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Die Geheimnisse der Akten

PlayDie undatierte Aufnahme zeigt Papst Pius XII.
Die Geheimnisse der Akten | Video verfügbar bis 18.05.2021 | Bild: dpa / epa

Anfang März 2020 hat der Vatikan die geheimen Archive aus der Zeit Papst Pius XII. für Historiker und Wissenschaftler geöffnet. Jetzt ist es möglich, auf eine Persönlichkeit zu blicken, die während des Dritten Reiches, der dunkelsten Periode des 20. Jahrhunderts, Oberhaupt der Katholischen Kirche war. Mit zum Teil unveröffentlichtem Archivmaterial sowie Neuaufnahmen aus dem Vatikan und Deutschland befasst sich diese Dokumentation mit Eugenio Pacelli, so sein bürgerlicher Name, einem der kontroversesten Protagonisten der jüngeren Kirchengeschichte.

Die Geheimnisse der Akten
Eugenio Pacelli, späterer Papst Pius XII. | Bild: picture alliance/ Photo12/Ann Ronan Picture Librar

Welche Rolle Pius XII. im Dritten Reich gespielt hat, ist bis heute nicht geklärt

Als Botschafter des Heiligen Stuhls in Deutschland und als Kardinalstaatssekretär des Vatikan beobachtete Eugenio Pacelli Hitlers Aufstieg zur Macht. Im Jahr 1939 begann seine Amtszeit als Papst Pius XII. Alsbald wurde er mit der Vernichtung der Juden, der Deportation von Minderheiten und Oppositionellen im Dritten Reich konfrontiert. Bis heute ist nicht zuverlässig geklärt, welche Rolle Pius XII. in dieser Zeit gespielt hat. War er wirklich, wie vielfach behauptet wird, ein Zögerer und Zauderer, der vor der Verantwortung – vor allem gegenüber bedrängten Juden – zurückgewichen ist?

Mit der jetzigen Öffnung des Archivs steht für den Kirchenhistoriker Hubert Wolf fest: "Es ist uns in der zentralen Frage des Holocausts ein Schlüsseldokument vorenthalten worden." Wolf hat bereits wenige Tage nach der Öffnung der Archive ein Dokument entdeckt, das die Liquidierung des Warschauer Getthos beschreibt. Papst Pius XII. las das Schreiben am 27. September 1942. Doch weder dessen Inhalt, noch die Randnotizen der Mitarbeiter des Staatssekretariats hatte der Vatikan bisher veröffentlicht. Stattdessen behauptete der Vatikan Jahrzehnte lang, es werde der Öffentlichkeit nichts verheimlicht. Die Quellensammlung sei vollständig.

In der zentralen Frage des Holocausts sei ein Schlüsseldokument vorenthalten worden, sagt Hubert Wolf, Kirchenhistoriker an der Universität Münster.
In der zentralen Frage des Holocausts sei ein Schlüsseldokument vorenthalten worden, sagt Hubert Wolf, Kirchenhistoriker an der Universität Münster. | Bild: BR/LOOKSfilm/MDR

Gleichzeitig hat Pius XII. wohl tausende Juden gerettet

Im Stillen hat Pius XII. sehr wohl vielen Juden das Leben gerettet. Tausende wurden in kirchlichen Einrichtungen versteckt. Die römische Kurie verhalf vielen über Mittelsmänner zur Flucht ins Ausland. Trotzdem geht es jetzt um die Glaubwürdigkeit der römischen Kurie während des Holocaust. Viele Fragen stellen sich somit erneut. Zum Beispiel: Warum hat sich Pius XII. dem Protest Großbritanniens, Russlands und der USA gegen die Judenvernichtung am 17. Dezember 1942 nicht angeschlossen?

Welche Rolle hat der Vatikan im Nationalsozialismus gespielt? (Audio)

Ein Film von Lucio Mollica und Luigi Maria Perotti

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