Gespräch mit Sophie Pfennigstorf

Vincent (Jordan Dwyer) will vor Paula (Sophie Pfennigstorf) nicht als Memme dastehen.
Vincent will vor Paula nicht als Memme dastehen.

Sie spielen eine Rechtsextremistin, die zur Waffe greift. Wie wird aus ihr eine Terroristin?

Im Grunde sucht Paula wie jeder andere Mensch nach ihrer sozialen Position im Leben. Sie gerät in ein bestimmtes Milieu, schließt sich einer Ideologie an und hält es für ausgeschlossen, dass sie sich in der Sache täuschen könnte. Im Gegenteil. Weil sie überzeugt davon ist, das Richtige zu tun, ist sie bereit, alles zu geben: ihr Leben und das der anderen. Als die Gruppe der "Jungen Patrioten" ihr einen mörderischen Auftrag erteilt, gefällt sie sich in der Rolle der Heldin. Sieht man einmal von ihren verschrobenen politischen Ansichten ab, ist sie eine junge starke Frau, die sich mit ihren Aggressionen ausleben will.

Ist sie eine hippe Nazi­Braut?

Ich bezweifle, dass sie sich selber als Nazi bezeichnen würde. Sie träumt auch nicht von einem neuen NS-Staat. Das rechte Gedankengut, dem sie anhängt, ist auf die aktuelle Situation gemünzt, wie die Flüchtlingskrise und die vermeintlich bedrohliche Einwanderung aus den Balkanstaaten. Es geht ihr um die Zukunft, bei aller Rückbesinnung auf patriotisch-deutschtümelnde Werte wie Heimat oder Vaterland. Eine Typisierung ist nicht mehr so einfach. Man kann nicht einen Stempel draufdrücken und sagen, du bist jetzt die Nazi-Braut. Obwohl das Gedankengut der Figur mir nicht ent- spricht, habe ich die Rolle der Paula gerne gespielt.

Paula wird in die linksautonome Szene eingeschleust und erlebt eine kleine Romanze.

Sie verkleidet sich als linke Aktivistin und spielt diese Rolle perfekt. Am Anfang schätzt sie den jungen unerfahrenen Vincent wirklich, weil er – so wie sie selber – für etwas steht. Aber als sie ihn nicht für ein Attentat benutzen kann, wendet sie sich kaltblütig ab. Die Liebe zu ihrem Auftrag überwiegt.

Ist es nicht erstaunlich, dass sich zwei Menschen aus extrem unterschiedlichen Lagern so gut verstehen? Gibt es viele Gemeinsamkeiten?

Was Paula und Vincent vermeintlich politisch verbindet, ist ihre Gewaltbereitschaft, die Ablehnung der Polizei und der Hass auf Andersdenkende. Inhaltlich sollte man die Lager aber trotz ihres Extremismus nicht über einen Kamm scheren. Ob ich mit dem Slogan "Gerechtigkeit für alle" auf die Straße gehe oder "Deutschland uns Deutschen" skandiere, das macht für mich einen gewaltigen Unterschied.

Haben Sie sich vom NSU­Mitglied Beate Zschäpe etwas abgeschaut?

Ich habe sie nicht als Vorbild genommen, mich aber mit der Terrorzelle, den Morden und dem Prozess auseinandergesetzt. Ich fragte mich: Wie konnte es dazu kommen? Was steckt dahinter? Das gehört zu meiner schauspielerischen Neugier. Womöglich ist das eine oder andere unterbewusst eingeflossen.

In einer Szene hängt sich Paula aus dem Autofenster und schießt der Gruppe mit dem Maschinengewehr den Weg frei. Macht es Spaß, eine solche Actionszene zu drehen?

Auf diese Frage zu antworten, fällt mir nicht leicht. Ich denke, in der Filmindustrie sollte mehr darüber gesprochen werden, wie geht man mit Waffen um, brauchen wir die Gewalt im Film, wie stellen wir sie dar? Ich habe eine tiefe Abneigung gegen Waffen, aber das Erschreckende ist: Obwohl es meiner Art total zuwiderläuft, gab es – wenn ich ehrlich bin – einen bestimmten Moment, in dem ich mich der Euphorie nicht entziehen konnte. Darüber müsste man vielleicht einmal diskutieren, welche besondere Kraft dem innewohnt.

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