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Doping und Radsport gehören, so scheint es unauflöslich zusammen. Auch in diesem Jahr erschütterten bereits mehrere Skandale die Radlerszene . W WIE WISSEN fragt nach: Was wird geschluckt und gespritzt und warum kommen die Doping-Fahnder dem Missbrauch so schwer auf die Spur? Und: Ist die diesjährige Tour de France eine saubere Tour?
Das härteste Radrennen der Welt. Jahr für Jahr werden die Profis schneller, das Spektakel immer größer. Die Tour de France fasziniert die Massen. Aber auch Dopinggeständnisse und Razzien in Mannschaftshotels prägen das Bild der Tour. Immer wieder packen Radprofis aus, zuletzt der Spanier Jesus Manzano, er trat eine ganze Lawine los: In seinem Team sei organisiertes Doping während der Tour an der Tagesordnung gewesen: Bluttransfusionen, Epo, Wachstumshormone.
Dr. Wolfgang Stockhausen kennt die Radszene schon seit Jahrzehnten. Der Mediziner betreut selbst einige Profis und sorgt sich um die Gesundheit der Sportler. Stockhausens bekräftigt die Geständnisse von Manzano. Das Doping habe massiv zugenommen, die Mittel seien wirkungsvoller geworden. Erythropoietin, kurz Epo, Wachstumshormone und Blutdoping spielten die entscheidenden Rollen.
Transfusionen von fremdem Blut erhöhen die Anzahl der roten Blutkörperchen. Die versorgen die Muskeln mit mehr Sauerstoff und das bringt mehr Leistung. Außerdem kann man mit mehr Blut länger härter fahren. Diesen Effekt nutzen wollte auch Jesus Manzano. Stockhausen warnt vor diesen Praktiken: "Jede Übertragung von Fremdeiweißen bedeutet die Gefahr eines anaphylaktischen Schocks der im Extremfall zum Tode führen kann."
Im Ausdauersport hatte sich eigentlich längst eine elegantere Methode durchgesetzt, um mehr Sauerstoff zu transportieren: Das Medikament Erythropoetin, kurz EPO. Mit Epo kann man auch viel ausdauernder am Limit fahren. Dr. Stockhausen über Epo: "Das Gefühl, das beschrieben wird, ist wie ein Gasgriff am Fahrrad. Das Gefühl der Anstrengung fehlt. Der Fahrer fährt zwei Gänge dicker und hat eine bessere Regeneration."
Es liegt an Doping-Jägern wie Professor Wilhelm Schänzer vom Institut für Biochemie in Köln, dass viele Sportler statt zur EPO-Spritze zur gefährlichen Blutkonserve greifen. EPO-Doping läßt sich inzwischen nämlich zweifelsfrei im Urin nachweisen – allerdings nur drei bis vier Tage nach der Gabe. EPO-Doping, das geht nur noch als massive "EPO-Kur" während der Trainingsphase, wo Kontrollen unwahrscheinlicher sind. Doch es bleiben andere Möglichkeiten, allerdings mit fatalen Folgen.
Ein Cocktail aus Wachstumshormonen und Insulin fördert die Zellteilung. Das bringt mehr Muskeln und mehr Leistung. Doch der Preis, den die Sportler dafür bezahlen müssen, ist hoch. Wolfgang Stockhausen warnt vor den Folgen: "Jede Zellteilung birgt in sich das Risiko einer Entartung. Das führt zu einem vermehrten Auftreten von Tumoren und zu einer kürzeren Lebenserwartung."
Viele ehemalige Radprofis kommen ohne Drogen nicht mehr zurecht und leiden an schweren Depressionen – und geraten so in einen Teufelskreis. Tragisches Beispiel, Marco Pantani. 1998 noch ganz oben, wurde er 1999 wegen des Verdachts auf Epo-Doping vom Giro ausgeschlossen. Für Marco Pantani war das der Anfang vom Ende, er starb im Februar 2004 an einer Überdosis Kokain.
Doping–Jäger Prof. Schänzer ist sich sicher: "Mit den klassischen Dopingmitteln, das ist nicht so einfach, da sind die Kontrollen schon zu abschreckend. Die Frage ist hier: Wie weit konnten sich die Athleten mit Hilfe von Dopingsubstanzen sich im Vorfeld schon Vorteile antrainieren? Ich glaube, dass bei der Tour nur Substanzen, die nicht nachweisbar sind, eine Rolle spielen. Wachstumshormone und Insuline."
Vermutlich werden die Radprofis auch dieses Jahr wieder ein bisschen schneller fahren.
Die Tour im Netz:
Die Tourseite der ARD
tour.ard.de
Infos zum Thema Doping:
Homepage des Dopinganalyselabors Köln
www.dshs-koeln.de/biochemie/
Sehr viele Infos der Sporthochschule Köln zum Thema
www.dshs-koeln.de
Aktuelle Dopingmeldungen
www.sportgericht.de
Internationaler Radverband
www.uci.ch
Nationale Anti-Doping Agentur
www.nada-bonn.de
Liste der verbotenen Substanzen
www.nada-bonn.de/haupt.html
Internationale Anti-Doping-Agentur
www.Wada.com
Infos rund ums Rennradfahren:
Homepage der Zeitschrift Tour
www.tour-magazin.de
Neuigkeiten rund um den Radsport
www.radsportnews.com
Neuigkeiten rund um den Radsport
www.radsportnews.de
Dieser Text gibt den Fernsehbeitrag vom 07.07.2004 wieder. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.