SENDETERMIN Mi., 18.03.20 | 05:30 Uhr | Das Erste

Buchtipp "Seltsames"

Von Thomas Schindler, Literatur-Experte

PlayVerena Güntner: Power, Akiz: Der Hund
Buchtipp "Seltsames" | Video verfügbar bis 18.03.2021 | Bild: DuMont Buchverlag/hanserblau/WDR

Verena Güntner: Power

Roman, DuMont Buchverlag 2020, 254 Seiten, 22 Euro

Die Autorin lädt den Leser dazu ein, das Mädchen Kerze, das mit ihrer alleinerziehenden Mutter in einem kleinen Dorf wohnt, auf "ihrer Mission" zu begleiten. Sinn und Ziel des Unterfangens sind dem Leser von Anfang an klar: es gilt, den vermissten Hund der betagten Nachbarin Hitschke zu finden, der auf den Namen Power hört.
Kerze ist eigensinnig, fokussiert und scheinbar angstfrei - sie verbeißt sich in die Aufgabe und übt damit eine Anziehungskraft auf die anderen Kinder im Dorf aus. Sie schließen sich ihr an, werden zu einer verschworenen Einheit, die keine Erwachsenen duldet und eben diese in eine gewisse Ohnmacht fallen lässt. Die auf das Verschwinden des Hundes folgende Spurensuche wird ohne Rücksicht auf Verluste geführt und scheint gleichzeitig zur Identitätssuche zu werden.

Dieser einprägsame Roman, dem immer wieder das Surreale anhaftet, regt zum Nachdenken an, konfrontiert er doch die Leser mit folgendem Szenario: der Radikalisierung von Kindern, welche die Überforderung der Elterngeneration zur Folge hat, die stellenweise sogar in Gewalt umschlägt.

"Power", ein drastischer Roman, in dem die gesellschaftlichen Verhältnisse von einem kleinen Mädchen völlig auf den Kopf gestellt werden.

Akiz: Der Hund
Akiz: Der Hund | Bild: Hanser Verlag

Akiz: Der Hund

hanserblau 2020, 192 Seiten, 18Euro

Alle nennen ihn nur den Hund, ein Mann ohne Vergangenheit, eine verwahrloste, verstoßende Kreatur. Aber der Hund hat eine Gabe: Aus einfachen Zutaten kocht er unglaubliche Gerichte. Die Menschen, die davon kosten, werden süchtig, fallen ins Bodenlose. Hier wird ein Nobel-Restaurant zum bizarren Vorhof der Hölle, und obwohl die Figur, der Hund, eine unschuldige Kreatur ist, entsteht um ihn herum Chaos und Verwüstung.

Die Welt der Spitzengastronomie beschreibt Akiz als knallhartes Milieu, es herrscht Kasernenton, Unerbittlichkeit, gegen sich selbst und alle anderen: „Wie in einem U-Bot oder in einer Panzerkabine drängt sich hier das Fußvolk mit dem Führungspersonal im gleichen, knallengen, mit Sauerstoff unterversorgten Raum.“

Was Akiz hier bietet, ist eine Geschichte über Genie und Unbedingtheit, stilistisch äußert hart und kompromisslos komponiert, damit liefert der Autor den vielleicht außergewöhnlichsten Roman des Bücherfrühjahrs ab.

Stand: 18.03.2020 08:48 Uhr

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