Rückschau:
Das Wort zum Sonntag vom 14. Juni 2008,
gesprochen von Schwester Jordana Schmidt
Schwester Jordana Schmidt
Eine völlig ruhige Nordseeinsel, Sonne, Wind, Meer und Ruhe pur. Das war meine Ferienwelt in den letzten Wochen. Doch diese Ruhe wurde "ein bisschen" – nicht gestört – aber unterbrochen. Spätestens zu dem Zeitpunkt, als die EM begann.
Da tönten plötzlich zu den bestimmten Spielzeiten aus den Nachbarhäusern begeisterte Jubelrufe oder auch ein Stöhnen, wenn scheinbar ein Tor danebenging oder eine Chance vertan wurde. Spätestens da konnte ich mich diesem Fußballtrubel, auch der Begeisterung dafür, nicht mehr ganz entziehen. In den Restaurants wurde geworben: "Hier heute Abend live – das Fußballspiel wird übertragen". Und selbst die Deutsche Bahn hat auf der Rückreise die Fußball-Ergebnisse durchgegeben.
Auch in meinem Sonntagsgottesdienst, den ich auf der Insel besuchte, war Fußball kein Fremdwort. Da wurde nämlich von der Laola-Welle gesprochen. Einmal von der im Stadion, aber auch von der christlichen Laola-Welle. Das war mir völlig neu, eine christliche Laola-Welle, was ist das denn?
Der Pfarrer meinte das Halleluja, Halleluja – ein hebräisches Wort, das heißt: "Preiset, jubelt Gott", eine Begeisterung für Gott, die faktisch wie bei einer Laola-Welle die Arme nach oben reißt und Begeisterungsstürme ausrufen kann. Nicht unbedingt in unseren Kirchen, aber wenn ich auf andere Kulturen schaue, da ist da schon mal was von dieser Begeisterung zu spüren, die eben nicht klein macht und depressiv, sondern aufrichtet und uns quasi Flügel verleiht.
Damit wir aber in dieser Halleluja-Stimmung nicht abheben, sondern auch geerdet bleiben, gibt es einen Gegensatz dazu: das Amen. Amen ist auch hebräisch. Es heißt: "So sei es." Es ist eine Bekräftigung des Wirkens Gottes, das, was fest macht. Aber, das habe ich auf der Insel gelernt – scheinbar hat es auch eine Bedeutung für die Beduinen in der Wüste, es heißt: Zeltpflock. Der Pflock, der das Zelt bei den Sandstürmen auf der Erde hält, der Schutz gibt und der ganz tief in der Erde verwurzelt ist. Ein faszinierender Gedanke – so fest verwurzelt zu sein und trotzdem Flügel zu haben.
Und in dieser Spannung stehen wir – zwischen Geerdet sein und Wurzeln haben und Flügel in dem Wissen, wir haben Freiheit, wir können etwas bewegen, wir können etwas bewirken. Und wir sind eingeladen, Amen – und Halleluja – Menschen zu sein. Auch wenn Sie diese Worte vielleicht nicht benutzen, wenn sie Ihnen fremd sind, lassen Sie sich inspirieren von diesen kurzen, kleinen Worten, damit die Begeisterung aus den Fankurven sich in Ihr Leben überträgt. Und damit Sie durch das Amen geerdet sind und verhaftet bleiben, wenn Stürme des Lebens Sie vielleicht aus der Ruhe bringen oder die Mannschaft wie jetzt am Donnerstag das Spiel verliert.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine schöne Fußballzeit.

