Fragen an Miroslav Nemec ...

alias Kommissar Ivo Batic

Miroslav Nemec als Kommissar Batic
Miroslav Nemec als Kommissar Batic

DasErste.de: Was bedeutet es für Sie, "Tatort"-Kommissar/Ermittler zu sein?
Miroslav Nemec: Hier kann ich meinen Schauspiel-Beruf ausüben. Und ich spiele keinen Deutschen, sondern jemanden, der in Deutschland aufgewachsen ist. Für meine Landsleute ist das ein stolzer Moment. Hinzu kommt, dass ich früher "die Bullen" nicht so mochte – dann aber selber einer geworden bin. Das ist heute aber kein Thema mehr.

Wie haben Sie sich auf Ihre "Tatort"-Rolle vorbereitet?
Wir hatten damals versucht, jeder Rolle ein Profil zu geben: Background, Familie, Naturell. Zudem hatten wir Einblick ins richtige Kriminalmilieu – im Polizeipräsidium in der Münchner Ettstraße – dort haben wir richtige Polizisten getroffen und uns von ihnen beraten lassen in Sachen Polizeiarbeit.

Wie war es für Sie, den Umgang mit einer Waffe zu lernen?
In unseren Tatort-Folgen versuchen wir, die Waffe so wenig wie möglich zu benutzen. Wenn man mal wirklich schießt (was ist eigentlich eher dann getan habe, wenn ich den Bösewicht gespielt habe) ist das eine sehr ambivalente Angelegenheit. Ich war erstaunt, wie kräftig der Rückschlag nach einem Schuss ist. Und es ist sehr schwierig richtig zu zielen. Bei der Polizei habe ich auch einmal versucht, auf ein Pappmännchen zu schießen. Das ist ziemlich schwer. Und obwohl es nur ein Spiel ist: Die Vorstellung, dass die Waffe echt ist, ist unangenehm. Weil man jemand damit töten kann. Eine furchtbare Vorstellung.

Sahnen Sie jetzt bei jedem Schützenfest am Schießstand ab?
Ich habe früher tatsächlich ein Luftgewehr gehabt und habe ganz gut getroffen – auch heute noch. Das hat aber nichts mit der Rolle zu tun. Fürs genaue Zielen – nicht nur über Kimme und Korn – habe ich ein Gefühl.

Achten Sie bei anderen Krimis darauf, ob die Schauspieler ihre Waffen richtig halten oder korrekt in Deckung gehen?
Sicher. Das hat man uns ja gezeigt. Doch beim Dreh geht es nicht immer darum, dass man die Waffe richtig hält oder richtig in Deckung geht. Man muss die Waffe kameragerecht halten, damit sie gesehen wird – das entspricht nicht immer der korrekten Haltung. Das gleiche gilt für die Deckung.

Was war der "grausamste" Mordfall, in dem Sie ermitteln mussten?
Da müsste ich eigentlich alle nennen. Von den letzten war sicherlich "Kleine Herzen" – mit dem verlorenen Kind – ein sehr bedrückender Tatort.

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Ihnen und Ihrer Rolle beim "Tatort"?
Ja, es gibt Gemeinsamkeiten zwischen Batic und mir. Zum Beispiel, dass ich in Kroatien geboren und in Deutschland/Bayern aufgewachsen bin – und Ivo Batic ebenso. Ich bin genauso impulsiv, emotional und eruptiv. Ansonsten ist Ivo Batic eine Kunstfigur. Ich bin viel lustiger als der Batic. Er ist manchmal mürrisch und streng, hat aber auch Humor. Und ich bin freundlicher.

Welche "Tatort"-Folge mögen Sie am liebsten?
Von den BR-Tatorten "Frau Buh lacht". Außerdem noch "Mörderisches Märchen", "Im freien Fall", "Prügelknabe" und "Der oide Depp".

In den 700 "Tatort"-Filmen kamen viele verschiedene Teams zum Einsatz. Welcher der ehemaligen Ermittler war Ihr Lieblings-Kommissar?
Ganz früher den Zollfahnder Kressin. Später Schimanski – da habe ich auch in zwei Filmen mitgespielt. Einmal einen Zuhälter und einmal einen BKA-Mann.

Mit welchem anderen (aktuellen) "Tatort"-Team würden Sie gerne einmal einen Fall lösen?
Ich mag die Jungs aus Köln gerne, also die Kommissare Ballauf und Schenk.

Was verbindet Sie mit der Stadt in der Sie als "Tatort"-Ermittler im Einsatz sind?
München liegt in Bayern und ich bin hier aufgewachsen. Deshalb habe ich natürlich sprachlich und mental eine Affinität zu München. Ich bin gerne hier in München, den die Stadt ist ja auch landschaftlich und architektonisch sehr schön. Außerdem ist sie nah an Kroatien.

