SENDETERMIN So., 22.08.21 | 18:05 Uhr | Das Erste

ARD-Sommerinterview mit Annalena Baerbock

Annalena Baerbock im Gespräch mit Tina Hassel

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Bericht aus Berlin – Sommerinterview: Annalena Baerbock | Video verfügbar bis 22.08.2022 | Bild: picture alliance/dpa / Uwe Anspach

Sie will als erste Grüne ins Kanzleramt. Doch nach dem Höhenflug im Frühjahr ließ der Sinkflug nicht lange auf sich warten. Zu hohe Erwartungen nach der Nominierung, gepaart mit vielen kleineren und größeren Fehlern zum Wahlkampfstart, spiegeln sich in den Umfragen deutlich wider: Mit gerade mal 13 Prozent gilt Annalena Baerbock als unbeliebteste der drei Kanzlerkandidaten, und auch die Partei liegt bei der aktuellen Sonntagsfrage mittlerweile hinter der SPD.
Tina Hassel, Studioleiterin und Chefredakteurin Fernsehen im ARD-Hauptstadtstudio, begrüßte die Kanzlerkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen am Sonntag, den 22. August 2021, im ARD-Sommerinterview im "Bericht aus Berlin".

Baerbock fordert Untersuchungs-Ausschuss zu Afghanistan und die Aufnahme von 50.000 Afghanen nach Deutschland

Im ARD-Sommerinterview fordert die Kanzlerkandidaten der Grünen Annalena Baerbock für die nächste Legislaturperiode einen Afghanistan-Untersuchungsausschuss, "unabhängig davon, wer dann die Regierung anführt. Das, was an Desaster passiert ist, das können wir nicht einfach verschweigen, weil es geht darum, aus diesen Fehlern zu lernen," so Baerbock. Die Fraktionsvorsitzende der Grünen Katrin Görig-Eckardt hatte sich am selben Tag noch skeptisch gegenüber einem Untersuchungsausschuss gezeigt.

Baerbock forderte darüber hinaus schnellstmöglich eine Afghanistan-Konferenz mit den G7-Staaten, Russland und den Anrainer-Staaten von Afghanistan: "Die Anrainer-Staaten braucht man, um darüber zu klären, wie können Menschen, die jetzt Panik haben, dass die ganze Familie getötet wird, wirklich in Sicherheit gebracht werden," auch wenn diese Staaten teilweise problematisch seien. Man müsse Staaten wie zum Beispiel Katar klar machen, sagte Baerbock im Social Media Format "Frag selbst" "wenn ihr weiter die Taliban unterstützt, zu massiven Menschenrechtsverletzungen beitragt, dann können wir nicht bei euch demnächst Fußball spielen." In Katar soll im kommenden Jahr die Fußball- WM stattfinden.

Baerbock spricht außerdem von deutlich mehr als 50.000 Menschen, die aus Afghanistan evakuiert und nach Deutschland geholt werden müssten.

Für die Grünen unverhandelbar: starker Klimaschutz

Baerbock betont mehrfach, dass eine Regierungsbeteiligung der Grünen an Klimaneutralität geknüpft sei. "Wenn wir nicht alles dafür tun, auf den 1,5-Grad-Pfad von Paris zu kommen, dann macht das nicht nur für Grüne keinen Sinn in eine Regierung mit einzusteigen, sondern dann werden wir als Bundesrepublik Deutschland in die Sackgasse geraten", sagte sie.

Auf die Nachfrage, ob die Grünen ansonsten auch in der Opposition bleiben würden, antwortete Baerbock, wenn CDU und SPD, wie es sich andeute, sagten "Klimaschutz, das machen wir mal in zehn Jahren, aber wir handeln nicht heute, dann ist das ein Bruch mit dem Pariser Klimaabkommen".

Im "Frag selbst" stellte Baerbock außerdem eine Kaufprämie für Lastenräder in Höhe von 1000 Euro in Aussicht. Es solle keine «absolute Ungleichheit» geben zu einer Förderung von 6000 Euros für Elektroautos. Damit könnten auch Menschen, die keinen Führerschein hätten oder nicht Auto fahren wollten oder könnten, zum Beispiel ihre Einkäufe nach Hause bringen.

Keine Festlegung auf Koalitionen

Auf die Frage zu Überschneidungen in den Wahlprogrammen von Grünen und der SPD betonte sie zwar die Schnittmengen im sozialen Bereich unterstrich aber klar, dass es sowohl mit Olaf Scholz als auch mit dem Kanzlerkandidaten der Union in Sachen Klimapolitik nur eine Weiter so gäbe:

"Olaf Scholz hat deutlich gemacht, dass er beim Klimaschutz sich von Armin Laschet überhaupt nicht unterscheidet, sondern den Kohleausstieg bis 2038 weiter fahren will, was massiv Industriearbeitsplätze in unserem Land gefährdet. Und deswegen wird es für mich darum gehen, nach einer Wahl, wo wir vorher alles gegeben haben, um das Vertrauen der Menschen zu gewinnen, dieses Land gemeinsam zu erneuern, zu schauen, mit wem kann man das Land am besten dann gemeinsam erneuern. Eine Koalition mit der Linken schloss Baerbock auf Nachfrage nicht explizit aus.

Impflicht für bestimmt Berufsgruppen als letztes Mittel

Mit Blick auf die wieder steigenden Corona-Zahlen müsse auch über eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen gesprochen werden, so Baerbock. Ein erneuter Lockdown für Schulen und Kitas müsse unbedingt vermieden werden, so Baerbock im "Frag selbst".

Im Online-Format "Frag selbst!" konnten Userinnen und User ihre Fragen an Annalena Baerbock im Netz stellen. Die Antworten gibt es im Livestream auf den Social -Media-Kanälen von "Tagesschau" und "Bericht aus Berlin" sowie auf tagesschau.de und tagesschau24.

Der letzte Sendetermin der ARD-Sommerinterviews:

Markus Söder (CSU) am 29. August 2021

Die ARD-Sommerinterviews im "Bericht aus Berlin" sind eine Produktion des ARD-Hauptstadtstudios und werden im ARD Text auf Seite 150 für gehörlose und schwerhörige Zuschauerinnen und Zuschauer live untertitelt.