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Der Mond ist der ständige Begleiter der Erde. Sein Stand diktiert, was mit den Meeren auf der Erde passiert: Ebbe und Flut. Aber wie funktioniert das Wechselspiel zwischen Erde und Mond? Und welche Rolle spielt die Sonne in dieser Inszenierung?
Mit ihrer Gravitationskraft ziehen Erde und Mond sich gegenseitig an. Die Anziehung des Mondes verformt die Erde und hebt ihre Kruste um einen halben Meter an. Die elastischen Wassermassen können der Anziehung noch besser folgen. Es entsteht ein Flutberg auf der mondzugewandten Seite.
Erde und Mond stehen aber nicht still. Obwohl es den Anschein hat, als würde sich allein der Mond um die Erde bewegen, kreisen die beiden in Wirklichkeit in einem Monat um einen gemeinsamen Schwerpunkt. Das Wasser auf der Erde wird dabei durch die Zentrifugalkraft nach außen geschleudert. Dadurch entsteht auf der mondabgewandten Seite der Erde ein zweiter Flutberg. Die beiden Flutberge bleiben immer auf der Verbindungslinie zum Mond. Die Erde dreht sich aber zusätzlich in 24 Stunden um die eigene Achse unter den Bergen hinweg. Für uns sieht es so aus, als wanderten die Flutberge über den Globus.
Auch die Verformung der festen Erdkruste folgt denselben Regeln. Jeden Tag werden wir deshalb auch auf dem Land bis zu 50 Zentimeter angehoben und wieder abgesenkt.
Auch die Sonne zieht an der Erde. Weil sie so weit entfernt ist, spürt die Erde ihre Anziehungskraft nur etwa halb so stark wie die des Mondes. Sonnen- und Mondanziehung sowie die Zentrifugalkräfte der Bahnbewegungen addieren sich. Wenn Sonne, Mond und Erde auf einer Linie stehen – also bei Neu- und Vollmond – ist die Verstärkung besonders groß und es entsteht eine so genannte Springflut. Stehen Sonne und Mond in rechtem Winkel zueinander – bei Halbmond –, so ist die Summe der Kräfte am geringsten. Auf der Erde erleben wir dann die besonders niedrige Nippflut.
Von den Kräften von Sonne und Mond her gesehen dürfte der Unterschied zwischen dem Höchststand der Flut und dem niedrigsten Stand der Ebbe ein halber Meter sein. An der deutschen Nordseeküste ist der Unterschied zwischen Ebbe und Flut aber meist drei bis vier Meter. Den Rekord hält die Fundy Bay in Kanada. Hier liegen zwischen Ebbe und Flut im Extremfall 16 Meter.
Grund für die stärkeren Schwankungen sind Strömungen. Die Flutberge können sich auf ihrem Weg um den Globus nicht ungehindert ausbreiten. Sie stauen sich vor den Küsten, werden zurückgeworfen und abgelenkt. Ein Beispiel ist die Nordsee: die Flutwelle läuft hier einmal im Kreis herum. Durch die Wechselwirkung mit den Küsten sind die Gezeitenunterschiede in Dänemark nur halb so hoch wie in Nordfrankreich.
Ebbe und Flut haben eine überwältigende Kraft. Viele Milliarden Tonnen Wasser werden jeden Tag bewegt. In dieser Bewegung ist viel Energie gespeichert. Man muss sie bloß anzapfen.
Weiterführende Informationen zu den Gezeiten
www.astrolink.de
Dieser Text gibt den Fernsehbeitrag vom 08.10.2003 wieder. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.