SENDETERMIN Mi, 01.05.19 | 22:45 Uhr | Das Erste

Das Europa-Drama

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Kanzlerin Angela Merkel.
EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Kanzlerin Angela Merkel. | Bild: SWR/European Union / Zucchi Enzo

Was passiert, wenn sich die Türen hinter den Mächtigen Europas beim Gipfeltreffen schließen, wenn die Kameras draußen bleiben müssen, wenn Angela Merkel sich in der nächtlichen Pause mit dem französischen Präsidenten oder dem britischen Premierminister zurückzieht – welche Dramen, welche Konflikte und Zerreißproben spielen sich in den Brüsseler Hinterzimmern ab?

Der Dokumentarfilm der preisgekrönten Regisseurin Norma Percy enthüllt die erbitterten Machtpoker, die diplomatischen Abgründe, die Getriebenheit und die persönlichen Kämpfe und Niederlagen, die hinter den großen Umbrüchen der letzten Jahre in Europa stehen. Der Film blickt auf die dramatische Zeit der großen Krisenjahre und spannt den Bogen von der Euro- und der Flüchtlingskrise, dem Erstarken populistischer und nationalistischer Bewegungen bis zum verhängnisvollen Beschluss eines Brexit.

Wer schmiedete Allianzen mit wem und worüber?

Im Film geben Europas wichtigste Akteure wie Nicolas Sarkozy, Jean-Claude Juncker, Wolfgang Schäuble, Matteo Renzi, Francois Hollande und Donald Tusk nie gesehene Einblicke in das, was in den entscheidenden Jahren der EU-Krise passierte und kaum nach außen drang.

Der Präsident des Europäischen Rates, Donald Tusk (li.), trifft 2016 den damaligen britischen Premierminister David Cameron.
Der Präsident des Europäischen Rates, Donald Tusk (li.), trifft 2016 den damaligen britischen Premierminister David Cameron. | Bild: SWR/European Council / Jack Taylor

Wer hat mit wem Allianzen geschmiedet, sie wieder gebrochen und neue Deals verhandelt, wer konnte Angela Merkel zum Weinen bringen und welcher EU-Politiker hat Alexis Tsipras so unter Druck gesetzt, dass er am Abend seines Referendumsieges doch kleinlaut nachgeben musste? Welche geheimen Absprachen gab es zwischen Sarkozy und Merkel? Wie kam es dazu, dass sich David Cameron für seinen unbedingten Machterhalt gegen jede Vernunft für den Brexit entschieden hat? Alle wurden vor neue Herausforderungen gestellt, die an Europa glauben und die, die es ins Wanken bringen.

Getriebene Akteure, ermüdet vom Taktieren

Wie in Shakespeares Königsdramen geht es um Eitelkeiten und um Machtkampf, um Ängste und Nervenkitzel, um Druck und Gegendruck – und immer sind die Akteure getrieben von der Notwendigkeit schneller Entscheidungen, oft nachts gefällt, nach stundenlangem, ermüdendem Taktieren.

In den Hinterzimmern der Macht spielen sich Szenen ab, die menschlicher und dramatischer nicht sein können: "Da habe ich das erste Mal Angst in seinen Augen gesehen", sagt Tusk über Cameron. Sarkozy konfrontiert Berlusconi: "Du bist das Problem deines Landes. Du musst zurücktreten." Renzi beschimpft Angela Merkel: "Das ist die dümmste Entscheidung, die man treffen kann." Hollande ruft Tsipras noch in der Nacht seines größten Erfolges an: "Du hast gewonnen, aber Griechenland hat verloren."

"Das Europa-Drama" erzählt eine mitreißende und brisante Geschichte, die zeigt, wie sehr Politik von Menschen gemacht wird und so das ganze Europa-Drama einfängt. 

Ein Film von Norma Percy

57 Bewertungen
Kommentare
Bewerten

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Bitte beachten: Kommentare erscheinen nicht sofort, sondern werden innerhalb von 24 Stunden durch die Redaktion freigeschaltet. Es dürfen keine externen Links, Adressen oder Telefonnummern veröffentlicht werden. Bitte vermeiden Sie aus Datenschutzgründen, Ihre E-Mail-Adresse anzugeben. Fragen zu den Inhalten der Sendung, zur Mediathek oder Wiederholungsterminen richten Sie bitte direkt an die Zuschauerredaktion unter info@daserste.de. Vielen Dank!

*
*

* Pflichtfeld (bitte geben Sie aus Datenschutzgründen hier nicht Ihre Mailadresse oder Ähnliches ein)

Kommentar abschicken

Ihr Kommentar konnte aus technischen Gründen leider nicht entgegengenommen werden

Kommentar erfolgreich abgegeben. Dieser wird so bald wie möglich geprüft und danach veröffentlicht. Es gelten die Nutzungsbedingungen von DasErste.de.