DasErste.de - Springe direkt zu

Inhalt.
Hauptnavigation.
Weitere Inhalte.

12.03.2010

Fernsehen zum Anklicken
Weltspiegel

Hauptnavigation
  • aktuelle Seite: Informationssendungen
    • aktuelle Sendung: Weltspiegel
 
Inhalt

Rückschau: USA

Tod hinter Gittern

Sendeanstalt und Sendedatum: NDR, Sonntag, 10. Januar 2010

Innenansicht einer Justizvollzugsanstalt (Quelle: picture-alliance / maxpp)lupe Bildunterschrift: ]
Es ist das Ende der Freiheit - wer hier landet, der bleibt länger. Coxsackie, drei Autostunden nördlich von New York, ist ein Hochsicherheitsgefängnis. Beim Freigang im Hof sind die rostigen Hanteln der Renner. Im Leben draußen hatten sie noch ihre Waffen. Hier im Knast brauchen die Männer Muskeln, um sich zu behaupten.

"Lebenslänglich" bedeutet hier tatsächlich Haft bis zum Tod. Jeder dritte Gefangene ist über 50. Und ein hohes Alter ist kein Grund für Begnadigungen. Im gefängniseigenen Sterbehospiz liegen diejenigen Insassen, die keinen Schritt mehr allein schaffen. Schwestern kümmern sich um die Kranken. Doch die eigentlichen Sterbehelfer tragen Grün. Streng bewacht treten diese Insassen freiwillig ihre Schicht im Hospiz an, betreuen alte und schwer kranke Mitgefangene.

Dankbar für die Pflege

John sitzt wegen Mordes ein. Als er 18 war, brauchte er Geld für ein Auto und tötete seinen Chef - im Affekt, wie er sagt. Der alte Mr. Jones ist 89 und auch ein Mörder. Ihn plagen Gelbsucht, Blutarmut und ein Hüftschaden. John Henson: "Ich habe das Leben eines Menschen auf dem Gewissen. Und jetzt sehe ich, wie er hier gegen den Tod ankämpft. Dann denke ich: Oh Mann, genau das habe ich draußen jemandem angetan!" Sie reden viel, aber nicht darüber, warum sie im Knast sind - ein Tabu. Eddie Jones ist dankbar für die Zeit, die Jungs wie John Henson für ihn opfern, denn er weiß, dass sie das nicht unbedingt tun müssten. Sie seien freiwillig hier, um ihn zu besuchen und bei Laune zu halten.

Die Sicht auf das Leben verändert sich

Der Pflegejob im Hospiz bringt den Insassen 20 Cent pro Stunde. Darum geht es ihnen aber nicht. Die Arbeit im Sterbehaus ist bei den Häftlingen beliebt, weil sie ihnen viel zurückgibt. Und: Den Tod Anderer vor Augen zu haben, verändert die Sicht auf das eigene Leben. Die Männer werden von Pfarrern und Psychologen geschult. Edward hat einen Leberschaden im Endstadium. Er weiß, dass ihm nicht mehr viel Zeit bleibt. Am Sterbebett kommen sich die Häftlinge nah. Edward Pietro sagt: "Hier auf der Station kannst du du selbst sein, kannst dich ablenken. Denn der Knast ist ein Ort, wo du zwar in einem Raum voller Menschen bist - dich aber trotzdem einsam fühlst."

In Coxsackie sitzen über eintausend Häftlinge. Die Mehrheit von ihnen sind Sexualstraftäter. Und dann ein Hospiz für Mörder und Vergewaltiger? Die Justizbeamten empfanden das anfangs als eine Zumutung. Spätschicht im Hospiz: Die Wärter melden keine großen Vorkommnisse, keine Sterbefälle und kein Ärger mit den Häftlingen. Wer sich hier bewährt, für den legen die Beamten auch schon mal ein gutes Wort ein.

Knastleben macht wieder einen Sinn

Für Mr. Jones, den Ältesten auf der Sterbestation, ist es zu spät. Weil er mit 70 noch einen Mord begangen hatte, wird seine Strafe nicht gemildert. John, der junge Helfer, bekommt seine Chance auf Begnadigung frühestens im Jahre 2022. John Henson dazu: "Auch wenn ich nicht mehr rauskomme, würde ich das akzeptieren. Denn hier habe ich jetzt eine Aufgabe, zähle was als Person. Sogar innerhalb dieser Mauern."

Das Hospiz als Ausweg: Für die Einen macht das Knastleben wieder Sinn, für den Anderen ermöglicht es einen würdigen Tod hinter Gittern.

Beitrag: Anja Bröker, ARD-Studio New York

 

Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 10.01.2010. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW