Di, 18.09.12 | 22:45 Uhr
SENDETERMIN Di, 18.09.12 | 22:45 Uhr
Muslime verhöhnt, Botschaften brennen – Wie gefährlich ist dieser Zorn für uns?
Ein in den USA gedrehter Film, der im Internet den Propheten Mohammed verhöhnt, empört die islamische Welt: Gläubige Muslime protestieren von Tunesien, Ägypten, Sudan bis nach Bangladesch. Der libysche US-Botschafter wird bei einem Anschlag getötet. Fanatiker setzen westliche Botschaften in Brand. Sind die Hoffnungen des Westens in den arabischen Frühling geplatzt? Und kann der Proteststurm auf Deutschland übergreifen?
Die Gäste der Sendung:
Peter Scholl-Latour
Peter Scholl-Latour (Bestsellerautor)
Der Publizist hält es für den großen Irrtum des Westens, "nach dem Sturz der arabischen Despoten plötzlich westliche Demokratien mit Menschenrechten und Meinungsfreiheit in diesen Ländern" erwartet zu haben. "Dieser sogenannte arabische Frühling hat den Nahen Osten, der ohnehin einem Pulverfass gleicht, komplett destabilisiert", glaubt Peter Scholl-Latour. "Dazu kam jetzt dieser blödsinnige Film, der in seiner Verunglimpfung des Propheten Mohammed weit über das hinausgeht, was man bislang gewohnt war."
Alice Schwarzer
Alice Schwarzer (Journalistin)
Deutschlands streitbarste Journalistin warnt seit vielen Jahren vor einer falschen Toleranz gegenüber einem aggressiven Islam. "Ein lange Zeit falsch geführter Dialog hat uns allen geschadet – dem Westen und in vielen Teilen der Welt dem Islam", sagt Alice Schwarzer ("Emma"), die sich für eine strenge Trennung von Gauben und Staat einsetzt. Zu häufig sei bei Konflikten weggesehen und geschwiegen worden – auch aufgrund von falsch verstandener Toleranz.
Barino Barsoum
Barino Barsoum (Ex-Islamist)
Im Alter von 18 Jahren konvertierte der Abiturient zum Islam. Täglich ging er in die Abu-Bakr Moschee in Köln, bekannt für ihre radikalen Tendenzen. Aus dem Muslim wurde bald ein Islamist. Nach fünf Jahren kehrte er dem islamischen Glauben den Rücken. Heute ist er Christ und sagt: "Es sind nicht allein die radikalen Islamisten, die gewaltbereit und intolerant sind. Gewalt ist im Islam – so steht es in den Quellen – ein legitimes Mittel."
Khola-Maryam Hübsch
Khola-Maryam Hübsch (Muslima)
"Es wird keinen Muslim geben, der durch diesen Film nicht geschockt wird. Nicht jeder muss islamische Werte teilen, aber es gibt eine klare Grenze, wann etwas volksverhetzend wird", kritisiert die Journalistin den Schmähfilm "Die Unschuld der Muslime". So würden antimuslimische Ressentiments befördert wie "Frauenunterdrückung" und "Gewaltbereitschaft".
Tarek Al-Wazir
Tarek Al-Wazir, B'90/DIE GRÜNEN (Fraktionsvorsitzender)
Der Fraktionschef der hessischen Grünen wehrt sich gegen die Vorverurteilung von Muslimen: "Die Leute, die Botschaften anzünden, sind eine radikale Minderheit. Man kann nicht sagen, das sind die Muslime." Der Sohn einer Deutschen und eines Jemeniten ist sich sicher, "dass es auch auf westlicher Seite Leute gibt, die auf Abgrenzung, Hass und Krieg aus sind".
Uwe Schünemann
Uwe Schünemann, CDU (Innenminister Niedersachsen)
Der Film sei "schäbig", urteilt Niedersachsens Innenminister. "Aber keine noch so schäbige Provokation rechtfertigt Anschläge, wie wir sie jetzt erlebt haben", sagt Uwe Schünemann. Angesichts der Verbreitung des Videos im Internet hält er es für schwierig, die Verbreitung des Films grundsätzlich zu stoppen. Natürlich müsse geprüft werden, ob der Film durch das Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt sei. Aber für ihn stehe fest: "Der Staat darf niemals auf Extremisten reagieren, indem er Grundrechte wie Meinungsfreiheit, Kulturfreiheit, Religionsfreiheit in irgendeiner Weise antastet. Das ist ja genau das, was Extremisten wollen."
