SENDETERMIN Di, 23.10.12 | 22:45 Uhr

Lotto, Poker, Automaten: Wenn Glücksspiel zum Fluch wird

Carlo von Tiedemann (Fernsehmoderator)

Carlo von Tiedemann (Bild: WDR/ Max Kohr)

Carlo von Tiedemann

"Ich war immer ein Low-Budget-Spieler. Aber dann hat mich der Teufel geritten." An einem einzigen Abend verlor der junge Carlo von Tiedemann seine gesamten Ersparnisse beim Roulette. Für den Moderator, der mit ausgedehnten Streifzügen durchs Nachtleben, einem Drogenskandal und Geldschulden immer wieder Schlagzeilen machte, gab es nur einen Ausweg: "Ich habe mich ein Leben lang für Spielcasinos sperren lassen, sonst wäre das immer so weiter gegangen."

Andrea Franke (Ehemalige Spielsüchtige)

Andrea Franke (Bild: WDR/ Max Kohr)

Andrea Franke

Aus Langeweile steckte die Bürokauffrau eine Mark in einen Spielautomaten – und hatte neun Jahre später mehr als 80.000 Mark verzockt: "Ich habe lange nicht realisiert, dass ich spielsüchtig bin. Ich war unglücklich, wollte mich ablenken und in der Spielhalle waren alle nett zu mir." Ihre Sucht finanzierte sie mit Krediten und Diebstählen in der Familie: "Kein Portemonnaie war vor mir sicher, ich habe Schecks gefälscht und gelogen." Mittlerweile ist Andrea Franke seit 14 Jahren "spielfrei" und betreibt ein Selbsthilfeforum gegen Spielsucht.

Paul Gauselmann (Spielautomaten-Unternehmer)

Paul Gauselmann (Bild: WDR/ Max Kohr)

Paul Gauselmann

Den Vorwurf, dass die Automaten in seinen Spielhallen spielsüchtig machen, lässt sich der Fabrikant nicht gefallen. "Kranke Spieler gibt  es, aber die sind nicht unsere Klientel", sagt Paul Gauselmann, der mit seinem Firmenimperium (u. a. 200 Spielotheken und 150 Casinos im Ausland) einen Jahresumsatz von über 1 Milliarde Euro erzielt.

René Schnitzler (Spielsüchtiger Ex-Fußballprofi)

René Schnitzler (Bild: WDR/ Max Kohr)

René Schnitzler

Über acht Jahre lang führte der junge, hochtalentierte Bundesligaprofi ein Doppelleben: Tagsüber auf dem Fußballplatz, erst für Borussia Mönchengladbach, dann für den FC St. Pauli, nachts verspielte er als Zocker sein Geld im Casino, beim Roulette, am Pokertisch oder an Spielautomaten. Der heute 27-Jährige (Buch: "Zockerliga: Ein Profi packt aus") geriet ins kriminelle Rotlichtmilieu und machte trotz eines satten Profi-Gehalts hohe Spielschulden.

Dr. Monika Vogelgesang (Chefärztin)

Dr. Monika Vogelgesang (Bild: WDR/ Max Kohr)

Dr. Monika Vogelgesang

Mehr als 400.000 Glücksspielsüchtige "daddeln" heute in Deutschlands Spielhallen, schätzt die Leiterin der größten Klinik zur Behandlung von krankhafter Spielsucht. Kriminalität, kaputte Beziehungen, der Verlust des Arbeitsplatzes und die Privatinsolvenz sind häufig die Folge. Das Ziel der Therapie sei absolute Abstinenz, sagt die Ärztin: "Denn wer einmal süchtig war, ist niemals vor einem Rückfall gefeit."

Petra und Hans-Joachim Bubert (Lotto-Millionäre)

Petra und Hans-Joachim Bubert (Bild: WDR/ Max Kohr)

Petra und Hans-Joachim Bubert

1994 erfüllt sich für das Ehepaar der Traum, den Millionen Deutsche träumen: Sie gewinnen im Lotto. Mit knapp acht Millionen Mark ist die junge Familie aller Sorgen ledig. Doch nur für einen kurzen Moment, denn "mit dem Geld kamen die Tränen", so das nüchterne Fazit knapp 20 Jahre nach ihrem Gewinn. Der plötzliche Reichtum brachte kein Glück, im Gegenteil: Neider und Bittsteller brachten die Buberts an den Rand der Verzweiflung und des Ruins.

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