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Anfangs ist es nur ein Klumpen von Zellen, umspült von Fruchtwasser. Aber in den folgenden Wochen geschieht in der Gebärmutter der Schwangeren ein Wunder: aus dem Zellklumpen entsteht ein Mensch.
Einem unsichtbaren Bauplan folgend, verändert sich der Zellhaufen sehr schnell.
Er wächst schnell, jeden Tag um gut einen Millimeter. Langsam beginnen sich Gesichtszüge zu formen, mit großen dunklen Punkten an den Stellen, an denen die Augen wachsen werden. Und kleinen Öffnungen, die die Nasenlöcher bilden.
In der 7. Woche entwickeln sich zwei Knospen– kleine Paddel. Und dann beginnen die langen Röhrenknochen des Armes zu wachsen. Später entwickeln sich so auch die Beine. In den folgenden Wochen kann man schon deutlich Finger und Zehen erkennen. Der Embryo hat das so genannte Fetalstadium erreicht. Ab jetzt steckt der kleine Mensch seine ganze Energie ins Wachstum – und erblickt irgendwann das Licht der Welt.
Aber: die Entwicklung eines Embryos kann auch ganz anders verlaufen. Wie bei Contergan. Der Wirkstoff des Medikaments, Thalidomid genannt, bringt den Bauplan des Lebens durcheinander. Es gibt viele Theorien, die die Wirkung von Thalidomid erklären sollen.
Die bekannteste: Thalidomid schiebt sich zwischen die beiden Stränge der Erbsubstanz, der DNA, und stört das Ablesen der Erbinformationen. Bestimmte Stoffe, die für das Zellwachstum und die Verbindung der Zellen wichtig sind, werden nicht mehr gebildet, die DNA verklebt. Für das werdende Leben hat das verheerende Auswirkungen – je nachdem, wann das Medikament eingenommen wird.
Wird Thalidomid etwa in der fünften Schwangerschaftswoche genommen, kann die Bildung der Ohrmuschel unvollständig sein. Das Kind wird taub. In der 6. Woche schädigte Thalidomid die Entwicklung der Arme. Die Anlage für die Hand ist dann schon da.
Aber das Medikament verhindert das Wachstum der langen Röhrenknochen, die Ober- und Unterarm bilden. Die Hände bleiben wie am Rumpf festgeklebt.
In der 7. Woche beginnt normalerweise die Ausbildung der Beine. Aber unter dem Einfluss des Thalidomid wachsen die Oberschenkelknochen nicht richtig, die Beine sind verkürzt, Fuß und Unterschenkel häufig fehlgebildet. So wirkt Thalidomid mit einer unheimlichen Präzision.
Spätestens seit Contergan ist klar: Die Entwicklung des Lebens in der Gebärmutter ist ein Wunder, das man schützen muss.
Autorin: Katrin Krieft
Dieser Text gibt den Fernsehbeitrag vom 28.10.2007 wieder. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.