SENDETERMIN Di, 04.12.12 | 22:45 Uhr

Wer arbeitet, ist der Dumme?

Heidi Ralfs (Putzfrau)

Heidi Ralfs (Bild: ARD/ Max Kohr)

Heidi Ralfs

"Wer nicht arbeitet, wird unglücklich. Ohne Stress läuft der Motor nicht", meint die 58-jährige Flensburgerin. Nach fast fünf Jahren in der Arbeitslosigkeit fand Heidi Ralfs eine Anstellung als Reinigungskraft. Obwohl sie jede Nacht arbeitet und nur etwas mehr als den Mindestlohn für Gebäudereiniger verdient, hat sie am Monatsende kaum mehr als ein Hartz IV-Empfänger. Trotzdem ist sie stolz: "Es geht nicht nur um Geld, es geht auch um Anerkennung."

Ralph Boes (Hartz-IV-Empfänger)

Ralph Boes (Bild: ARD/ Max Kohr)

Ralph Boes

"Ich arbeite rund um die Uhr – und trotzdem werde ich vom Jobcenter aufs Schärfste sanktioniert", sagt der ehemalige Manager einer Berliner Seniorenresidenz, der seit etwa sechs Jahren von Hartz IV lebt. Arbeitsstellen, die ihm das Jobcenter vermittelt, lehnt Ralph Boes mit der Begründung ab, er arbeite in Vollzeit ehrenamtlich in einer Initiative für bedingungsloses Grundeinkommen. Hartz IV hält der Berliner für verfassungswidrig, weil es "Zwangsarbeit" begünstige. Deshalb kämpfe er dagegen an: "Ich bin kein Arbeitsverweigerer, nur weil ich kein Geld für meine Arbeit bekomme. Der Staat muss zulassen, auch ehrenamtliche Arbeit als Arbeit aufzufassen, sonst landen wir in der Sklaverei", so Boes.

Markus Söder, CSU (Bayer. Finanzminister)

Markus Söder (Bild: ARD/ Max Kohr)

Markus Söder

"Wer arbeitet, muss mehr in der Tasche haben als derjenige, der nicht arbeitet. Leistung muss sich lohnen." Das steht für den bayerischen Finanzminister fest. Markus Söder verteidigt zudem harte Sanktionen gegen Hartz-IV-Empfänger, die Arbeitsangebote ablehnen.

Katja Kipping, Die Linke (Parteivorsitzende)

Katja Kipping (Bild: ARD/ Max Kohr)

Katja Kipping

"Ist nur profitorientierte Erwerbsarbeit eine Leistung für die Gesellschaft?" Das bezweifelt die Linken-Chefin, die vielmehr die Leistung derjenigen lobt, die sich honorarfrei engagieren. Das solle sich unsere Gesellschaft auch etwas kosten lassen, so Katja Kipping, die ein bedingungsloses Grundeinkommen fordert. Außerdem solle jeder Berufstätige zwei staatlich finanzierte Jobpausen einlegen dürfen.

Gisela Muth (Unternehmerin)

Gisela Muth (Bild: ARD/ Max Kohr)

Gisela Muth

"Würde ich arbeitslos sein, wäre ich mir für keine Arbeit zu schade", sagt Gisela Muth. "Wer sich etwas leisten möchte, muss dafür auch etwas leisten", glaubt die Unternehmerin und lebt dieses Prinzip auch. Seit sechs Jahren produziert sie Luxuskosmetikartikel unter ihrem Namen. Die Idee eines Grundeinkommen überzeugt die Society-Lady nicht: "Dann können wir ja gleich alle in Rente gehen, wenn wir geboren werden. Wer will denn dann noch Geld verdienen?"

Heinrich Alt (Vorstand der Bundesagentur für Arbeit)

Heinrich Alt (Bild: ARD/ Max Kohr)

Heinrich Alt

Die Mehrheit der Deutschen hält Hartz IV-Empfänger für "wählerisch, unqualifiziert und arbeitsscheu". "Das ist ungerecht", kontert der Vorstand der Bundesagentur für Arbeit. "Nur die wenigsten machen es sich in der sozialen Hängematte gemütlich. Die Menschen wollen arbeiten!"

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