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24.05.2012

30 Jahre Videotext
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Meilensteine

 

Videotext-Tafel Wetter von 1977 (Bild: rbb) Bild vergrößern Bildunterschrift: Videotext-Tafel Wetter von 1977 ]

Eine kleine Geschichte des Videotextes

  • 1970In England beginnen erste Experimente, um digitale Informationen in ungenutzten Teilen des Fernsehsignals senden zu können. Dafür wird die Austastlücke des analogen Fernsehprogrammsignals genutzt, die nicht zum Transport von Bildinformationen benötigt wird. Die gesendeten Daten werden auf Empfängerseite mit Hilfe eines Decoders sichtbar gemacht. Vorteil ist die Gleichzeitigkeit von Text- und Bildinformation: Die Videotext-Tafeln können statt des laufenden Fernsehbildes oder darüber eingeblendet werden.
  • 1972Erste Testausstrahlungen bei der BBC, der British Broadcasting Corporation.
  • 1974Am 23. September 1974 startet das weltweit erste Teletext-Angebot unter dem Namen Ceefax. Es gibt acht Magazine mit je 100 Seiten, jede Seite hat 23 beschreibbare Zeilen mit je 40 Anschlägen. 96 Buchstaben und Zahlen sowie 128 grafische Elemente stehen zur Verfügung. Das Oracle-Verfahren, das die Konkurrenz ITV wenig später nutzt, basiert im Prinzip auf der gleichen Technik, ist zu Ceefax aber nicht kompatibel.
  • 1975Ceefax sendet erstmals eine Fernsehsendung mit Teletext-Untertiteln.
  • 1976BBC, ITV und die Hersteller von Fernsehgeräten formulieren eine gemeinsame Teletext-Spezifikation. Das in Deutschland genutzte Videotext-System arbeitet ebenfalls nach dieser, heute meist WST – World System Teletext – genannt.
  • 1977Auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin zeigen ARD und ZDF den Videotext dem Publikum. Er heißt nicht Teletext, weil es ein Angebot Teletex gibt, was zu ähnlich klingt. Die Deutsche Bundespost präsentiert den telefongestützten Bildschirmtext. Beide Dienste stoßen beim Bund der Deutschen Zeitungsverleger (BDZV) auf wenig Gegenliebe: Man sieht eine Konkurrenz für die Printmedien und kontert mit der Bildschirmzeitung.
  • 1978Erste Videotext-Ausstrahlungen werden in Deutschland getestet.
  • 1979Während der Internationalen Funkausstellung 1979 strahlen ARD und ZDF in Berlin ein Testprogramm aus: 75 Seiten in acht Magazinen. Ende des Jahres starten die Ministerpräsidenten Bernhard Vogel (CDU, Rheinland-Pfalz) und Johannes Rau (SPD, Nordrhein-Westfalen) in der Debatte um die Bildschirmdienste einen Vermittlungsversuch zwischen Fernsehanstalten und dem BDZV.
  • 1980Am 21. Januar 1980 geht der Österreichische Rundfunk ORF mit seinem Teletext-Angebot auf Sendung. Es ist der erste Teletext-Dienst, der südlich des Ärmelkanals angeboten wird. In Österreich setzt sich der international gebräuchliche Name Teletext auch durch.
  • 1980Am 1. Juni beginnen ARD und ZDF mit dem bundesweiten Videotext-Feldversuch. Die gemeinsame Redaktion hat ihren Sitz beim Sender Freies Berlin (SFB). Mit dem BDZV wurde kurz vor dem Start eine Einigung erzielt: Fünf überregionale Tageszeitungen liefern eine Pressevorschau zu, die auf 15 Tafeln im Videotext erscheint. Insgesamt umfasst das Programm 75 Seiten. Gesendet wird Montag bis Donnerstag von 16 bis 23 Uhr, Freitag bis Sonntag von 15 bis 23 Uhr. Ab 9 Uhr läuft eine Schleife mit einer Auswahl von Seiten aus dem Programm. Leiter der Redaktion ist Alexander Kulpok.
  • 1982Der Testbetrieb – als Dauer waren ursprünglich zwei Jahre mit einem optionalem dritten vorgesehen – wird zum ersten Mal verlängert. Das geschieht in den nächsten Jahren noch mehrfach, teilweise nur um ein halbes Jahr.
  • 1983Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) geht am 3. Januar als erste Landesrundfunkanstalt mit einem regionalen Teletextangebot in seinem Dritten Programm auf Sendung. Zwischen 1983 und 1992 folgen schrittweise die anderen Regionalprogramme. 3sat und Arte starten 1990 beziehungsweise 1992 mit eigenen Diensten.
  • 1985Mit der Funkausstellung beginnt in ARD und ZDF die Ausstrahlung des sogenannten VPS-Signals, mit dem sich Video-Recorder so programmieren lassen, dass die Aufnahme auch verschobener Sendungen erst mit deren Start beginnt.
  • 1988SAT.1 ist der erste Privatsender in Deutschland, der ein Teletext-Angebot startet. RTL folgt im August 1992 und Pro 7 im Juli 1994.
  • 1990Nach 10 Jahren Feldversuch geht das bundesweite Videotext-Angebot von ARD und ZDF in den Regelbetrieb über. Damit endet auch die Kooperation mit dem BDZV. Die tägliche Sendezeit des Videotexts mit inzwischen rund 400 Seiten wird stark ausgeweitet. Nach 9 Uhr und 7 Uhr rückt der Redaktionsstart schließlich auf 5 Uhr morgens vor, Redaktionsschluss ist 3 Uhr. Sendefreie Zeiten des Fernsehprogramms werden mit "Videotext für alle" gefüllt: Seitenschleifen mit aktuellen Nachrichten, die im normalen Fernsehprogramm gezeigt werden.
  • 1996Videotext experimentiert mit dem Level 2.5. Aus zwei Gründen setzt sich die Neuerung nicht durch: Die Editiersoftware ist zu kompliziert für den alltäglichen redaktionellen Einsatz, zudem setzen sich die Level-2.5-Decoder am Markt nicht durch.
  • 2000ARD und ZDF lösen die gemeinsame Videotext-Redaktion auf. Am 1. Januar geht Das Erste mit seinem ARD Text ins neue Jahr, das ZDF bietet seinen Zuschauern seinerseits ebenfalls ein eigenes Videotext-Angebot.
  • 2003Sabine Wahrmann übernimmt im November die Leitung des ARD Texts vom langjährigen Chef, Alexander Kulpok.
  • 2004Die Redaktion des ARD Texts zieht von Berlin nach Potsdam. Der SFB war im Jahr zuvor mit dem Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg (ORB) zum Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) fusioniert.
  • 2005Der Videotext der öffentlich-rechtlichen Programme ARD und ZDF feiert seinen 25. Geburtstag.
  • 2008Der ARD Text wird auf die Digitalkanäle Einsfestival und EinsPlus ausgespielt. Dazu werden die Übersichten auf Seite 100 an den Programmschwerpunkt der beiden Kanäle angepasst.
  • 2008Frauke Langguth wird am 1. Mai die dritte Leiterin des ARD Texts.
  • 2009ARD Text zeigt auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin einen HbbTV-Prototypen für den Videotext der Zukunft. Der neue Standard für Hybrid Broadcast Broadband TV verbindet Sendesignal und Internetinhalte.
  • 2010Am 1. Juni feiern die Videotexte von ARD und ZDF ihren 30-jährigen Geburtstag.

Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW