SENDETERMIN Do., 23.11.23 | 05:30 Uhr | Das Erste

Kinotipp: "Napoleon" und "The Old Oak"

von Simone Schlosser, Filmreporterin

Zwei Regiemeister in den Kinos: Ridley Scott verfilmt "Napoleon" als bildgewaltiges Schlachtengemälde. Und Ken Loach setzt mit seinem Sozialdrama "The Old Oak" ein Zeichen für Solidarität und Menschlichkeit.

Szene aus "Napoleon"
Szene aus "Napoleon" | Bild: Apple Original Films / Sony Pictures / Aidan Monaghan / © 2023 Apple / Aidan Monaghan

Napoleon

Ein Meister des Kinos trifft auf einen Meister der Strategie: Ridley Scott verfilmt "Napoleon" – und zwar ziemlich erwartbar als eine Abfolge von Schlachten. Angefangen mit der Befreiung von Toulon bis hin zu seiner Niederlage bei Waterloo.
Das sieht beeindruckend aus in seiner Breitwandoptik, in der ganze Schlachtfelder die Leinwand füllen. Aber man fragt sich schon, ob das noch zeitgemäß ist, Krieg so zu zelebrieren? Daran ändern auch die Zahlen der Toten nichts, die am Ende jeder Schlacht eingeblendet werden.

Worin sich der Film dann doch von anderen unterscheidet: Er widmet einen Großteil seiner Zeit Napoleons Frau. Die Adelige Johanna de Beauharnais, gespielt von Vanessa Kirby ("Mission Impossible"). Die beiden führen eine eigenwillige Ehe. Irgendwo zwischen Zweckgemeinschaft und toxischer Beziehung. Was genau sie aneinander finden, lässt der Film leider offen. Ebenso die Frage, woher die große Faszination für Napoleon kommt. Ridley Scott versteht ihn als einen dahergelaufenen Schurken. Und genauso spielt ihn Joaquin Phoenix. Das führt mitunter zu lustigen Szenen. Aber am Ende verlässt man das Kino ein wenig unbefriedigt. Es sei denn, man hat selbst ein Faible dafür, berühmte Schlachten nachzustellen ...

https://www.sonypictures.de/filme/napoleon

Szene aus "The Old Oak"
Szene aus "The Old Oak" | Bild: Wild Bunch Germany

The Old Oak

"The Old Oak" ist ein Film, wie ihn nur Ken Loach beherrscht. Ein Sozialdrama frei von Ironie und Zynismus, sondern komplett aufrichtig und von Herzen. Schauplatz ist eine Kleinstadt in Nordengland. Eine ehemalige Grubenstadt, die einerseits unter dem Strukturwandel leidet und gleichzeitig mehr Geflüchtete aufnimmt als viele andere Städte. Hauptfiguren sind TJ, der Wirt der titelgebenden Kneipe “Old Oak“, und Yara, eine junge Syrerin die mit ihrer Familie geflohen ist. Die beiden freunden sich an und zusammen gelingt es ihnen, die beiden Gemeinschaften zusammenzubringen. Denn wie der Film zeigt, sind sie sich gar nicht so unähnlich.

Das mag naiv klingen und mitunter etwas kitschig wirken, aber Ken Loach weiß auch mit 87 Jahren noch sehr genau, was er tut. Zusammen mit seinem Autor Paul Laverty, mit dem er auch seine letzten Filme gemacht hat, hat er viel vor Ort recherchiert. Und das merkt man dem Film an. Die beiden haben ein sehr gutes Gespür für Ressentiments genauso wie für Gemeinsamkeiten. Und so ist "The Old Oak" ein Film, der Hoffnung macht. Auch das kann Kino leisten.

https://www.wildbunch-germany.de/movie/the-old-oak

Stand: 01.12.2023 18:06 Uhr