt. Von einem bestimmten Punkt an widersprechen die beiden sich auch noch. Man fragt sich: Warum erzählen die so unterschiedliche Versionen, obwohl doch beide anwesend waren? Und wir spielen natürlich auch mit diesen Widersprüchen. Das war narrativ betrachtet clever gemacht und sehr reizvoll für mich. Zum anderen ist es auch spannend, einen "Tatort" zu fünfzig Prozent als Kammerspiel zu erzählen. Die Herausforderung war hier ganz klar, eine Verhörsituation in ein und demselben Raum bis zum Ende spannend oder unterhaltend zu gestalten.

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