Fragen an den Experten Prof. Dr. med. Wilhelm Bloch

Prof. Dr. med. Wilhelm Bloch
Prof. Dr. med. Wilhelm Bloch | Bild: privat

Prof. Bloch ist seit 2004 Leiter der Abteilung für molekulare und zelluläre Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln.

Sein Forschungsschwerpunkt ist die Untersuchung von molekularen und zellulären Anpassungen auf metabolische und mechanische Reize. Er ist Vorsitzender des Wissenschaftsrats der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP).

Was forschen Sie – und zu welchem Zweck?

Uns interessiert: Wie reagiert der menschliche Körper; sowohl auf normale, als auch auf intensive Belastung? Was bringt es für den Körper und wie verändert er sich? Unter Belastung verändern sich nämlich die Muskulatur, das Bindegewebe, das Immunsystem und die Hormone.

Was passiert, wenn ein Sportler abrupt mit dem Sport aufhört?

Er wird sich zunächst schlechter fühlen, weil sein Körper sich umstellen muss und die Bewegung vermissen wird. Dies kann der Körper allerdings kompensieren.

Wann hat der Mensch das Hoch seiner Leistungsfähigkeit erreicht?

Dies kann sehr variieren, da es von unterschiedlichen Fähigkeiten abhängt. Grundsätzlich geht man allerdings davon aus, dass das Leistungshoch zwischen dem 18. und 30. Lebensjahr liegt. Bei einem Sportler ist hierfür auch die Frage entscheidend, wann ich mit welchem Training angefangen habe. Hieraus resultieren unter Umständen gewisse Verschleißerscheinungen.

Warum werden wir mit dem Alter immer steifer?

Sehnen und Bänder werden steifer und rigide; sie verlieren an Elastizität. Gelenke verschleißen und die Erneuerung von Zellen verlangsamt sich.

Wie kann man dem vorbeugen?

Man kann Alterungsprozesse beeinflussen, denn manche Fähigkeiten kann man lange hochhalten. Kraftsportarten kann man z. B. auch noch im Alter ausüben. Regelmäßige Bewegung, die z. B. auf die Dehnung von Sehnen und Bändern abzielt, hält diese elastisch. Welchen Einfluss Sport auf den Körper hat, kann man unmittelbar messen.  Führt man z. B. nach einer körperlichen Betätigung (z. B. Walking) eine Blutmessung durch, ist sofort ersichtlich, dass sich Bindegewebe aufgebaut hat.

Welche Vorteile haben ältere Menschen gegenüber jüngeren?

Bei älteren Menschen werden Vernetzungsmuster abgelegt, auf die schnell zurückgegriffen werden kann. Bei Leistungssportlern werden einmal erlernte und immer wieder abgerufene Techniken "abgelegt". Dies ermöglicht es Sportlern sogar, vorausschauend zu reagieren. Ein Judoka erkennt z. B. schon, was sein Gegner machen wird, an einer vorangehenden Handbewegung; ein guter Torwart interpretiert eine Bewegung und weiß im Regelfall, wohin der Schuss geht.

Welche Sportarten sind für ältere und alte Menschen empfehlenswert?

Ältere Menschen können fast jede Sportart ausüben; es gibt nur wenige Ausnahmen. Sie sollten sich allerdings keiner spezifischen Sportart zuwenden, sondern eher einer ausgewogenen, in der Ausdauer, Kraft und Koordination trainiert werden. Dies wäre als Prävention gegen Sturzsituation ideal. Spielsportarten eignen sich hier besonders; allerdings kein Zweikampf.

Stimmt es, dass Tanzen gegen Demenz hilft?

Beim Tanzen handelt es sich um einen komplexen Bewegungsablauf, der Muskulatur und das Gehirn in Anspruch nimmt. Da Bewegung grundsätzlich bei Demenz helfen kann, ist dies auch beim Tanzen der Fall.

Warum haben Ärzte und Wissenschaftler noch vor 20 Jahren älteren Menschen empfohlen, sich zu schonen und Kräfte zu sparen?

Wir wissen heute einfach mehr. Es gilt nach wie vor der Spruch: "Wer rastet, der rostet!"
Ältere Menschen brauchen nach einer körperlichen Belastung nur länger, um sich zu regenerieren und die Phasen für eine Regeneration müssen gut gewählt werden. Hierbei spielt auch die Art der Belastung eine entscheidende Rolle. Hat man z. B. eine anstrengende Bergwanderung hinter sich, so dienen ausgleichende Bewegungen im Wasser schon als "Regeneration".

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