Rückschau: Philippinen
Deutsche im Abschiebeknast
Sendeanstalt und Sendedatum: WDR, Sonntag, 6. September 2009

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Manila, Freitag, kurz nach acht. Ein Hilferuf erreicht Alfred Lehnert.
Schon wieder wurde ein Deutscher verhaftet und ins Gefängnis der Ausländerpolizei geworfen: Robert Fuessl, ein hier lebender Pilot.
Camp Bagong Diwa. Riesige Polizeikaserne, Militärgefängnis – und seit Jahrzehnten ein Ort des Schreckens für viele Ausländer.
Jedes Mal, wenn sich Alfred Lehnert dem hinter Büschen, Baracken und einer Schießanlage verborgenen Gefängnis der Ausländerpolizei nähert, tauchen böse Erinnerungen auf: 12 Monate nahe am Verhungern. Ratten, Kakerlaken und Schlangen als Zellennachbarn.
Von 2003 bis 2004 war er hier eingesperrt. Seine philippinischen Schwiegereltern hatten ihn denunziert, um in den Besitz seiner Häuser zu gelangen. Lehnert war der erste Ausländer, der seine drohende Abschiebung auf juristischem Weg verhinderte.
Nach qualvollen Monaten wurde er vom obersten philippinischen Gerichtshof in allen Punkten freigesprochen. Seine Häuser verlor er trotzdem. Heute kämpft er für Ausländer, denen das gleiche Schicksal droht.
Mit Erlaubnis der Einwanderungsbehörde darf Lehnert den Knast besuchen. Jetzt fragt er sich bei Mitgefangenen durch, wo Robert Fuessl, der Pilot aus Niederbayern, untergebracht ist. Erst vor kurzem hatte er ihn nach sechswöchiger Haft schon einmal hier herausgeholt. Robert Fuessl steht unter Schock:
Wieso er denn schon wieder verhaftet worden sei, will einer der Mitgefangenen wissen. Was soll Fuessl darauf antworten? Er weiß es selbst nicht!
Er persönlich werde den Piloten heute noch entlassen, hat der Boß der Einwanderungsbehörde versprochen. Robert Fuessl kann nur hoffen und warten.
Alfred Lehnert hat jedoch bereits den nächsten Termin: Einem australischen Geschäftsmann muß er noch vor dem Wochenende ein wichtiges Dokument überreichen, sonst droht diesem das gleiche Schicksal wie dem deutschen Piloten.
Jonathan Bentley-Stevens investierte sieben Millionen Dollar in eine Möbelfabrik. Er beschäftigte 300 Leute und exportierte in alle Welt. Dann ließ ihn seine philippinische Freundin mit Hilfe korrupter Anwälte ins Gefängnis werfen. Ein Deutscher gab ihm Lehnerts Telefonnummer. In letzter Sekunde konnte der Mann von der Waterkant die Abschiebung des Australiers verhindern. An diesem Tag überreicht er ihm das druckfrische Gerichtsurteil.
Seine Ex-Geliebte hat ein beeindruckendes Vorstrafenregister. Jonathan kann nicht fassen, wieso er sich von dieser Frau um sein gesamtes Vermögen bringen ließ.
„Eine einzige Person die es auf alles abgesehen hat, was dir gehört, bringt dich in die schlimmste Lage, die man sich überhaupt vorstellen kann!“
Alfred Lehnerts Handynummer ist inzwischen unter ausländischen Geschäftsleuten und Rentnern so begehrt, dass er ein mobiles Beratungsbüro eingerichtet hat: FAC – Foreign Assistance Center. Lehnert verlangt kein Honorar. Einige der von ihm Befreiten zeigen sich erkenntlich, andere haben alles verloren.
Der sturköpfige Deutsche weiß, dass er sich in den letzten 5 Jahren mächtige Feinde gemacht hat.
Es ist kurz vor 17 Uhr. Wo bleibt der Chef der Einwanderungsbehörde?
Wenn Commissioner Libanan, nicht bald in Bagong Diwa auftaucht, muß Robert Fuessl nicht nur diese Nacht, sondern das ganze Wochenende im Gefängnis verbringen! Es scheint so, als habe er sich damit abgefunden, dass längst Teil zwei seines Albtraums begonnen hat.
Alfred Lehnert ist zurück. Unterwegs hat er recherchiert und erfahren, wer hinter Fuessls Verhaftung steckt: Dieselbe Nachbarin, der es vor ein paar Wochen schon einmal um ein Haar gelungen wäre, den Piloten ausweisen zu lassen. Das Motiv: Persönliche Rache!
Libanan hat Lehnert versprochen, Fuessl die Nacht im Gefängnis zu ersparen.
Lehnert erkundigt sich beim Commissioner vorsichtshalber noch einmal per SMS nach dem Stand der Dinge. Aber Marcelino Libanan meldet sich nicht!
Was ist, wenn er kurzfristig zu einen Termin in den Präsidentenpalast gerufen wurde? Ein Gedanke, den Lehnert dem Piloten lieber vorenthält…!
„Fuessl ans Tor kommen!“ ruft einer der Wärter. Endlich tut sich was!
Es ist 18 Uhr. Commissioner Libanan hat Wort gehalten. Nach zehn Stunden kommt Robert Fuessl aus dem Gefängnis frei!
Marcelino Libanan ist seit Mai 2007 Chef der Einwanderungsbehörde. Er hat der Willkür gegenüber Ausländern den Krieg erklärt und will mit Fuessls persönlicher Freilassung ein Zeichen setzen: „Die alten Zeiten, als unsere Behörde den Ruf eines Verbrechersyndikats hatte, sind endgültig vorbei“, sagt er.
Robert Fuessl genießt das Wiedersehen mit seiner Familie, und Alfred Lehnert kann aufatmen.
In Deutschland besaß Alfred Lehnert Häuser und große Autos. In Manila lebt er spartanisch. Aber er hat etwas gefunden, wofür es sich trotz aller Gefahren zu kämpfen lohnt.
Bericht Manfred Bölk
Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 06.09.2009. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

