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Dieter Pfaff ist Gregor Ehrenberg
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Haben Sie eine Lieblingsfolge in der neuen Staffel von "Der Dicke"?Dieter Pfaff: Natürlich gibt es auch in dieser Staffel Geschichten, die mich besonders berühren, wie die Geschichte der 83-jährigen Frau, die per Sanierung aus ihrer Wohnung vertrieben werden soll. Aber entscheidend ist für mich, dass es uns im Team immer besser gelingt, Komödiantisches mit Ernstem zu verbinden. Die einzelnen Folgen bekommen dadurch etwas wunderbar Leichtes. Das ist wie Gitarre spielen. Erst muss man üben, dann wird es leichter, dann wird es plötzlich Musik. "Der Dicke" ist Unterhaltung, wie ich sie mir vorstelle, Unterhaltung mit besonderer Betonung auf "Haltung", ohne die eine solche Serie nicht gelingen kann, und nicht auf "Unter".
Thorsten Näter: Ich mag besonders die Folge "Das dicke Ende", in der Ehrenberg gemeinsam mit einem schwergewichtigen Mandanten, den er nicht ausstehen kann, als Geisel genommen wird. In dieser Situation ist Ehrenberg gleich auf zwei Arten mit sich selbst konfrontiert: Erstens durch den Mandanten, der so tut, als sei "Dick-sein" eine "Behinderung", auf die andere gefälligst Rücksicht nehmen müssen. Zweitens durch einen schweren Fehler, den er in seiner Vergangenheit als Erfolgsanwalt gemacht hat.
Nina Lenze: Ich habe ein Lieblingsthema: Die Geschichte zwischen Ehrenberg und seinem Vater, die sich über mehrere Folgen entwickelt. Der Vater leidet an Demenz, was Ehrenberg am Anfang nicht erkennt. Wie stehen wir zu unseren alten Eltern? Wie gehen wir mit ihnen um? Das ist ein Thema, das viele zur Zeit beschäftigt.
Thorsten Näter: Aber die "Fälle" sind nur die halbe Miete. Im Grunde geht es in der Serie darum, Ehrenberg, Isa, Yasmin und Gudrun immer neuen Situationen auszusetzen. Das ist der eigentliche Spaß.
Wobei das Verhältnis zwischen Isa von Brede und Ehrenberg im Mittelpunkt der neuen Staffel steht?Dieter Pfaff: Ich finde erstmal die ganze Viererbande in den Kanzlei klasse. Ehrenberg und Isa sind ein tolles Gespann. Ehrenberg findet Isa attraktiv und begehrenswert. Er kann sich das aber nicht eingestehen, obwohl das ja immer wieder reinblitzt, in ihre Gespräche und auch in ihre Kämpfe. Wenn Ehrenberg sagt, "Geld interessiert mich nicht", dann kann er sich das nur leisten, weil Isa da ist. Und das weiß er auch.
Nina Lenze: Ehrenberg will nicht, dass Isa irgendwo anders hingeht. Aber dass Ehrenberg darüber nachdenkt, was will ich denn von dieser Frau, bin ich vielleicht in Isa verliebt, das verbietet er sich.
Dieter Pfaff: Beide haben Beziehungen hinter sich, in denen sie verletzt worden sind. Beide haben mit Anwälten zusammen eine Kanzlei gehabt, beide sind persönlich betrogen worden. Und dann ist den beiden das passiert, was vielen Menschen passiert: Beide habe beschlossen, dass sie sich nie wieder so intensiv auf einen anderen Menschen einlassen. Ich persönlich halte das für eine komplett falsche Haltung.
Nina Lenze: Den beiden fehlt es an Unbeschwertheit. Beide sind in einem Alter, in dem es schwer ist, sich Liebe oder Verliebtsein einzugestehen.
Dieter Pfaff: Ja, aber damit verkürzt man sein Leben. Wenn ich mich in einer Beziehung nur halb gebe, dann funktioniert sie nicht. Genauso ist das in meinem Beruf als Schauspieler. Wenn ich nicht verletzlich bleibe, kann ich meinen Beruf als Schauspieler nicht mehr ausüben.
"Der Dicke" ist Anwalt, in der Serie geht es um Gerechtigkeit ...Dieter Pfaff: ... ich denke, vor allem um den Unterschied von "Recht haben" und "Recht bekommen". Wir leben heute in einer Finanzgesellschaft, das "sozial" in dem Begriff "Soziale Marktwirtschaft" von Ludwig Erhard ist seit der Ära Schröder verschwunden. Da denke ich immer wieder an den Satz von Bertolt Brecht: "Sich freuen am gemeinsamen Fortkommen aller". Stattdessen leben wir heute in einer "Ich-Gesellschaft".
Nina Lenze: Wenn ich an so manche Diskussion über kostenlose Urlaube, Upgradings oder Banker- Boni in den vergangenen Monaten denke und zugleich weiß, dass eine Kassiererin in Berlin wegen Unterschlagung eines Wertbons in Höhe von 50 Cent ihren Job verloren hat – das bekommt doch kaum noch jemand zusammen!
Dieter Pfaff: Parteinahme für die kleinen Leute, für die sich die Justiz in der Regel nicht so interessiert und die sich in der Regel einen Anwalt nicht leisten können, das sind Geschichten, die wir alle wollen, die Thorsten Näter will, die die Reaktion will, die die Producerin will.
Und im "Dicken" geht die Geschichte dann gut aus ...Dieter Pfaff: Natürlich erzählen wir eine gewisse Utopie. Das Seltsame, das Schöne ist, dass ich Briefe von Anwälten bekomme, die schreiben: "Übrigens mache ich fast genau das gleiche wie Ehrenberg!" Insofern erzählen wir eigentlich keine Utopie. Das finde ich klasse.