DasErste.de - Springe direkt zu

Inhalt.
Hauptnavigation.
Suche.

Aufmachergrafik zu Tatort
Inhalt

Lannert und Bootz

Richy Müller als Kommissar Thorsten Lannert

Zur Rolle

Richy Müller als Kommissar Thorsten Lannert (Bild: SWR/Schweigert) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Richy Müller als Kommissar Thorsten Lannert ]
Thorsten Lannert braucht ein neues Leben. In dem alten ist zuviel
passiert, das er nicht mehr reparieren kann. Lannert ist nicht der Typ
Polizist und Mann, der den Kopf in den Sand steckt. Man muss ihn schon
vierteilen, damit er nicht wieder aufsteht. Und selbst dann ist das noch
nicht sicher. Aber manchmal gibt es Dinge, die unumkehrbar sind. Genau
die sind ihm passiert.

Lannert ist das, was man neudeutsch "streetwise" nennt. Er hat von der
Pike auf angefangen, er war immer auf der Straße, er hat sich im Job
nicht hochgearbeitet, sondern durchgebissen. Zuletzt war er verdeckter
Ermittler in Hamburg. Vier Jahre lang. Länger als zwei Jahre lässt man
einen VE normalerweise nicht draußen in der Kälte. In Hamburg war
Lannert ein wichtiger Mann. In Stuttgart beginnt der Hauptkommissar als
ein Niemand.

Andere hätten den Dienst quittiert oder wären Dauergäste in einer
psychiatrischen Anstalt geworden. Lannert hat sich verboten, ein
verbitterter Mann zu werden. Denn er hat Witz, er hat den Schalk im
Nacken. Im Grunde ist er ein lebenslustiger Typ. Und seine
Selbstdisziplin sorgt dafür, dass er nicht zurückblickt. Meist gelingt ihm
das. So kommt er rüber als ein harter, aber wohlwollender Polizist. Nur
manchmal, in einer Geste, in einem Blick, können wir kurz in ihn
hineinschauen. Sekundenbruchteile lang. Und wir wollen nicht alles
wissen, was wir da gesehen haben.

Thorsten Lannert ist kein Teamplayer, denn sein auf der Straße
erworbenes Misstrauen sitzt so tief, dass er niemandem wirklich traut.
Nicht mal seinem Briefträger. Instinktmensch ist die Bezeichnung, die am
ehesten auf ihn zutrifft. Lannert kennt die Paragraphen ebenso gut wie
Sebastian Bootz, aber im Zweifelsfall hört er auf seinen Bauch. Mehr
noch: Im Konflikt zwischen seiner persönlichen Moral und dem Gesetz
droht das Gesetz manchmal ins Hintertreffen zu geraten.

Lannerts Menschenkenntnis und seine Erfahrung bringen etwas mit, was
Bootz sich bisher nur theoretisch erschließen kann: Verständnis für den
Täter. Thorsten Lannert hat einen wunden Punkt: Kinder. Wenn es um
Kinder geht, sind Polizisten plötzlich besonders sensibilisiert. Für Lannert
trifft das in Potenz zu. Steht ein Kind auf dem Spiel, gehen bei Thorsten
Lannert komplett die Lichter aus.

Zur Person

Richy Müller, gebürtiger Mannheimer, erlebte seinen Durchbruch als
Schauspieler 1978 mit der Leonie Ossowski-Verfilmung "Die große
Flatter". Es folgten u. a. Reinhard Hauffs "Der Mann auf der Mauer" oder
Roland Emmerichs "Das Arche Noah Prinzip". Nach einer Reihe von
Rollen als raubeiniger Macho spielte der ehemalige Leistungsturner in
den 80ern vorwiegend Theater.

Wieder vor die Kamera zurückgekehrt, überzeugte er als
Charakterdarsteller in einer Vielzahl von Rollen unterschiedlichster
Genres, u. a. mit Hauptrollen in "Irren ist männlich" von Sherry
Hormann, "Die innere Sicherheit" von Christian Petzold, "Farland" von
Michael Klier, "Unsere Mutter ist halt anders" von Franziska Buch oder
markanten Nebenrollen wie in Thomas Durchschlags Film "Allein" oder
2005 in zwei SWR-Koproduktionen: "Nicht alle waren Mörder" von Jo
Baier und Chris Kraus' vielfach ausgezeichnetem Kinofilm "Vier Minuten".

