Gespräch mit Jürgen Prochnow

Jürgen Prochnow als Kesting.
Jürgen Prochnow als Kesting.

Was hat Sie bewogen, wieder einmal in einem "Tatort" zu spielen?

Mir war zu Ohren gekommen, dass der "Tatort" aus Kiel besonders gut ist. Dann fand ich das Drehbuch spannend, weil es einen aktuellen politischen Stoff aufgreift, der einem auf den Nägeln brennt. Das machen die amerikanischen Fernsehmacher auch immer so. Direkt neben dem TV-Kommissariat, quasi Tür an Tür, wurde während der Dreharbeiten gerade ein reales Flüchtlingsheim eingerichtet. Einige von den Männern, Frauen und Kindern, die gerade erst nach Kiel gekommen waren, wirkten als Statisten mit. Das fand ich sehr aufregend. Zu guter Letzt kenne ich Axel Milberg von früher. Er ist ein wunderbarer Schauspieler. Es ist immer schön zu wissen, wenn da jemand ist, mit dem man gut zusammenarbeiten kann.

Deutsche Mädchen ziehen in den Dschihad. Ist Ihnen diese Geschichte vorher bekannt gewesen?

In der Presse hatte ich gelesen, dass eine 15-Jährige aus ihrem Elternhaus ausgebüxt ist und sich dem IS angeschlossen hat. Wie der Verfassungsschutz Mädchen für seine Zwecke manipuliert, war mir allerdings völlig neu. Dass ein „Tatort“ eine solche Geschichte verarbeitet, halte ich für außerordentlich. In den letzten Jahren ist immer mehr publik geworden, was sich der deutsche Verfassungsschutz in der Vergangenheit alles geleistet hat. Dessen Anfänge habe ich noch miterlebt, ich bin ja in der Adenauerzeit aufgewachsen. Die Aufklärung darüber ist auch ein Verdienst des deutschen Kinos und solcher ausgezeichneten Filme wie "Fritz Bauer".

Sie leben in den USA. Wie nehmen Sie dort die islamistischen Anschläge in Europa wahr?

Ich bin seit einiger Zeit wieder häufiger in Deutschland und bekomme alles mit. Es ist eine furchtbare Zeit und es scheint immer schlimmer zu werden. Ich möchte jetzt nicht darauf eingehen, welche Politik dazu geführt hat, dass sich die ganze Welt in dieser Situation befindet, sondern nur so viel sagen: Es ist erschreckend.

Ihr "Tatort"-Debüt gaben Sie vor mehr als 40 Jahren in "Jagdrevier" unter der Regie von Wolfgang Petersen.

Ich war ein Neuling im Geschäft. Der "Tatort" war noch frisch und die Stoffe waren vergleichsweise brisant. Damals stand uns noch viel mehr Drehzeit zur Verfügung. Und weil es nur zwei Sender gab, ARD und ZDF, schauten später 70 oder 80 Prozent der Bevölkerung zu.

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