Hintergrund
Die spannende und ereignisreiche Zeit zwischen dem
Ende des Ersten Weltkriegs und der Machtergreifung
Adolf Hitlers wird oft plakativ mit Schlagworten
belegt – "die Goldenen Zwanziger", oder "der Tanz
auf dem Vulkan".
Die Weimarer Republik, wie die
erste Republik auf deutschem Boden genannt wird, ist
eine Zeit voller extremer Gegensätze: Hunger, Elend
und existenzielle Not breiter Massen neben enormem
Reichtum und dekadent zur Schau gestelltem,
ausschweifendem Luxus.
Pazifismus oder der Traum von der Weltrevolution
prägen die junge Republik genauso wie ein
unversöhnlicher militanter Chauvinismus.
Deutschland, durch den Frieden von Versailles und
den damit verbundenen Reparationsleistungen schwer
belastet, bringt ausgerechnet in diesen Jahren
größter ökonomischer wie politischer und
gesellschaftlicher Unsicherheit – oder vielleicht
gerade, weil alle bisherigen bürgerlichen
Sicherheiten und Gewissheiten abhanden gekommen sind
– eine nie da gewesene kulturelle Vielfalt und
Lebendigkeit hervor, die immer Spiegel ihrer Zeit
bleibt.
Viele Menschen der zwanziger Jahre werden, nach den
muffig-kaiserlichen Jahrzehnten davor, erfasst vom
Rausch radikaler Modernität: Frauen im Büro und im
Parlament, man schwärmt für Kraft und
Körperlichkeit, beim Boxkampf ebenso wie in der
Freikörperbewegung.
Der Film als neues Massenmedium: Deutschland
produziert damals mehr Spielfilme als alle anderen
europäischen Staaten zusammen. Zeitungen erscheinen
dreimal täglich, illustrierte Zeitschriften
veröffentlichen Fotoreportagen, das Radio erreicht
immer mehr Menschen.
Fließbandarbeit in den Fabriken verordnet den
Menschen einen neuen Takt, die Verkehrsmittel werden
immer schneller, das Telefon revolutioniert die
Kommunikation, der gerade erfundene Lautsprecher
ermöglicht Massenveranstaltungen.
Nie zuvor und auch danach haben deutsche Institute
und Erfinder so viel Erfolge feiern dürfen. In
dieser Zeit geht jeder dritte naturwissenschaftliche
Nobelpreis an deutsche Wissenschaftler. Allenthalben
werden Tradition und Althergebrachtes beiseite
geschoben und Reformen ins Werk gesetzt, die aber
viele Menschen nicht erreichen oder überfordern: Was
Bauhaus als lichte, luftige und funktionale
Wohnweise propagiert, erscheint den meisten
Deutschen als kalt und seelenlos. Während in manchen
Städten Reformpädagogik nach Waldorff und Montessori
ausprobiert wird, regiert in der Mehrzahl der
Dorfschulen noch die Prügelstrafe.
Die Autoren und Redaktionen von WDR und MDR haben
deutschlandweit Zeitzeugen gesucht und gefunden,
die, hochbetagt, uns ihre Erinnerung an die
Zwanziger erzählten und ihre privaten Fotoalben für
uns öffneten. Und es wurden Archive durchforstet, um
neben den erwartbaren andere, neue Bilddokumente
dieser Zeit zu finden.
So entstand eine dreiteilige
Dokumentationsreihe, die nicht vordringlich eine
politische Chronik bietet, sondern ein Gespür für
diese Zeit und die von den Menschen miterlebten
wichtigsten Strömungen, Stimmungen, Ereignisse und
Entwicklungen dieser aufregenden wie aufgeregten
Jahre vermitteln will.
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