Gregor Schnitzlers Gudrun Pausewang-Verfilmung "Die Wolke" mit Richy
Müller in einer der Hauptrollen, ebenfalls 2005 gedreht, war 2006 in den
Kinos zu sehen. 2006 stand der Schauspieler für "Noch ein Wort und ich
heirate dich" (Regie Wilhelm Engelhard) vor der Kamera, 2007 für den
Abenteuer-Zweiteiler "Die Schatzinsel" in der Regie von Hans-Jörg Thun.
Gerade war er in einer der Hauptrollen von "Ein verlockendes Angebot"
(Regie Tim Trageser) auf dem Bildschirm zu erleben.

Felix Klare als Kommissar Sebastian Bootz

Zur Rolle

Felix Klare als Kommissar Sebastian Bootz (Bild: SWR/Schweigert) Bild vergrößern bzw. verkleinern Bildunterschrift: Felix Klare als Kommissar Sebastian Bootz ]
Bootz braucht Ordnung. Das verschafft Überblick, das verschafft
Kontrolle. Das verhilft ihm zu der Klarsicht, die ihn auszeichnet.
Er sammelt Fakten, er analysiert. Aber Sebastian Bootz hat sich – im
Gegensatz zu anderen Menschen dieses Typus’ – einen Humor und eine
Lässigkeit bewahrt, die den ersten Eindruck dieses Mannes dominieren.
Er lädt also zum Unterschätzen ein. Denn hinter der lockeren Fassade
verbirgt sich ein Mann, der dem Gesetz dienen will. Ohne Wenn und
Aber.

Sebastian Bootz wohnt mit seiner Frau Julia und seinen beiden Kindern
Maja und Henri in einer zum Einfamilienhaus umgebauten Werkstatt im
Stuttgarter Westen. Verkehrsberuhigte Zone. Das Leben ist übersichtlich.
Nach dem Abitur und der Polizeihochschule in Villingen stieg er gleich in
den gehobenen Dienst ein. Geradlinig und schnörkellos ist seine Karriere
verlaufen. Glatt, sagen einige über ihn. Unbestechlich in seiner Haltung,
sagen die anderen.

Er konnte sich nicht damit zufrieden geben, dass er Dinge erarbeiten
sollte, die bereits geschehen waren. Er wollte das Vorher begreifen. Er
belegte vier Semester Kriminalpsychologie. Für die Kollegen ist das
gewöhnungsbedürftig, für sie liest er manchmal aus dem Kaffeesatz. Für
Bootz ist das pure Wissenschaft. Jede Hilfe ist eine Demütigung. Diesen
polarisierenden Satz hat mal jemand von sich gegeben, für Sebastian
Bootz ist es ein Credo. Er legt Wert darauf, dass er Dinge allein
bewältigen kann. Dass er niemanden braucht – und er wird diese Haltung
ändern.

Der Schreibtisch ist sein bevorzugtes Revier. Er gibt ihm Sicherheit. Da
ist sein Gehirn gefragt. Man kann eine Schachpartie mit ihm im Kopf
austragen. Mit der Angehörigen eines Opfers, die sich ihm weinend in die
Arme wirft, fühlt er sich überfordert. Er wird trotzdem Trost spenden und
richtige Worte finden, aber wir merken ihm an, dass er sich dabei an
einen weit entfernten Ort wünscht – zum Beispiel an seinen Schreibtisch.

Zur Person

Felix Klare wurde 1978 in Heidelberg geboren. Er wurde an der
Schauspielschule Ernst Busch in Berlin ausgebildet und ging nach seinem
Debüt am Berliner Ensemble und dem Hamburger Schauspielhaus 2002 für
zwei Jahre ans Theater Freiburg. Nach ersten Fernsehrollen in "SK Kölsch"
und "Ich leih dir meinen Mann" stand Felix Klare 2005 für die "Debüt im
Dritten"-Produktion "Das Leben der Philosophen", Regie Holger Haase, und
den Kinofilm "Offset" in der Regie von Didi Danquart vor der Kamera.

Zur Zeit ist er am Düsseldorfer Schauspielhaus zu sehen, wo er in der
letzten Saison die Titelrolle in Stephan Rottkamps Inszenierung von
"Othello" spielte, und am Bayerischen Staatsschauspiel, wo er u. a. in
Sarah Kanes "Gier" (Regie Tina Lanik) und Simon Stephens’ "Country
Music" (Regie Alexander Nerlich) auf der Bühne steht. Im Februar hat am
Düsseldorfer Schauspielhaus Tschechows "Iwanow" in der Regie von Amélie
Niermeyer Premiere, mit Felix Klare in der Rolle des Arztes.