SENDETERMIN Mi., 03.02.21 | 05:30 Uhr | Das Erste

Buchtipp

Von Thomas Schindler, Literatur-Experte

PlayHaruki Murakami: Erste Person Singular • Ottessa Mosfegh: Der Tod in ihren Händen
Buchtipp | Video verfügbar bis 03.02.2022 | Bild: Hanser/DuMont

Haruki Murakami: Erste Person Singular, DuMont 2021, 224 Seiten, 22 Euro.

Erzählungen, DuMont 2021, 224 Seiten, 22 Euro

Wenn ein Affe im Dampfbad auftaucht, sich Männer im Spiegel nicht mehr erkennen, Frauen im Bett fragen, ob es was ausmache, wenn sie beim Orgasmus den Namen eines anderen rufen, das sind wir in Murakamis fantastisch-unheimlicher Welt ohne Gewissheiten.

Das neue Buch des Weltstars mit acht Erzählungen zeigt mir wieder einmal, dass ich surreale, bizarre Handlungen und Motive in der kurzen Form viel lieber lese als in Romanlänge.

Die Täuschungen der Erinnerung, die Fragen nach dem wahren Selbst, das Älterwerden, der Befund, dass man sich verwechseln kann wie einen Hut, alles typische Murakami-Bausteine, die mich in den Geschichten sehr unterhalten haben, auch wenn nicht alle acht Meisterwerke sind.

Ottessa Mosfegh: Der Tod in ihren Händen
Ottessa Mosfegh: Der Tod in ihren Händen | Bild: Hanser Verlag

Ottessa Moshfegh: Der Tod in ihren Händen

Roman, Hanser Berlin 2021, 256 Seiten, 22 Euro

Was für ein phänomenaler Romananfang: "Sie hieß Magda. Niemand wird je erfahren, wer sie ermordet hat. Ich war es nicht. Hier ist ihre Leiche. Aber da war keine Leiche. Kein Blutfleck (…) Da war nur ein Blatt Papier auf dem Boden, das vor meinen Füßen raschelte."

So passiert der alten Dame und Witwe Vesta Ghul, als sie einen Waldspaziergang mit ihrem Hund macht. Erlaubt sich da jemand einen schlechten Scherz, steckt vielleicht doch etwas dahinter, wer ist diese Magda?

Die Hauptfigur wird nicht zur Polizei gehen, sie will auf eigene Faust mehr erfahren, vielleicht auch, weil ihr einsames Leben ohne Höhepunkte dahinfließt.
Immer wieder kommt es zu unheimlichen Szenen und "Der Tod in ihren Händen" hält eine Grundspannung. Aber Leser, die einen Thriller wollen, werden von diesem Buch enttäuscht sein, das sich eigentlich nur als Krimi tarnt. Der Kernsatz könnte sein: "Das konnte ich mir alles perfekt vorstellen. Und damit war es entschieden."

Ottessa Moshfegh ist eine sehr spezielle Autorin, die Einsamkeit und Verlust thematisiert. Mich konnte sie mit diesem Buch überzeugen!

Stand: 03.02.2021 08:06 Uhr

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