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09.02.2012

W wie Wissen
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Rückschau: Hirschhausen wills wissen: Mensch oder Maschine – was bringt den Tour-Sieg?

 

 

In Frankreich wird wieder um die Wette gestrampelt. Dr. Eckart von Hirschhausen will ergründen, welchen Anteil Mensch und Maschine auf die Leistung der Radler haben. Wieder geht es nicht ohne Selbstversuch; nicht einmal vor einem Rennen mit einem gestandenen Profi schreckt der W WIE WISSEN Fragenbeantworter zurück.

Die Tour de France 2004 ist in vollem Gange und die Titanen unter den Profis kämpfen wieder um die Krone im Radsport. Armstrong oder Ullrich, das ist hier die Frage, oder wird's doch ein Dritter? Es gibt nicht wenige Experten die meinen, dass ohnehin die Pharmaindustrie der eigentliche Gewinner der Tour ist. Davon abgesehen stellt sich die Frage: wie muss die Kombination aus Mensch und Maschine "gestrickt" sein, damit daraus ein siegreiches Team wird?

Der Mensch

Hochleitungssportler wie Jan Ullrich zeichnen sich dadurch aus, dass sie eine wesentlich höhere Dauerleistung über eine viel längere Zeit erbringen können, als der Otto-Normalverbraucher. Profi-Radrennfahrer haben ein größeres Lungen- und Herzvolumen, können also viel mehr Sauerstoff aufnehmen und den Muskeln zur Verbrennung zuführen, als ein untrainierter Freizeitradler. Untrainierte nehmen etwa drei Liter Sauerstoff pro Minute auf, Profis fast das Doppelte. Das ist der entscheidende Faktor der bestimmt, wie viel und wie lange ein Sportler Leistung bringen kann. Je besser die Lunge den eingeatmeten Sauerstoff ans Blut weitergeben kann, je besser die Muskeln durchblutet werden und je besser die Fähigkeit der Muskeln ist, Sauerstoff und Nahrung in Energie umzusetzen, je besser die Leistungsfähigkeit. Das Ganze lässt sich bis zu einem gewissen Grad trainieren, hängt aber auch stark von den genetischen Anlagen ab, mit denen ein Mensch ausgestattet ist. Wer nicht die optimalen organischen Voraussetzungen mitbringt, kann so viel trainieren wie er will – ein Jan Ullrich wird nie aus ihm werden. Das dürfte auf das Gros der Menschheit zutreffen. Aber irgendwie müssen sich Radprofis ja vom Sonntagsradler unterscheiden.

Und noch ein weiterer Faktor ist gerade bei der Tour de France von entscheidender Bedeutung: Die Regenerationsfähigkeit, eine der ganz großen Stärken des Jan Ullrich. Sich möglichst schnell von der Strapazen einer Etappe zu erholen, um schon am nächsten Tag wieder eine Topleistung zu bringen und das drei Wochen am Stück – das ist der Schlüssel zum Erfolg. Wichtig hierbei: das "Rennen" nach dem Rennen. Massagen, Elektrostimulation und vor allem die Ernährung. Immerhin muss ein Tour de France Fahrer am Tag etwa 15.000Kcal zu sich nehmen, etwa sechsmal soviel wie ein Büroangestellter. Das klappt nur, wenn die Speisen so zubereitet sind, dass sie leicht verdaulich sind.

Die Maschine

Moderne Rennräder sind Hightech-Produkte. Knapp sieben Kilo leicht und ergonomisch so ausgelegt, dass sie eine windschlüpfrige Sitzposition ermöglichen. Zum Vergleich: ein Rennrad mit Fahrer hat einen cw-Wert von 0,3. Mit einem Hollandrad kommt man dagegen sowohl beim Gewicht als auch beim cw-Wert fast auf das Doppelte. Das heißt mehr Luftwiderstand und deshalb eine schlechtere Leistung. Auch beim Rollwiderstand der Räder sind die Verhältnisse ähnlich. Dazu kommt, dass natürlich mit einem Rennrad höhere Geschwindigkeiten gefahren werden können, weil die Gangschaltung ganz andere Übersetzungen erlaubt. Für die Leistung, aber auch die Regenerationsfähigkeit der Fahrer sind einige Innovationen von großer Bedeutung. Klickpedale zum Beispiel sorgen für eine optimale Kraftübertragung, aber auch für eine bessere Durchblutung der Füße. Moderne Bremsanlagen erfordern weniger Kraft, wichtig vor allem bei Abfahrten. Die Gangschaltung am Lenker und ihre einfache Bedienung, quasi auf Knopfdruck, halten den Fahrer immer in der optimalen Sitzposition.

Fazit

Ein Durchschnittsradler wird auch mit der modernsten Rennmaschine keine Chance haben, auch wenn sein professioneller Gegner auf der letzten Rostlaube gegen ihn antritt. Bei den Profis muss man davon ausgehen, dass alle hochwertige Bikes fahren und keiner nur durch seine Rennmaschine einen größeren Vorteil hat. Ohne optimale Ausrüstung wird auch der Spitzensportler keine Chance haben, entscheidend ist aber der Faktor Mensch, zumal Straßenrennen heutzutage eine Mannschaftssportart ist.

Links

SRM (Schoberer Radmeßtechnik). Ermöglicht die genaue Messung der Leistung am Fahrrad
www.srm.de

Quarks & Co: Abenteuer Fahrrad
www.quarks.de/fahrrad/

Ingenieur- und Sachverständigenbüro für Fahrradtechnik
www.zedler.de

Informationen zur Leistungsdiagnostik
www.msg-hannover.de

Homepage der Tour de France 2004
www.letour.fr/2004/de

T-mobile-Team
www.t-mobile-team.com

Homepage Jan Ullrich
www.jan-ullrich.de

Homepage Lance Armstrong
www.lancearmstrong.com

Dieser Text gibt den Fernsehbeitrag vom 07.07.2004 wieder. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

Sendung vom
Mi, 07.07.04 | 21:45 Uhr

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