SENDETERMIN Do, 23.03.17 | 00:00 Uhr | Das Erste

Cannabis und Kokain: Sollen Drogen freigegeben werden?

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Cannabis und Kokain: Sollen Drogen freigegeben werden?

Trotz globaler Drogenverbote nehmen nach UN-Schätzungen weltweit fast 250 Millionen Menschen illegale Substanzen. Für Produzenten und Händler ist das ein Milliardengeschäft. Politiker wie Kofi Annan erklären den "Krieg gegen die Drogen" für gescheitert. Der Ex-UN-Generalsekretär fordert: "Wir müssen den privaten Drogenkonsum entkriminalisieren und die totale Unterdrückung der Drogen aufgeben." Eine drogenfreie Welt sei eine Illusion. Statt Verboten solle wie beim Tabak über Gesundheitsrisiken aufgeklärt werden. Müssen wir neue Wege in der Drogenpolitik gehen? Oder ist die Legalisierung von Drogen verantwortungslos?

Jenke von Wilmsdorff (Fernsehreporter)

Jenke von Wilmsdorff
Jenke von Wilmsdorff

In seiner umstrittenen Doku-Reihe "Das Jenke-Experiment" testete der Journalist im Selbsttest harte Drogen wie LSD unter ärztlicher Aufsicht. "Jede Droge hat ein Spaßpotential, sonst würden die Menschen es nicht nehmen. Doch man bezahlt den Glücksrausch teuer", bilanziert der RTL-Reporter. Die restriktive Drogenpolitik der Bundesregierung hält Jenke von Wilmsdorff für wenig sinnvoll: "Die Diskussion um Drogen muss anders geführt werden. Nur Verbieten und Bestrafen ist der völlig falsche Weg."

Melanie Huml, CSU (Bayer. Gesundheitsministerin)

Melanie Huml
Melanie Huml

Die CSU-Politikerin warnt vor den Gefahren durch Drogenkonsum. Besonders die Debatte um Legalisierung von Cannabis zu Genusszwecken sei verantwortungslos, so die Gesundheitsministerin. "Unerfahrenheit und Neugier junger Menschen können fatale gesundheitliche Folgen haben", unterstreicht die Ärztin. Eine Entkriminalisierung des Drogenkonsums hält die CSU-Politikerin generell für falsch: "Der Staat muss Repressionen setzen und Drogen nicht zum Geschäftsmodell machen."

André Schulz (Bund Deutscher Kriminalbeamter)

André Schulz
André Schulz

"Der Krieg gegen Drogen ist verloren. Die aufwändige und ressourcenintensive Arbeit der Polizei ist weder besonders effektiv noch zielführend", sagt der Kriminalhauptkommissar. Denn noch nie hätten weltweit so viele Menschen illegale Substanzen konsumiert wie heute. Der BDK-Bundesvorsitzende fordert deshalb ein Umdenken in der Drogenpolitik und setzt sich unter anderem für eine Entkriminalisierung der Konsumenten ein.

Jörg Böckem (Journalist und Ex-Junkie) 

Jörg Böckem
Jörg Böckem

"Keine Droge führt auf direktem Weg in die Abhängigkeit. In den ersten Jahren waren meine Rauscherfahrungen großartig, überwältigend. Warum sollte ich mir etwas so Faszinierendes madig machen?" So beschreibt der ehemalige Heroinabhängige seinen Weg in die Sucht. Während er als Journalist Karriere beim "Spiegel" machte, setzte er sich täglich heimlich auf der Redaktionstoilette eine Spritze. Jörg Böckem, der seit 16 Jahren clean ist, plädiert für die Entkriminalisierung von Abhängigen: "Kein Süchtiger lässt sich von Verboten abschrecken. Statt Strafverfolgung brauchen wir Aufklärung über Wirkungen und Risiken."

Werner Bartens (Medizinjournalist)

Werner Bartens
Werner Bartens

"Jede noch so kleine Dosis einer Droge ist potenziell schädlich", sagt der Wissenschaftsjournalist. Das gelte für Kokain genauso wie für Alltagsdrogen: "Das Nikotin weniger Zigaretten kann die Mutation auslösen, die nach Jahren zum Krebs führt." Die Wahrscheinlichkeit für bleibende Schäden sei aber bei häufigem Gebrauch und hoher Dosis höher, weiß der Mediziner. Aber: Welches ist die schädlichste Droge? Welcher Stoff macht am schnellsten abhängig? Und beeinträchtigt Cannabis die Intelligenz?

Sabrina Kästner (war Crystal-Meth-süchtig)

Sabrina Kästner
Sabrina Kästner

Die zweifache Mutter war viele Jahre abhängig von Crystal Meth. "Das erste Mal war eine sehr eindrucksvolle Erfahrung. Die Droge war leistungssteigernd, und man hat sich keine Sorgen mehr um Alltagsprobleme gemacht." Doch bald drehte sich alles nur noch darum, neuen Stoff zu besorgen. "Es gab mehrere Situationen, in denen meine Kinder gefährdet waren. Ich hatte mehr als einen Schutzengel." Selbst als das Jugendamt ihre Kinder in Obhut nahm, war sie nicht bereit, ihr Leben zu ändern. Erst als sie finanziell ruiniert war, Familie und Freunde sich von ihr abgewendet haben, zog sie die Reißleine und kämpft sich durch den Entzug.

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