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Vor wenigen Tage flog mit Space Ship One das erste privat finanzierte Raumschiff in den Weltraum. Das Projekt sollte beweisen, dass Flüge ins All billiger und weniger aufwändig als bisher zu haben sind, und verleiht damit auch den Visionen von einem Weltraumtourismus neue Nahrung. Werden wir in ein paar Jahren im Reisebüro einen Trip ins All buchen können wie heute auf die Kanaren?
Als 1969 der erste Mensch seinen Fuß auf den Mond setzte, bekamen Visionen und Träume Nahrung. Zur Jahrtausendwende, hieß es, könne man den Urlaub in einem Spacehotel verbringen. Aber nichts geschah - über 35 Jahre lang kam der Weltraumtourismus nicht voran. Die staatlichen Weltraumagenturen nutzten den exklusiven Zugang zum Weltraum für ihre Zwecke.
20 Millionen Dollar für die Vorbereitung und die Reise zur internationalen Raumstation konnten sich bislang nur zwei Touristen leisten, doch nun bewegt sich etwas:
Der Traum vom Urlaub im Weltraum bekommt neuen Auftrieb - durch den "X-Prize". Zehn Millionen Dollar soll derjenige erhalten, der drei Personen auf 100 Kilometer Höhe und zurück bringt und diesen Flug innerhalb von zwei Wochen wiederholt. In der Wüste von Mojave wollten Ende Juni 2004 über 20.000 Menschen den Start des ersten privaten Raumschiffes erleben, das demnächst Touristen für kurze Zeit in den niedrigen Weltraum bringen soll.
Am Morgen des 21. Juni 2004 startete in der Wüste von Mojave erstmals ein privates Raumschiff in den Weltraum. Das Fluggerät bestand aus dem Trägerflugzeug White Knight und dem darunter montierten SpaceShipOne, in dem später neben dem Piloten zwei Touristen sitzen sollen.
Bei der Pressekonferenz einen Tag vor dem Start hatten sich die Initiatoren vorgestellt. Der bekannte Flugzeugkonstrukteur Burt Rutan und sein Geldgeber, der Mitbegründer von Microsoft, Paul Allen, sind die Favoriten unter 26 Kandidaten aus sieben Ländern, die um den X-Preis konkurrieren. Sie wollen ein neues Kapitel der Raumfahrt eröffnen. Rutan arbeitet aus Überzeugung unabhängig von der staatlichen Raumfahrt-Agentur, die ihm zu unflexibel, zu langsam und natürlich zu teuer ist.
Wie ein Flugzeug hob das Gespann ab, das Burt Rutan innerhalb von zwei Jahren für weniger als 30 Millionen Dollar entwickelt hat. Wenn das Raumschiff später einmal pro Woche starten wird, sollen die Flugpreise für Touristen langsam sinken. Anfangs hunderttausend, später zehntausend Dollar soll der Flug kosten. Dabei wird SpaceShipOne wesentlich sicherer sein als der Spaceshuttle, versichern die Erbauer.
In 15 Kilometern Höhe – Verkehrsflugzeuge fliegen in 10 Kilometern Höhe – wird der Touristenshuttle ausgeklinkt. Der Pilot zündet den neuartigen Hybridmotor, der das Gerät auf über dreifache Schallgeschwindigkeit beschleunigt. Nach 80 Sekunden ist das Raketentriebwerk ausgebrannt. Die Touristen erleben Schwerelosigkeit und eine beeindruckende Aussicht. Nach einigen Minuten ist der höchste Punkt erreicht.
Um vor dem Wiedereintritt in die Atmosphäre stark abzubremsen, wird der hintere Teil der Tragfläche angeklappt. So kann SpaceShipOne sicher ohne empfindliche Wärmeschutzkacheln in die Atmosphäre eintauchen. Mit zurückgeklappten Flügeln segelt der Pilot dann bis zum Flughafen und landet ohne Antrieb.
Der Wiedereintritt ist sonst ein heikles Verfahren, wie man spätestens seit der letzten Shuttlekatastrophe weiß.
Noch hat Burt Rutan mit seiner Firma Scaled Composites den X-Preis nicht gewonnen. Er muss den Flug mit zwei Touristen wiederholen und innerhalb zwei Wochen einen dritten Flug durchführen. Auch die anderen Mitbewerber arbeiten weiter, denn zehn Millionen Dollar sind nur ein kleiner Anreiz, wenn man einen Milliardenmarkt vor Augen hat. Projekte wie Starchaser, Canadian Arrow, Da Vinci und Xerus werden mit Hochdruck vorangetrieben.
Weitgehend unbemerkt haben sich im Internet Reiseagenturen auf den Weltraumtourismus vorbereitet. So bietet der Marktführer Space Adventure ab 5000 Dollar eine breite Palette von Weltraumabenteuern an. Vom Besuch eines Starts bis zum Trip auf die Raumstation in 400 Kilometern Höhe ist alles möglich.
In Deutschland ist eine Agentur aktiv, die die Touristen mit der europäischen Raumfahrttechnik vertraut machen will. Walter Drasl von Pro Toura Space stellt fest, dass das Thema Weltraumtourismus nach dem Start von SpaceShipOne neuen Auftrieb bekommen hat.
Auch das Wettrennen um den Weltraumbahnhof, den Spaceport, hat begonnen. Am Flughafen in Mojave sind viele private Firmen angesiedelt, die in Sachen Weltraumtourismus forschen. Deshalb nutzt man hier die Gunst der Stunde und bewirbt sich als Weltraumflughafen, mit Erfolg: Anlässlich des Starts erklärte die amerikanische Luftfahrtbehörde Mojave zum ersten Spaceport der USA.
Auch wenn noch viele Fragen zu klären sind, scheint sich eine neue Industrie gebildet zu haben, die aus Träumen Geld machen möchte.
Scaled Composites
www.scaled.com
Ansari XPrize
www.xprize.org
Pro Toura - Faszinierende Erlebniswelten
www.protoura.com
Space Adventures
www.spaceadventure.com
Dieser Text gibt den Fernsehbeitrag vom 07.07.2004 wieder. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.