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Trump, Le Pen & Co: Sind die Nationalisten entzaubert?

Trump, Le Pen & Co: Sind die Nationalisten entzaubert? | Video verfügbar bis 03.05.2018

Lange hielt der Aufstieg der Populisten die Welt in Atem. Mit Donald Trump schaffte es einer von ihnen an die Spitze einer Regierung. Sein patriotischer Schlachtruf "America First" erschütterte die politische Weltordnung. Nach 100 Tagen im Amt als amerikanischer Präsident fällt die Bilanz zwiegespalten aus. Viele der Ankündigungen konnte er nicht umsetzen, bei manchen Positionen hat er gar eine 180-Grad-Kehrtwende gemacht. Donald Trumps einfache Rezepte scheinen nicht aufzugehen. Und in der Folge könnte der Zuspruch für Europas Populisten weiter schwinden.

Thomas Roth (ehemaliger ARD-Korrespondent)

Thomas Roth
Thomas Roth

Der langjährige Russland- und Amerika-Korrespondent nennt die ersten 100 Tage der Amtszeit von Donald Trump ein Desaster. Nichts von dem, was der US-Präsident durchsetzen wollte, sei eingetreten. Der Ex-"Tagesthemen"-Moderator zieht Parallelen zu den populistischen Versprechen von Marine Le Pen in Frankreich. Die Stichwahl am nächsten Sonntag sei noch längst nicht entschieden: "Siegt Le Pen, werden wir Europa nicht wiedererkennen. Im Dreieck Trump, Putin und eines zerfallenden Europas halte ich die Zukunft für äußerst bedenklich. Möglicherweise geraten wir sogar in militärische Konflikte."

Gregor Gysi, Die Linke (Präsident der Europäischen Linken)

Gregor Gysi
Gregor Gysi

Der langjährige Oppositionsführer der "Linken" im Bundestag kritisiert Trumps Militärschlag gegen Syrien und dessen Unterstützung durch die Bundeskanzlerin. Sie habe den amerikanischen Präsidenten damit bestärkt, völkerrechtswidrig den Weltpolizisten zu geben. "Mit ihrer duckmäuserischen Haltung macht Angela Merkel Deutschland zum Vasallen der USA", sagt der Präsident der Europäischen Linken.  

Anja Kohl (ARD-Börsenexpertin)

Anja Kohl
Anja Kohl

Die Finanzjournalistin stellt Trump nach 100 Tagen ein mageres Zeugnis aus. "Die Liste der unerfüllten Versprechungen ist lang." Auch die Hoffnungen der Börse auf Steuersenkungen und höheres Wachstum haben sich laut der ARD-Expertin zerschlagen. "Seit die Steuerpläne vorgestellt wurden, scheint die Trump-Euphorie wie weggeblasen. Was Trump als historische Reform verkauft, sind halb gare Steuerpläne, die ohne horrende neue Schulden nicht finanzierbar sind."

John Kornblum (ehemaliger US-Botschafter in Deutschland)

John Kornblum
John Kornblum

Der frühere US-Diplomat hält die Kritik an Donald Trump für überzogen: "Die Deutschen sehen Amerika immer kritisch und wenn Amerika nicht genau so ist, wie Deutschland es sich wünscht, ist das gleich ein Weltuntergang." John Kornblum, der von Bill Clinton als Botschafter 1997 nach Deutschland entsandt wurde, verteidigt den Luftschlag gegen das Assad-Regime in Syrien und hofft, dass Nordkorea diese Intervention als ein Warnzeichen verstehe. 

Markus Feldenkirchen (Spiegel-Autor)

Markus Feldenkirchen
Markus Feldenkirchen

Der ehemalige USA-Korrespondent hält den amerikanischen Präsidenten wegen seiner Unberechenbarkeit  für gefährlich. In der Auseinandersetzung zwischen Nordkorea und den USA könne "man nur beten, dass es rund um Donald Trump genügend Berater und Militärs gibt, die weniger dünnhäutig sind und deren Philosophie nicht auf dem Prinzip der 15-fachen Vergeltung beruht", warnt Markus Feldenkirchen.

Roger Köppel (Schweizer Publizist und Politiker)

Roger Köppel
Roger Köppel

Trumps Wahl sei eine heilsame Erschütterung gewesen, meint der Politiker der nationalkonservativen "Schweizerischen Volkspartei" (SVP). Der US-Präsident habe es geschafft, die Tabuthemen der letzten Jahre – illegale Einwanderung, Islam, offene Grenzen – auf die Agenda zu bringen: "Viele haben gedacht, er werde ein alleinregierender Diktator. Doch in seinen ersten hundert Tagen hat er ein gutes Team zusammengestellt und herkömmliche konservative Politik gemacht", sagt der "Weltwoche"-Herausgeber. Gemessen an der Hysterie, die um seinen Wahlsieg gemacht wurde, falle Donald Trumps Bilanz als Präsident bislang nicht schlecht aus

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