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08.02.2012

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Rückschau: Feuerökologie

 

 

Die Azoreninsel Faial zeichnet sich durch eine sehr gegensätzliche Landschaft aus. Im Jahr 1672 kam es zu einem verheerenden Vulkanausbruch. Doch binnen kürzester Zeit waren die Flanken des Cabeco do Fogo wieder von Pflanzen bedeckt. Bis heute überziehen dichte dschungelartige Wälder die Lavahänge des Berges. Der krasse Gegensatz dazu bildet die Wüstenlandschaft an der Westspitze der Insel – eine Folge des Ende monatelangen Ascheregen des Vulkans Capelinhos, der Ende der 50er Jahre ausbrach. Eine Gruppe deutscher Geographen will nun klären, warum nicht auch hier dieselbe üppige Vegetation gedeiht wie auf der übrigen Insel.

Der Ascheregen und seine Folgen

Seit dem Ausbruch des Capelinhos hat sich die Insel Faial verändert. Der Ascheregen ließ die Insel um 2,5 Quadratkilometer wachsen. Zwei Dörfer sind seither unbewohnbar. Und auch die Pflanzenwelt ist aus dem Gleichgewicht geraten.

Seit fünf Jahren bewerten Studenten der Uni Mannheim jeden Sommer den Fortschritt der Vegetation. Erst in den letzten zwei Jahren hat sich einiges getan: Die Vielfalt der Bodengewächse hat merklich zugenommen. Neues Grün findet sich vor allem dort, wo kleine Geländeunebenheiten in Bodennähe Windschutz bieten.

Aber auch Tiere spielen eine wichtige Rolle bei der Ansiedelung neuer Pflanzen. Wo sich Brutvögel niederlassen, Nahrungsreste und Kot zurücklassen, sammelt sich allmählich Biomasse an. Diese Biomasse zersetzt sich und gibt Nährstoffe für die Pflanzen frei. Die Nitratzufuhr durch Möwen auf dem Capelinhos ist so wichtig, weil die Vulkanasche selbst sehr nährstoffarm ist.

Üppige Vegetation an den Lavahängen

Ganz im Gegensatz zur Lava des Cabeco do Fogo. Auf erkalteter Lava wachsen meist schon nach wenigen Jahren die ersten Pionierpflanzen. Das beschleunigt die Verwitterung des Vulkangesteins. Darunter liegt eine Humusschicht – gebildet von den Pflanzen, die durch die Lavamassen verschüttet wurden.

Bis zur nächsten Eruption müssen azorentypische Pflanzen eigentlich nur fürchten, dass sie von eingeschleppten fremden Pflanzenarten verdrängt werden. Als besonders problematisch gilt der wilde Ingwer, der den einheimischen Farnen starke Konkurrenz macht. Manche Botaniker fürchten gar um den Fortbestand jener 60 Pflanzenarten, die nur auf den Azoren vorkommen.

Der Pflanzenwuchs am Capelinhos

Doch das, was im Inneren der Insel bedrohlich sein mag, hilft der Vegetation auf den Aschefeldern des Capelinhos. Hier sind es vor allem die eingeschleppten Arten, wie zum Beispiel die Hottentottenfeige, die als widerstandsfähige Pionierpflanzen das trostlose Terrain erobern. Das spanische Rohr wächst besonders aggressiv. In manchen Ländern wird das Riesenschilf deswegen sogar offiziell bekämpft. Am Capelinhos bereitet es den Boden für die einheimischen Pflanzen. Irgendwann stirbt es dann ab, vertrocknet, verwest, und es bildet sich Humus. Warum das Spanische Rohr auf der vulkanischen Asche letztlich doch anderen Pflanzenarten das Feld überlässt, ist für die Wissenschaftler noch ein Rätsel.

Unweit von den reinen Schilfbeständen entfernt wächst jedenfalls eine auch für die Azoren außergewöhnliche Pflanzenvielfalt. Die Mischung aus mediterranen und mitteleuropäischen Arten dringt immer weiter Richtung Inselspitze vor. Je dünner die Ascheschicht auf dem ursprünglichen Boden, desto schneller verschwinden die Spuren des Vulkanausbruchs. In wenigen Jahrzehnten dürfte deshalb die typische Azoren-Vegetation wieder bis zu der alten Grenze der Insel vorgedrungen sein.

Dort aber, wo der Capelinhos neues Land entstehen ließ, wird vielleicht nie ein Grashalm wachsen. Starke Winde und das Wasser des Atlantik nagen beständig an den steilen Formationen des Vulkans: widrige Umstände für eine neue Vegetation.

Dieser Text gibt den Fernsehbeitrag vom 29.10.2003 wieder. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

Sendung vom
Mi, 29.10.03 | 21:45 Uhr

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