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10.02.2012

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Rückschau: Training für die Mondmission

 

 

Gestalten in Taucheranzügen und mit Stahlhelmen schweben und staksen auf dem Meeresboden umher, schaufeln Sand, mühen sich mit merkwürdig aussehenden Geräten und Rohrgestängen ab.

Auf den ersten Blick erinnert diese Szene, die alle paar Monate im Meer vor Florida zu sehen ist, stark an Jules Vernes Film mit Kapitän Nemo. Doch die Vorbilder dieser Männer und Frauen heißen anders: Neil Armstrong und Buzz Aldrin, die ersten Menschen auf dem Mond. Und dort oben wollen auch sie hin.

Vor Flug ins All zuerst Tauchgang unter Wasser

Key Largo, Florida. Wenige Kilometer vor der Küste: Letzte Vorbereitungen zur neunten „Neemo“-Mission, dem Extrem- Unterwasser- Training der NASA. Pilot Ron Garan und seine Kollegen wissen: Wer ins All will, muss sich zunächst auf dem Meeresboden beweisen, im weltweit einzigartigen Unterwasser-Forschungslabor „Aquarius“. Zwanzig Meter unter Wasser liegt es, nahe einem Korallenriff.

18 Tage lang sollen die Astronauten hier unter im Prinzip lebensfeindlichen Bedingungen den Umgang mit technischen Geräten testen, vor allem aber auch ihre persönliche Belastbarkeit und Teamfähigkeit.

Aquarius, das ist ein kleines, druckfestes Unterwasserhaus mit einer Fläche von nur 14 mal drei Meter, also in etwa so groß wie eine zukünftige Mondstation. Und ähnlich wie bei der gibt es auch aus „Aquarius“ kein einfaches Zurück: Schon nach 24 Stunden sind die Körper so mit Stickstoff angereichert, dass ein zu schnelles Auftauchen zur Wasseroberfläche schwere Gesundheitsschäden verursachen würde. Für Ron Garan ist es ein realitätsnahes Training: „Mal abgesehen von Start und Landung und vielleicht dem Blick aus den Bullaugen fühlt man sich da unten wie auf einer Weltraummission.“

Nicht Astronauten, sondern „Aquanauten“ werden Ron Garan und seine Kollegen jetzt genannt. Und als solche müssen sie jeden Tag nach engen Zeitplänen arbeiten. Als erstes erkunden sie die Umgebung, markieren Wege und Orientierungspunkte. Gleiches werden sie als erstes auf dem Mond tun müssen, wenn sie etwa 2020 dort oben eine Mondstation errichten wollen. Trainieren werden die Astronauten dafür auch in Houston in einem der größten Swimmingpools der Welt. Doch die Belastungen einer realen, wochenlangen Weltraum-Mission sind dort nur ansatzweise zu simulieren. Deshalb der wochenlange Aufenthalt in „Aquarius“.

Alltagstest unter Wasser

Und das tägliche Leben hat so seine Tücken: Beispielsweise arbeiten manchmal die Computer nicht so wie sie sollen. Die Aquanauten müssen erst neue Festplatten einbauen, um weitermachen zu können.

Aber: „Wir erwarten, dass Dinge kaputt gehen“, sagt Ron Garan, „wir wollen, dass sie kaputt gehen. Wir wollen lernen, wie man mit solchen Problemen umgeht. Und natürlich funktionieren die Computer beim zweieinhalbfachen Druck unter Wasser nicht wie bei normalem Luftdruck. Wenn wir zum Mond gehen, werden die Dinge auch nicht so funktionieren wie auf der Erde.“

Ein Höhepunkt für ihn: Spaziergänge auf dem Meeresboden. Bestückt mit speziellen Metallrahmen und verschiedenen Gewichten simulieren sie hier unten typische Ausflüge auf dem Mond. Ihr Auftrieb im Wasser entspricht etwa der geringen Schwerkraft auf dem Mond.

Ein Ergebnis des ersten Versuches: Versorgungskabel zur Station können hinderlich sein, sich zum Beispiel an Steinen verhaken. Ron Garans Bilanz: “Eine Lehre, die wir ziehen konnten: Kabel sind OK, solange man sich nicht zu weit von der Station oder seinem Fahrzeug entfernt. Wir wissen zwar noch nicht genau, welches die kritische Distanz ist, aber klar ist: Je weiter wir weg sind, desto weniger effektiv ist es.“

Erfahrungen sammeln für neue Raumanzüge

Ganz wichtig: den optimalen Schwerpunkt der künftigen Raumanzüge herauszufinden. Hier haben die NASA-Experten noch erheblichen Entwicklungsbedarf. Stolperer wie zu Apollo-Zeiten möchten sie möglichst vermeiden, die Gefahr, dass dabei der Anzug beschädigt wird, ist groß.

Zweites Testergebnis: Hüpfen ist besser als Gehen.

Zwischendurch gibt es Erlebnisse, die sie der Kontrollstation oben in der Außenwelt gern sofort über ihre Mini-Kamera an Bord mitteilen, wie etwas das mit dem Stachelrochen. Ron Garan: “Tim sagte mir einmal Ron, pass auf, da vorne liegt ein Stachelrochen im Sand!´ Und wirklich: Der schaute mich an, als ob er sagen wollte: ´Gehe noch einen Schritt weiter und ich werde dir den Tag verderben. Ich kann nur sagen, es war gut, dass Tim mich gewarnt hat.“

Roboter sollen Menschen unterstützen

Zu den weiteren Übungen gehört der Einsatz von Robotern. Diese sollen, wann immer es geht, in gefährlichen Situationen Aufgaben übernehmen, oder auch geologische Analysen vornehmen. Die kleinen Helfer werden aus der Station gelenkt, können aber selbstverständlich auch direkt vom Kontrollzentrum auf der Erde gesteuert werden.

Ein ganz wichtiger Punkt: Die Astronauten müssen lernen, sich bei Verletzungen selbst zu versorgen. Dafür steht ein ganz besonderes Trainingsprogramm im Plan. Angeleitet von Ärzten in einem Krankenhaus in Kanada üben sie einfache Operationen an einem Kunstpatienten. Größere Operationen soll ein medizinischer Roboter übernehmen, ferngesteuert wieder durch einen Arzt in Kanada. Und tatsächlich schafft er diesen ersten Test mit Bravour - eine komplizierte Venen-Operation und das trotz einer bewusst eingebauten Verzögerung des Signals von zwei Sekunden; solange braucht nämlich später das Signal auch von der Erde zum Mond.


Zum Abschluss: 17 Stunden Druckkammer

Nach 18 Tagen ist diese Aquanauten-Mission unter Wasser beendet. Jetzt müssen Ron Garan und seine Kameraden allerdings noch 17 Stunden in einer Druckkammer ausharren, um sich langsam wieder an den normalen Umgebungsdruck über Wasser anzupassen. Den Moment des Auftauchens wird Ron Garan nicht vergessen: “Das erste, was ich oben sah, war der Mond. Und zu denken, da ist der Mond, und wir haben gerade das Leben dort simuliert, hat mich unheimlich in dem Gefühl bestärkt, dass es wichtig ist, was wir tun.“

Vom Meeresboden hoch zum Mond – ein brennender Wunsch von Ron Garan und seinen Kollegen. Aber sie sind auch ehrlich und geben zu: im Moment sind sie froh, wieder zurück bei ihren Familien zu sein.

Autor: Clemens Oswald

Dieser Text gibt den Fernsehbeitrag vom 30.09.2007 wieder. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

Sendung vom
So, 30.09.07 | 17:03 Uhr

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