SENDETERMIN Mi, 10.05.17 | 22:45 Uhr | Das Erste

Beethoven oder Burka – Braucht Deutschland eine Leitkultur?

Beethoven oder Burka – Braucht Deutschland eine Leitkultur? | Video verfügbar bis 10.05.2018

Die zehn Thesen von Innenminister Thomas de Maiziére zur Leitkultur sorgen für Streit: soll etwa die neue Leitkultur-Diskussion den Rechtspopulisten im Wahljahr ihr Thema und ihre Wähler abspenstig machen? Oder geht es wirklich um Integration? Ist es in einer Umbruchzeit mit mehr Zuwanderung und einem wachsenden Nationalismus in Europa wichtig, über eine Leitkultur zu sprechen? Und wer muss Leitkultur lernen? Etwa nur die Migranten, nur die Muslime? Oder brauchen auch die sogenannten "Bio-Deutschen" Nachhilfe in "Leitkultur", wenn es z.B. um Themen wie Toleranz und Gerechtigkeit geht?

Joachim Herrmann, CSU (Bayerischer Innenminister)

Joachim Herrmann
Joachim Herrmann

Der CSU-Spitzenkandidat für den Bundestag unterstützt die Thesen von Thomas de Maizière: "Wohin falsch verstandene Liberalität führen kann, zeigt Frankreich mit deutlich erstarkten Rechtsextremen einerseits und andererseits unhaltbaren Zuständen in sogenannten No-Go-Areas in Vororten von Paris." Der bayerische Integrationsansatz baue auf eine starke Verpflichtung zur deutschen Leitkultur. Multikulti hingegen sei gescheitert: "Nur mit den festen Leitplanken einer deutschen Leitkultur kann die Integration in Deutschland dauerhaft funktionieren", sagt Joachim Herrmann.

Sawsan Chebli, SPD (Berliner Staatssekretärin)

Sawsan Chebli
Sawsan Chebli

"Die 10 Thesen von Thomas de Maizière zur Leitkultur sind gefährliche Stimmungsmache gegen Muslime. Kein Wahlkampf rechtfertigt das. Die Leitkultur schließt Menschen aus. Deutschland ist für mich so viel weiter", kritisiert die SPD-Politikerin. Die gebürtige Berlinerin mit palästinensischen Wurzeln ist gläubige Muslima und fordert: "Wir dürfen die Integrationsdebatte nicht mit der Diskussion über Muslime und Islam oder Religion insgesamt vermengen. Für mich und für die allermeisten Muslime gilt das Grundgesetz ohne Wenn und Aber".

Motsi Mabuse (Profi-Tänzerin und Schauspielerin)

Motsi Mabuse
Motsi Mabuse

Die RTL-Jurorin ("Let´s dance") zeigt sich erschreckt über eine zunehmende Fremdenfeindlichkeit in Deutschland: "Das Klima für Ausländer in Deutschland wird rauer. Die Stimmung ist ungesund für uns alle. Es tut mir weh, dass es so viel Rassismus gibt", sagt Motsi Mabuse, die in Südafrika aufwuchs und im Jahr 2000 als 18-Jährige nach Deutschland kam. Fremdenfeindlichkeit beobachte sie im Alltäglichen und im Internet. Die immer stärker werdende rechte Bewegung in Europa mache ihr Angst.

Hans-Ulrich Jörges ("Stern"-Autor)

Hans-Ulrich Jörges
Hans-Ulrich Jörges

"Immer der gleiche Flachsinn" – so nennt der Journalist die erneute Debatte um die deutsche Leitkultur. Der Bundesinnenminister habe sich "einen 17 Jahre alten Hut aufgestülpt". Das Mitglied der "Stern"-Chefredaktion kritisiert die Ansammlung von islamkritischen Klischees wie  "Wir geben uns in Deutschland die Hand", "Wir sind stolz auf unsere Leistung" oder "Wir sind nicht Burka" – was man ebenso gegen Muslime sage.

Birgit Kelle (Publizistin)

Birgit Kelle
Birgit Kelle

"Die Diskussion über Leitkultur ist überfällig. Integration heißt ja, sich einzufügen – und wer hier herkommt, muss sich einfügen", sagt die Publizistin. Die Deutschen hätten wegen ihres historischen Erbes ein großes Problem mit Patriotismus und Nationalstolz, müssten aber für die vielen Neuankömmlinge genaue Regeln definieren, wie das Zusammenleben gestaltet werden soll, meint Birgit Kelle. "Es ist falsch, den Migranten nichts abzuverlangen. Wer beispielsweise einer Lehrerin in der Schule den Handschlag verweigert, hat ein Integrationsproblem."

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