Bojana Golenac im Interview

"Melli nimmt die Realität oft ziemlich verschoben wahr."

Melli (Bojana Golenac) bemerkt beim Angeln mit André (Joachim Lätsch), dass sie keine Tabletten mehr hat.
Melli bemerkt beim Angeln mit André, dass sie keine Tabletten mehr hat.

Wie entscheidest du vor dem Dreh einer Szene, ob Mellis Verhalten Teil ihres Krankheitsbildes oder einfach Teil ihres Charakters ist?

Unsere Regisseure unterstützen mich in dieser Hinsicht sehr. Es war mir von Anfang an sehr wichtig, dass ich nicht nur die manische, überdrehte und oft skurrile Seite meiner Rolle vor der Kamera zeige. Erstens wären die Zuschauer nach einiger Zeit komplett überfordert und zweitens ist die Manie ja nur ein Teil von Mellis Krankheitsbild.

Welche Situationen im Leben sind für Melli eine besondere Herausforderung?

Das können ganz kleine, für gesunde Menschen völlig unbedeutende Momente sein. Ich kann mich an eine Szene erinnern, in der Melli einen Arzttermin ausmachen wollte und durch eine Anrufbeantworter-Ansage erfahren hat, dass ein Kollege die Termine ihres Arztes übernehmen wird. Von außen betrachtet mag es hysterisch wirken, dass Melli auf diese Nachricht hin in Tränen ausbricht – aber für sie geht in diesem Moment wirklich die Welt unter.

Wäre es dir manchmal lieber, Melli hätte eine fiktive Krankheit?

Nein, definitiv nicht! Es gibt viele manisch depressive Menschen, ich möchte zeigen, dass man keine Angst vor ihnen haben muss.

Wie sehr fühlst und leidest du privat mit deiner Rolle mit?

Ich ertappe mich dabei, dass ich mich manchmal ähnlich wie Melli verhalte. Diese Rolle ist für mich als Schauspielerin ein großes Geschenk: Denn eine Figur mit Problemen hat viel zu erzählen! Aber ich bin sehr froh, dass mein Privatleben im Gegensatz zu Mellis Leben ruhig und unanstrengend ist.

Clara (Jeannine Wacker, h.) macht sich Sorgen um die Gesundheit ihre Mutter Melli (Bojana Golenac).
Clara macht sich Sorgen um die Gesundheit ihre Mutter Melli.

Welche Charakterzüge magst du an deiner Figur?

Melli mag auf den ersten Blick ziemlich unberechenbar wirken – aber sie tut alles aus einer guten Intention heraus. Darüber hinaus liebe ich ihre spontanen, verrückten Einfälle – und ich bewundere sie dafür, wie sie trotz aller Widrigkeiten ihre Tochter Clara zu einer selbstständigen und selbstbewussten jungen Frau erzogen hat.

Was wünschst du dir im Hinblick auf die Weiterentwicklung der Geschichten rund um deine Figur?

Ich glaube, es ist wichtig, dass Melli bald wieder medikamentös richtig eingestellt ist – aber sie muss unbedingt so chaotisch und verplant bleiben, wie sie es gerade ist! Und sie muss lernen, dass sie nicht jede ihrer Handlungen mit ihrer Krankheit entschuldigen kann.

Das Interview führte Lena Kettner für DasErste.de.

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