Interview mit Friedemann Fromm

Er ist Autor und Regisseur von Weissensee

Hauptdarstellerin Anna Loos (l.) und Regisseur Friedemann Fromm (r.)
Anna Loos und Regisseur Friedemann Fromm hinter den Kulissen.

»Zeitgeschichte ist nicht per se spannend, sondern nur, wenn man sie dramaturgisch nutzt.«

Sie gelten als Experte, wenn es um die Verfilmung zeitgeschichtlicher Stoffe geht. Was macht diese Themen so interessant für Sie? Und hat man als Regisseur nicht auch mal Angst vor der "Schublade"?

Zeitgeschichte ist nicht per se spannend, sondern nur, wenn man sie dramaturgisch nutzt, um die Figuren in Spannungsverhältnisse zu versetzen, denen sie heute nicht mehr ausgesetzt wären. Denn dadurch lassen sich Figuren in ihrer Tiefe anders erzählen – sofern man etwas Zeitloses findet, was in dem historischen Stoff verhandelt wird. Das finde ich die besondere Qualität von "Weissensee": Wir erzählen sehr präzise Zeitgeschichte, aber die zugrundeliegenden Konflikte sind zeitlos und deshalb relevant. Ich bin ja im Lauf meiner Karriere schon in mehreren Schubladen gewesen und hab mich da immer wieder daraus gelöst. Insofern schreckt mich das nicht. Ich werde immer einen Weg finden, mir neue Genres zu erschließen.

Die aktuelle Staffel setzt im Jahr des Mauerfalls ein und es geht nicht mehr nur um den Osten. Welche Farbe bringt hier die neue Rolle der Katja Wiese mit ins Spiel? Soll ihre Beziehung zu Martin Kupfer die personifizierte Wiedervereinigung darstellen, um die Grenzöffnung für den Zuschauer erlebbarer zu machen?

In der aktuellen Staffel geht es um Freiheit – in all ihren Facetten. Den faszinierenden wie auch den bedrohlichen – je nach Standpunkt. Denn Freiheit bedeutet ja auch Verlust von Sicherheit. Diese Pole werden von Martin Kupfer und Katja Wiese ausgelotet. Natürlich geht es auch um den Culture Clash zwischen Ost und West. Aber auch um den Mut, sich Neuem zu stellen – auf beiden Seiten übrigens.

Wo lag die Herausforderung bei der Entwicklung der Figuren dieses Mal? Sicher haben die Darsteller auch eine Meinung zu ihrer Rollenentwicklung.

Wenn man mit Figuren horizontal über nun mehr 18 Folgen erzählt, dann ist die große Frage, wohin man sie entwickelt, sodass sie neue Wege gehen können, sich dabei aber im Kern treu bleiben. Man muss also das Potenzial, das in einer Figur schlummert, ausloten. Und dann ist immer die Frage, wie die einzelnen Stränge gewichtet und verwoben werden. „Weissensee“ ist eine sehr komplex erzählte Geschichte mit vielen Figuren und Strängen. Welche Figur übernimmt wann die Führung und bis zu welchem Punkt – das stellt einen immer wieder vor Herausforderungen. Das ist wie bei einem Orchesterstück.

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