In welcher anderen Stadt würden Sie auch gern einmal ermitteln und warum?
Da ich dreieinhalb Jahre in Zürich Schauspiel studiert habe, würde ich es dort einmal versuchen.

Der Sonntagabend ist bei vielen fest für den "Tatort" reserviert – "Tatort" ist Kult! Wie erklären Sie sich das?
Schon viele haben versucht, das zu erkären. Ich denke zu einen ist es die Stetigkeit des Tatorts, der ja schon seit 37 Jahren läuft. Sonntags heißt es um 20.15 Uhr "Tatort", die Titelmusik läuft - der Termin ist seit Jahrzehnten belegt. Außerdem ist der Sonntagabend ein Termin, an dem die Leute gerne zu Hause sind. Nach dem Tatort kann man noch ein Gespräch führen und dann ins Bett gehen, weil man ja am Montag früh raus muss. Da kommen Gewöhnung und der passende Zeitpunkt zusammen.

Und dann geht es auch um die Inhalte selbst, um das Lokalkolorit. Jeder kann sich mit "seiner" Stadt, seinem Landstrich identifizieren. Zudem werden aktuelle und zeitgemäße Themen behandelt und die Dienststrukturen haben sich geändert. Es gibt weibliche Ermittler. Der Tatort verändert sich mit der Gesellschaft. Ein Grund, warum er auch für Jüngere interessant ist. Der Tatort deckt ein breites Zuschauerspektrum ab.

Was machen Sie Sonntagsabends? Schauen Sie sich an den Sonntagabenden auch den "Tatort" an? Gibt es bei Ihnen spezielle Rituale rund um das "Tatort"-Anschauen?
In meinem Beruf, der sehr unstet ist, gibt es keine Rituale. Es hängt davon ab, wo ich gerade bin, ob ich mir den Tatort ansehe. Aber er ist einprogrammiert und wird aufgenommen. Der Sonntagabend ist bei mir kein fixer Termin. Auch nicht, wenn der eigene Tatort läuft.

Bei einem Krimi wie dem "Tatort" fließt ja schon mal Blut. Können Sie Blut sehen?
Ich kann schon Blut sehen, aber menschliches Blut habe ich noch nicht viel gesehen. Außer bei Nasenbluten oder Aufschürfungen. Bei Tieren bin ich es gewohnt. In Zagreb auf dem Land bei meinem Vater wurde früher auch geschlachtet.

Haben Sie schon einmal einen Mörder oder eine Leiche gespielt?
Ja beides. Die Leiche ist lange her und war am Anfang meiner Schauspielerei – mit Gila von Weitershausen habe ich da gedreht. Ich spielte ihren Liebhaber und der Mann erschlug mich. Im Studio musste ich dann sehr lange auf dem Rücken liegen. Da wurde es kalt von unten. Und wenn man immer im Bild ist, darf man sich als Leiche auch nicht bewegen, oder sich etwas wärmendes unter den Rücken legen. Eine Leiche würde ich nicht mehr gerne spielen. Außer eine Hauptrolle, die erst am Schluss des Film getötet wird. Zudem ist es in der Maske sehr zeitintensiv eine Leiche zu spielen.

Mörder habe ich auch gespielt. Jemanden, der versucht hat, seine Tochter umzubringen, weil sie gar nicht seine Tochter war und ihn nur beerben wollte. "Einladung zu Mord" hieß der Film und hat in Südafrika gespielt, gedreht habe ich da mit Jutta Speidel.

Welche andere TV-Krimisendung sehen Sie sich gerne an?
Die Wallander-Verfilmungen habe ich gerne gesehen. Da waren gute dabei. Mankells Krimis sind ja eher gewalttätig und gesellschaftlich eingebettet – sie spiegeln den Zustand des Staates wieder. Das mag ich an Mankell sehr gerne.

Lesen Sie gerne Krimis? Wenn ja, welches ist Ihr Lieblingskrimi?
Henning Mankell. Außerdem mag ich noch "Silentium" und "Komm süßer Tod" von Wolf Haas. Sehr witzig und skurril.

Wurden Sie im echten Leben schon einmal um Hilfe als Kommissar gebeten ("Sie sind doch bei der Polizei!")?
Nein. Aber ich werde auf der Straße öfters mit dem Rollennamen angesprochen, oder mit "Herr Kommissar". Im Taxi sagt schon mal einer: "Bitte nicht verhaften, ich habe nichts getan". Oder auch im Supermarkt. Aber richtig um Hilfe gebeten wurde ich noch nicht.

Haben Sie privat Freunde aus dem Polizeiumfeld?
Eher Bekannte. Die Pressevertreter im Polizeipräsidium, die kommen auch immer zu den Pressevorführungen. Mit denen tauscht man Gedanken aus und man mag sich.

Ihr Gruß an die "Tatort"-Fans:
Nicht weggucken!

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